Der VfB legt einen Fehlstart hin

Im ersten Spiel des neuen Jahres ist der VfB Stuttgart bei Borussia Mönchengladbach zwar gewohnt dominant, kann viele seiner bisherigen Stärken aber nicht auf den Platz bringen. Zum Ende der Hinrunde verlieren die Stuttgarter 1:3, bleiben aber Tabellendritter.

Enttäuschte Stuttgarter in Mönchengladbach: Der VfB ist nicht gut aus den Startlöchern gekommen.

© Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Enttäuschte Stuttgarter in Mönchengladbach: Der VfB ist nicht gut aus den Startlöchern gekommen.

Von Carlos Ubina

Mönchengladbach - Die guten Nachrichten schienen zuletzt ja gar nicht mehr abzureißen. Eine Top-Hinrunde, eine Mini-Vorbereitung ohne Verletzte – und dann auch noch die Vertragsverlängerungen von Enzo Millot und Waldemar Anton. Alles schien bereitet für ein grandioses Fußballjahr 2024. Doch als es dann wirklich begonnen hatte, schlichen die Spieler der Stuttgarter mit gesenkten Häuptern aus dem Borussia-Park in Mönchengladbach. Der Grund für den Dämpfer war schnell gefunden: die 1:3-Niederlage gegen das Team von Gerardo Seoane. Die Sebastian Hoeneß als „sehr, sehr ärgerlich“ bezeichnete.

Der Trainer des VfB musste seine Mannschaft umbauen gegenüber dem 3:0 gegen den FC Augsburg vor Weihnachten. Serhou Guirassy, der Toptorjäger, spielt beim Afrika-Cup, weshalb in Mönchengladbach nur Deniz Undav als Stürmer auf dem Platz stand. Dahinter sollten Enzo Millot, Chris Führich und Josha Vagnoman offensiv wirbeln. So zumindest war der Plan ohne Guirassy – doch von einem Offensivspektakel waren die Stuttgarter am Sonntag weit weg.

Wie so oft in den vergangenen Monaten war der VfB zwar das Team, das über mehr Ballbesitz verfügte, doch fehlten dem Spiel der Weiß-Roten zunächst einige Komponenten, die die Mannschaft in der bisherigen Hinrunde ausgezeichnet hatte. Kaum überraschende Aktionen, zu wenig Tempo, mangelnde Aggressivität, wenig Zug zum Tor. Das Schlimmste an der Sache: Als dieses Zwischenfazit gezogen werden musste, lag der VfB schon 0:2 zurück.

Denn die Stuttgarter legten das hin, was man einen Fehlstart nennt. Nur Sekunden nach dem Anpfiff hatte Chris Führich auf der linken Seite den Ball erst erobert, dann verloren. Die Gladbacher suchten den schnellen Weg nach vorn, Rocco Reitz passte auf Robin Hack, der traf zum 1:0 nach nur 21 Sekunden Spielzeit – und legte auch noch nach.

In der 19. Minute fand Alassane Plea die Lücke in der Stuttgarter Abwehr, spielte Hack an, der keine Mühe hatte, den Doppelpack zu schnüren. Der VfB stand endgültig unter der kalten Dusche. Die auch Deniz Undav nicht abstellen konnte – der insgesamt unglücklich agierende Stürmer scheiterte bei der besten und fast einzigen VfB-Chance der ersten Hälfte mit seinem Schuss an den Außenpfosten. „Den muss ich machen“, sagte der Angreifer, „wir haben das Spiel in der ersten Hälfte verloren.“ Und es war klar: So konnte es nach der Pause nicht weitergehen.

Weil das auch dem VfB-Trainer nicht verborgen geblieben war, baute Hoeneß erneut um. Jamie Leweling und Anthony Rouault kamen für Maximilian Mittelstädt und Pascal Stenzel in die Partie, hinten agierte der VfB fortan mit einer Dreierkette. Und weil der VfB zudem an Energie und Aggressivität zulegte, wurde das Stuttgarter Spiel zwingender. Und torgefährlicher. Weshalb in der 55. Minute die Hoffnung zurückkehrte.

Nach einem langen Ball von Waldemar Anton passte Jamie Leweling auf Josha Vagnoman. Der machte eine schnelle Bewegung nach innen und schlenzte den Ball ins lange Eck des Gladbacher Tores. Der Anschluss war geschafft, und der VfB dominierte das Geschehen danach noch deutlicher.

Die Jungs in den roten Trikots passten ohne Ende, sie flankten, sie dribbelten, es kam der junge Luca Raimund (weil auch auf der Bank die namhaften Offensivalternativen durch Afrika- und Asien-Cup fehlten) – doch die Gladbacher stemmten sich mit einer Fünfer- und einer Viererkette gegen die Stuttgarter Offensivbemühungen. Weshalb es dem VfB nicht gelang, wirklich klare Chancen herauszuspielen. „Wir waren heute nicht in der Verfassung, die es braucht, um so ein Spiel zu gewinnen“, gab Hoeneß zu.

Stattdessen erzielte der Borussia-Stürmer Jordan Siebatcheu nach einem Konter das 3:1 für die Gastgeber, der VfB kassierte die fünfte Saisonniederlage und verpasste es, einen Vereinsrekord für die beste Hinrunde in der Bundesligageschichte des Clubs aufzustellen. Mit 34 erreichten Punkten haben die Stuttgarter als weiter Tabellendritter aber natürlich trotzdem eine starke erste Saisonhälfte gespielt. Die zweite beginnt am kommenden Samstag (15.30 Uhr) – mit dem Auswärtsspiel beim VfL Bochum. „Wir müssen eine Reaktion zeigen“, forderte Deniz Undav – und fasste sich an die eigene Nase: „Ich muss es dann besser machen.“

Zum Artikel

Erstellt:
14. Januar 2024, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
15. Januar 2024, 22:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!