Kommentar: Die Rote Karte ist überfällig

Kommentar: Die Rote Karte ist überfällig

Von Norbert Wallet

Dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Homöopathie als Kassenleistung streichen will, hat mit Kostendämpfung im Gesundheitswesen gar nichts zu tun. Die Ausgaben für die Zuckerkügelchen, die manche Kassen im Zuge ihrer freiwilligen Leistungen übernehmen, belaufen sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Angesichts von Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung, die sich 2022 auf 289 Milliarden Euro beliefen, ist das eine zu vernachlässigende, sozusagen homöopathische Größe. Es ist auch nicht so, dass die Hersteller auf die Kostenübernahme in irgendeiner Form angewiesen wären. Die ist eher für das Prestige gut, weil die Kassen mit ihren Zuschüssen der Branche den Schein wissenschaftlicher Hoffähigkeit verleihen. Man kann es also aus guten Gründen politisch ausgesprochen unklug finden, dass der Minister hier einen neuen Kampfplatz eröffnet.

Warum geht Lauterbach diesem Konflikt nicht aus dem Weg? Weil es ihm ums Prinzip geht – und mit seinem Beharren darauf hat er recht. Medizin ist eine Wissenschaft. Wissenschaft bedeutet die Verpflichtung auf strikte Evidenzbasierung. Das heißt, Medikamente und Heilverfahren müssen den Nachweis ihrer Wirksamkeit, jenseits von Placebo-Effekten, erbringen. Wohlgemerkt, den wissenschaftlichen Nachweis. Ein bloßes Gefühl, ein Verdacht, ein Hörensagen reichen nicht. Diesen Nachweis kann die Homöopathie nicht erbringen.

Zum Artikel

Erstellt:
11. Januar 2024, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
12. Januar 2024, 21:58 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!