Präsidentschaftsrennen

Hartes TV-Duell der US-Republikaner Haley und DeSantis

Während Nikki Haley und Ron DeSantis bei einer Debatte auf der TV-Bühne zanken, gibt Donald Trump auf einem anderen Kanal sein Standard-Repertoire zum Besten. Die republikanischen Präsidentschafts-Vorwahlen nahen.

Zank und Streit auf der Bühne: Ron DeSantis und Nikki Haley bei der Debatte in Des Moines.

© Andrew Harnik/AP

Zank und Streit auf der Bühne: Ron DeSantis und Nikki Haley bei der Debatte in Des Moines.

Von dpa

Des Moines/Washington - Mit harten gegenseitigen Angriffen haben sich die US-Republikaner Nikki Haley und Ron DeSantis kurz vor dem Start der Präsidentschaftsvorwahlen in Szene gesetzt, um den parteiinternen Spitzenreiter Donald Trump einzuholen.

Bei einer Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsanwärter standen Haley und DeSantis am Mittwochabend (Ortszeit) im Bundesstaat Iowa erstmals nur zu zweit auf der Bühne und lieferten sich ein Duell. Die frühere US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen und Floridas Gouverneur nutzten fast jede Antwort für eine verbale Attacke gegen den anderen. Trump, den beide mit eher zahmen Angriffen bedachten, blieb der Runde einmal mehr fern und spulte stattdessen bei einer Solo-Townhall für einen anderen TV-Sender sein übliches Programm ab.

In Iowa steht kommende Woche die erste Vorwahl der Republikaner an. Wer Präsidentschaftskandidat der Partei werden will, muss sich zuerst bei den internen Abstimmungen in den einzelnen Bundesstaaten durchsetzen. Die eigentliche Präsidentenwahl ist Anfang November. In Umfragen liegt Trump im schrumpfenden Bewerberfeld der Republikaner trotz aller Skandale und juristischen Probleme mit großem Abstand vorne und rangiert allgemein fast 50 Prozentpunkte vor Haley und DeSantis. In den beiden ersten Vorwahlstaaten Iowa und New Hampshire ist der Abstand geringer, und es sieht vor allem für Haley besser aus. Sie und DeSantis kämpfen derzeit aber vorrangig um Platz zwei.

Attacke und Gegenattacke

Bei ihrem Duell auf der Fernsehbühne in Iowa verhedderten sich Haley und DeSantis in stetigen Attacken und Gegenattacken. Der Gouverneur von Florida warf seiner Parteikollegin vor, sie sei opportunistisch, habe in der Vergangenheit immer wieder ihre Positionen verändert und richte sich vor allem nach dem Belieben reicher Geldgeber. Gleich drei Mal spottete der 45-Jährige, das Land brauche keine "blassen Pastelltöne", sondern einen Kurs der klaren Kante. Haley ist die einzige Frau unter den republikanischen Präsidentschaftsanwärtern und trug bei der Debatte ein pastellfarbenes Kleid.

Die frühere Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina wiederum bezeichnete DeSantis durchgehend als Lügner, verwies ein ums andere Mal auf eine Webseite ihrer Wahlkampagne, in der dessen Unwahrheiten aufgelistet seien. Haley stichelte, DeSantis sei nur neidisch, dass sich Spender von ihm abgewandt hätten und nun sie unterstützten. "Du bist so verzeifelt", warf sie ihm entgegen.

Zahme Kritik an Trump

Beide versuchten einmal mehr mit Botschaften der Härte zu punkten, etwa gegenüber dem Iran oder China. Gegenüber Trump allerdings wagten sich DeSantis und Haley nur ein kleines bisschen mehr hervor als bei vorherigen Debatten. "Ich schätze, was Präsident Trump geleistet hat", sagte DeSantis. Sein Parteikollege habe an vielen Stellen allerdings nicht geliefert, was er versprochen habe. Politiker müssten "Diener des Volkes" sein und nicht "Herrscher über das Volk", stichelte er. Und mit Trump als Kandidat würde sich alles nur um die vergangene Wahl, juristische Probleme und Gerichtsverfahren drehen.

Auch Haley übte eher Zurückhaltung gegenüber Trump. "Ich denke, er war der richtige Präsident zur richtigen Zeit. Ich stimme mit vielen seiner politischen Maßnahmen überein", sagte sie. Aber seine Art sei nicht ihre. Rache und Drama lägen ihr nicht. Und Trump sei nicht der richtige Präsident für die Zukunft. Mit ihm gäbe es "vier weitere Jahre Chaos". Zumindest betonte die 51-Jährige jedoch, dass Trump die jüngste Präsidentenwahl gegen den Demokraten Joe Biden verloren habe. Weiterhin das Gegenteil zu behaupten, sei falsch, kritisierte sie.

Trump hat seine Wahlniederlage nie eingestanden, sondern verbreitet bis heute Lügen, der Sieg sei ihm durch Betrug gestohlen worden. Er versuchte damals mit aller Kraft, den Wahlausgang umzukehren, was in der beispiellosen Attacke seiner Anhänger auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 gipfelte. Der Ex-Präsident muss sich wegen seiner Rolle nach der Wahl und wegen mehrerer anderer Vorwürfe in den kommenden Monaten parallel zum Wahlkampf in vier Strafverfahren verantworten.

Die parallele Trump-Show

Bei seinem parallel zur Debatte ausgestrahlten Solo-Auftritt beim Fernsehsender Fox News ätzte Trump am Mittwoch gegen DeSantis, dieser sei praktisch gar nicht mehr im Rennen. Der 77-Jährige spielte erneut darauf an, dass er DeSantis zu Beginn seiner Karriere geholfen habe. "Er würde in einer Pizzeria oder vielleicht in einer Anwaltskanzlei arbeiten, wenn ich ihn nicht unterstützt hätte."

Ein wichtiges Thema der Sendung war Migration. "Wir werden die größte Abschiebeaktion in der Geschichte unseres Landes durchführen", kündigte Trump mit Blick auf Menschen ohne Papiere im Land an. "Wir bringen alle dorthin zurück, wo sie hergekommen sind." Hinsichtlich seines Kommentars vor einigen Wochen, dass er am ersten Tag seiner Amtszeit ein Diktator sein werde, sagte Trump, dass er von den Demokraten als Diktator dargestellt werde. "Ich werde kein Diktator sein", beteuerte er mit Blick auf eine mögliche zweite Amtszeit.

Haley und DeSantis kritisierten in seltener Einigkeit, dass Trump wie schon bei vorherigen Runden seine Teilnahme an der Debatte verweigert habe. Nur wenige Stunden vorher war der frühere republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, aus dem Vorwahl-Rennen ausgestiegen - angesichts mauer Umfragewerte. Der 61-Jährige hatte sich in den vergangenen Wochen als einziger republikanischer Präsidentschaftsbewerber mit harter Kritik an Trump hervorgetan. Am Mittwoch warf er seinen Mitstreitern erneut vor, sie seien zu feige, Trump hart anzugehen - aus Angst, dessen Basis zu verschrecken.

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Erstellt:
11. Januar 2024, 08:18 Uhr

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