Kirchen positionieren sich gegen AfD

Vertreter von Protestanten und Katholiken fordern dazu auf, sich dem „rechten Ungeist“ entgegenzustellen – etwa an diesem Samstag bei der Kundgebung von Pulse of Europe auf dem Stuttgarter Schlossplatz.

Sie wollen rechten Umtrieben entgegentreten: der katholische Stadtdekan Christian Hermes (links) und der evangelische Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler.

© Lichtgut/Julian Rettig

Sie wollen rechten Umtrieben entgegentreten: der katholische Stadtdekan Christian Hermes (links) und der evangelische Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler.

Von Jan Sellner

Stuttgart - Kirchen und Religionsgemeinschaften in Stuttgart melden sich mit einem entschiedenen Nein zu rechtsextremen Umtrieben und zur AfD zu Wort. Der katholische Stadtdekan Christian Hermes, der an diesem Samstag bei einer Kundgebung von Pulse of Europe auf dem Schlossplatz sprechen wird, erklärte in einer Stellungnahme: „Wir sind, gerade in Stuttgart, eine Kirche aus allen Völkern.“ Fast die Hälfte der Katholikinnen und Katholiken hier habe eine Migrationsgeschichte. „Als eine internationale Weltkirche lassen wir nicht zu, dass die Nazi-Partei AfD unsere Verfassung zerstören will“, schrieb Hermes. Ausländerhass sei unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild. „Ich rufe deshalb alle Christinnen und Christen auf: Schweigt nicht! Tretet rechten Umtrieben aktiv entgegen“, schrieb der katholische Stadtdekan weiter.

Auch der evangelische Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler äußerte sich. „Die christliche Botschaft ist eine politische. Sie ist parteipolitisch, indem sie für die Armen und Schwachen Partei ergreift. Sie ist nicht parteipolitisch im Sinne einer modernen Partei. Aber sie kann Dinge klar benennen, die in unseren Parteien gut sind und Dinge, die der Botschaft Jesu widersprechen.“ Das gelte auch im Hinblick auf die AfD, schrieb er in einem Blog-Beitrag. Seine klare Meinung als Pfarrer sei: „Ein Christ kann die AfD nicht wählen, weil deren Inhalte der Botschaft Jesu widersprechen.“ Biblisch gesprochen sei es „eine Sünde, AfD zu wählen“. Wer dieser Partei angehöre, könne nicht Mitglied in einem kirchlichen Gremium sein. Vosseler, der im Gottesdienst zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen hat, ist dafür, entschieden gegen die AfD vorzugehen: „Es ist an der Zeit, das Verbot dieser Partei einzuleiten, auch wenn das ein weitgehender Schritt ist.“ Zuvor hatte bereits der Landesbischof der evangelischen Landeskirche Württemberg, Ernst-Wilhelm Gohl, Position bezogen: „Die AfD ist für Christinnen und Christen nicht wählbar.“ Christen sollten sich „dem Ungeist“ entgegenstellen.

Vosseler betonte, man müsse sich damit beschäftigten, wie man Menschen, die AfD wählten oder mit der Partei sympathisierten, erreichen könne: „Unsere Aufgabe ist es, Menschen davon zu überzeugen, dass sie das Falsche tun, wenn sie AfD wählen.“ Vosserler erinnerte daran, dass das Grundgesetz, das, wie die biblische Botschaft, die Würde des Menschen betone, im Mai 75 Jahre alt wird. „Wir sollten mit Veranstaltungen und Gottesdiensten daran erinnern und diese Erinnerung stark machen für die Gegenwart.“

Auch der Stuttgarter Rat der Religionen, ein Zusammenschluss von 21 Religionsgemeinschaften, gab eine Stellungnahme ab. Susanne Jakubowski von der jüdischen Gemeinde, die Koordinatorin ist, erklärte, der Rat verfolge das Ziel, in der Stadtgesellschaft ein gutes, respektvolles und tolerantes Miteinander zu schaffen und zu fördern. „Daher haben uns die überwältigenden Kundgebungen des vergangenen Wochenendes gegen rechts – für Demokratie, Vielfalt und Einheit in Freiheit mit großem Stolz und Freude erfüllt.“ Als Rat baue man darauf, „dass sich unsere Stadtgesellschaft in ihrer deutlichen Mehrheit gegen jegliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ausspricht sowie sich für die Wahrung der Menschenwürde und der Menschenrechte, für soziale Gerechtigkeit, für die Beseitigung aller Formen von Diskriminierung und Hass aufstellt.“

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Erstellt:
26. Januar 2024, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
27. Januar 2024, 20:03 Uhr

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