Bahn schließt Rohbau bei Stuttgart 21 ab

Mit dem Betonieren eines letzten Abschnitts ist das Dach der neuen Bahnsteighalle am frühen Dienstagmorgen geschlossen worden.

Im Morgengrauen fließt Beton: Ein letztes Stück des Dachs der Bahnsteighalle von Stuttgart 21 ist fertiggestellt worden.

© Julian Rettig

Im Morgengrauen fließt Beton: Ein letztes Stück des Dachs der Bahnsteighalle von Stuttgart 21 ist fertiggestellt worden.

Von Christian Milankovic

Stuttgart - Betonbauer müssen früh raus: Kurz nach sechs Uhr laufen am Dienstagmorgen die Vorbereitungen für das Betonieren des letzten Deckenabschnitts an der Bahnsteighalle von Stuttgart 21 an. Eine große Betonpumpe entfaltet ihren Ausleger, die Bauarbeiter entfernen große Planen, die die Einbaustelle vor dem herbstlichen Wetter schützen. Um kurz nach sieben fließt der erste Beton.

„Damit stellen wir den Rohbau der Bahnsteighalle fertig“, sagt Mark Theilemann. Der Bauingenieur ist bei Stuttgart 21 für den zentralen Abschnitt in der Innenstadt zwischen Kriegsberg und Kernerviertel verantwortlich. Der Chef auf der Bahnhofsbaustelle kann die Zahlen runterrattern: Mit dem Betonieren der 90 Quadratmeter großen Fläche ist die insgesamt 36 000 Quadratmeter – etwas mehr als fünf Fußballfelder – große Bahnhofsdecke geschlossen. Lediglich an zwei Stellen sind noch Kräne aufgestellt, deren unterer Teil die Betonfläche unterbrechen. „Die brauchen wir bis zum Schluss bei der Montage der Lichtaugen“, sagt Theilemann.

Für ihn markieren aber die rund 38 Kubikmeter Beton, die am Dienstmorgen in das dichte Stahlgeflecht der Armierung fließen, den Abschluss der Rohbauarbeiten. Die begannen im Januar 2016 mit dem Herstellen einer ersten Betonschicht, auf der später die dicke Bodenplatte des Bahnhofs hergestellt worden ist. Seitdem hat die Bahn insgesamt 95 000 Kubikmeter Beton verbaut, der eingebaute Stahl bringt mehr als 30 000 Tonnen auf die Waage. Angesichts dieser Dimensionen thematisieren Kritiker immer wieder die CO2-Bilanz des Vorhabens.

Nicht nur die löst Vorbehalte aus. Auch die Bauzeit und die Kosten für den neuen Bahnknoten geben immer wieder Anlass zur Diskussion. Die Bahn hält nach mehreren Verschiebungen am Eröffnungstermin Mitte Dezember 2025 fest. Die Kosten nähern sich der Zehn-Milliarden-Euro-Marke. Über die Frage, wer für die Kosten jenseits der im Finanzierungsvertrag fixierten 4,5 Milliarden Euro aufkommen muss, wird längst vor Gericht gestritten. Die Bahn hat ihre Projektpartner aus Stadt, Land, Region und vom Flughafen auf eine Beteiligung verklagt. Die weisen die Forderungen entschieden zurück. Am kommenden Freitag bietet sich ihnen die Gelegenheit zur kritischen Rückfrage. Dann tritt der so genannte Lenkungskreis zusammen, ein Gremium, in dem alle Beteiligten vertreten sind. Die Runde hätte ursprünglich schon Anfang November tagen sollen.

Die Diskussion um das Projekt ist am Dienstagmorgen auf dem Bahnhofsdach kein Thema. Für Theilemann und die anderen am Bau Beteiligten ist es ein besonderer Moment. Selbst dem Pathetischen eher unverdächtige Bauingenieure können sich dem nicht entziehen.

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Erstellt:
28. November 2023, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
29. November 2023, 21:44 Uhr

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