Ein weiteres Traditionsgeschäft gibt auf

Immer mehr Läden schließen in der City. Felix Horsch, Chef in der dritten Generation des 1948 gegründeten Schuhhauses Horsch, gibt an der Eberhardstraße auf. Grund dafür seien schlechte Bedingungen für den Einzelhandel in Stuttgart. Online macht er weiter.

Der Laden an der Eberhardstraße 12 in Stuttgart

© Fotoagentur Stuttgart/Andreas Rosar

Der Laden an der Eberhardstraße 12 in Stuttgart

Von Uwe Bogen

Stuttgart - Wer auf großem Fuß lebt, war bisher in der Eberhardstraße richtig. Direkt neben dem Graf-Eberhard-Bau, in dem sich einst das Steak-Restaurant Block House befand und heute die Pop-up-Pizzeria Ciao Amore Freunde der italienischen Küche empfängt, liegt das Schuhhaus Horsch. In der dritten Generation wird dieses Schuhgeschäft geführt und hat sich auf nicht alltägliche Größen spezialisiert.

Männer finden im schicken Ambiente Designerware sowie von Horsch selbst produzierte Schuhe in den Größen 47 bis 52, Frauen in den Größen 42 bis 46, aber auch in den Untergrößen 32 bis 35. Der Inhaber Felix Horsch sieht für sein Unternehmen, das weitere Filialen in Hamburg, Düsseldorf und München betreibt, keine andere Möglichkeit, als das Stammhaus in Stuttgart zu schließen, also in jener Stadt, in der seine Großmutter vor 75 Jahren den Grundstein für den Familienbetrieb gelegt hat.

„Die Kundenfrequenz ist an der Eberhardstraße viel zu gering geworden“, bedauert Geschäftsführer Horsch. In den anderen Großstädten, in denen er Läden besitzt, sehe es zum Glück viel besser aus. Dort könne er weitermachen. Die Stuttgarter Innenstadt aber sei zu einem schlechten Pflaster für den Einzelhandel geworden. Seine Kunden würden als Gründe dafür mangelnde und zu teure Parkmöglichkeiten, Staus und Baustellen nennen. Felix Horsch spricht vom „Donut-Prinzip“: Die Verbraucher kauften außerhalb ein, etwa in Einkaufszentren der Region, und hätten keine Lust mehr auf die Stuttgarter Innenstadt, weil hier der Einkauf nicht mehr attraktiv sei, deshalb entstehe in der Mitte des Donuts, also in der City, „ein Loch“.

Messer Müller, Mode Döttinger, Juwelier von Hofen, Mauthe Benger und etliche andere – die Liste ist lang und wird bis Ende des Jahres immer noch länger. Ladenschließungen in der Innenstadt, so klagen die Händler, haben ein erschreckendes Maß angenommen. „Die Zeiten sind superschwierig“, sagt City-Manager Sven Hahn. Dass die Besucherfrequenz in der Stuttgarter City abgenommen habe, stimme aber nicht – das Gegenteil sei der Fall. Zur Wahrheit gehöre auch, dass zwar Geschäfte aufgeben würden, aber gleichzeitig neue an den Start gingen. Die Bedingungen in anderen Großstädten seien keineswegs besser, sagt Hahn. Dies wisse er von Begegnungen mit Kollegen bundesweit. Vielleicht sei die Lage der Horsch-Läden in den anderen Städte günstiger, vermutet er.

Felix Horsch gibt im stationären Handel in Stuttgart auf (zuvor war seine Familie auch am Wilhelmsplatz und im Königsbau beherbergt), macht aber beim Online-Verkauf weiter. Seit der Pandemie sei sein Umsatz bei den Bestellungen im Netz deutlich gestiegen. In Stuttgart-Wangen befindet sich die Zentrale von Schuhe Horsch sowie das Auslieferungslager. „Wir haben 6000 Artikel vorrätig“, berichtet er.

Künftig werde er das Lager samstags für seine Stuttgarter Stammkunden öffnen, die nicht per Online bestellen wollten. Finanziell stehe das Unternehmen gut da, könne sich aber eine hohe Ladenmiete an der Eberhardstraße nicht leisten, wenn dort auf 200 Quadratmetern zu wenige Schuhe verkauft werden. Etwa die Hälfte des Personals vom Citygeschäft will er in Wangen übernehmen.

Dem Hausbesitzer des Ladens sei es bisher nicht gelungen, neue Mieter zu finden. Felix Horsch hat auf Ende des Jahres gekündigt, wird das Geschäft aber nur noch bis Ende November öffnen. Er brauche noch Zeit zum Ausräumen.

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Erstellt:
5. Dezember 2023, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
6. Dezember 2023, 21:53 Uhr

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