Eine prägende Figur

Der VfB Stuttgart trauert um Rolf Geiger. Der Stürmer erzielte nicht nur das erste Bundesliga-Tor für den Verein, er lieferte auch sonst Gesprächsstoff.

Von jok/gub

Stuttgart - Jeder Club hat seine Helden, seine stilprägenden Figuren, seine Künstler. Zu den Fußballern des VfB, die Geschichte geschrieben haben, gehört Rolf Geiger.

Sein erstes Spiel in der neu geschaffenen Bundesliga hatte der VfB Stuttgart verloren, mit 0:2 beim FC Schalke 04. Eine Woche später, am 31. August 1963, feierte der Club gegen Hertha BSC seine Heimpremiere – und es wurde vor 40 000 Fans im Neckarstadion ein Fußball-Fest. Auch dank Rolf Geiger. Der Offensivmann erzielte in der achten Minute das erste Bundesliga-Tor des VfB, am Ende stand ein 2:0-Sieg. Schon allein deshalb wird Rolf Geiger unvergessen bleiben. Aber auch, weil er mehr war als ein herausragender Fußballer. „Der VfB Stuttgart hat nicht nur einen seiner verdientesten Spieler verloren“, teilte der Club am Mittwoch mit, „sondern einen großartigen Menschen.“

89 Jahre alt wurde Rolf Geiger, der als Fußballer die Menschen bewegte. Auf dem Platz, aber auch mit der einen oder anderen Eskapade. 1957 wechselte der talentierte Stürmer für 10 000 Mark von den Kickers zum VfB. Der Transfer entfachte den „Stuttgarter Fußballkrieg“. Beendet wurde er vom Deutschen Fußball-Bund – mit einer neunmonatigen Sperre für Geiger und Punktabzug nebst Geldstrafe für die Kickers, die Geiger ein unerlaubtes Salär von 700 Mark im Monat gezahlt hatten.

Zwischen 1957 und 1962 bestritt Geiger, der aus Marbach am Neckar stammte, für den VfB 116 Spiele in der Oberliga-Süd, in denen ihm 59 Tore gelangen. Dann zog er weiter – nach Italien zum FC Mantua. Dort verdiente Geiger nicht nur das Geld, mit dem er nach seiner Karriere ein erfolgreiches Immobilienunternehmen aufbaute, er durfte sich auch entscheiden zwischen einem Alfa Romeo und dem Erlass aller Steuern. „Ich habe den Alfa genommen“, erklärte er später einmal, „und trotzdem keine Steuern gezahlt.“

1963 kehrte Rolf Geiger, der insgesamt acht Länderspiele (zwei Tore) absolvierte, zum VfB zurück. Bis 1967 erzielte er in weiteren 70 Partien 19 Treffer, war dank seiner technischen Klasse eine der tragenden Säulen im Spiel des Bundesliga-Gründungsmitglieds. Nach seiner Karriere blieb er dem VfB als langjähriges Mitglied im Ehrenrat treu verbunden, 2010 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft des Vereins verliehen.

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Erstellt:
29. November 2023, 22:38 Uhr
Aktualisiert:
30. November 2023, 21:42 Uhr

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