Antisemitismus-Vorwürfe

Harvard-Präsidentin Claudine Gay tritt zurück

Angesichts massiver Kritik an ihrer Haltung zu Antisemitismus auf dem Campus reicht die Präsidentin der US-Elite-Universität Harvard ihren Rücktritt ein. „Schweren Herzens“ lege sie ihr Amt nieder, erklärte Claudine Gay am Dienstag.

Claudine Gay tritt zurück (Archivbild).

© AFP/STEPHANIE MITCHELL

Claudine Gay tritt zurück (Archivbild).

Von red/dpa/AFP

Nach nur rund sechs Monaten im Amt tritt die Präsidentin der US-Elite-Universität Harvard, Claudine Gay, zurück. Die Entscheidung folgt Plagiatsvorwürfen sowie heftiger Kritik an einer Anhörung im US-Kongress, bei der sich Gay und zwei weitere Hochschulpräsidentinnen gegen Vorwürfe verteidigt hatten, nicht genug gegen Antisemitismus auf dem Campus getan zu haben. In der Folge hatte bereits die Präsidentin der University of Pennsylvania ihr Amt niedergelegt.

„Mit schwerem Herzen, aber aus tiefer Liebe zu Harvard teile ich mit, dass ich als Präsidentin zurücktreten werde“, zitierten US-Medien am Dienstag aus einem Brief Gays an die Universitätsgemeinschaft. Die Entscheidung sei ihr demnach nicht leicht gefallen, liege aber im „besten Interesse von Harvard“. Wie die Hochschulzeitung „Harvard Crimson“ berichtete, wurde bereits ein vorläufiger Vertreter ernannt.

Besonders eine Szene sorgte für große Empörung

Seit dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober hatte sich der Streit über den Konflikt in Nahost auch an Universitäten und Schulen in den USA entladen. Anfang Dezember lud der von Republikanern geführte Bildungsausschuss im US-Kongress dann die Präsidentinnen von Harvard, der University of Pennsylvania und dem Massachusetts-Institut für Technologie (MIT) vor.

Alle drei räumten in der Anhörung antisemitische und islamophobe Vorfälle an ihren Universitäten ein. Besonders eine Szene sorgte dabei für große Empörung: Auf die Frage, ob der „Aufruf zum Völkermord an den Juden“ an ihren Universitäten gegen Richtlinien zu Mobbing und Belästigung verstoße, antwortete Gay nicht mit „Ja“ oder „Nein“, sondern sagte: „Das kann sein, abhängig vom Kontext.“

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Erstellt:
2. Januar 2024, 21:14 Uhr

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