Kommentar: Ein jahrzehntelanges Versäumnis

Kommentar: Ein jahrzehntelanges Versäumnis

Um den Mangel auszugleichen, müssten hunderttausende Wohnungen entstehen. Aber müssen die auch neu gebaut werden?

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Um den Mangel auszugleichen, müssten hunderttausende Wohnungen entstehen. Aber müssen die auch neu gebaut werden?

Von Annika Grah

Stuttgart - Zugegeben – man kann nicht sagen, dass nichts passiert ist. Seit Jahren versuchen Bund und Länder, den Schwund der Sozialwohnungen bundesweit zu stoppen. In Baden-Württemberg sah es 2022 auch so aus, als sei das gelungen. Die Frage ist, ob sie ausreicht. Denn die jahrelange Untätigkeit in der Wohnungspolitik schlägt inzwischen auf den breiten Mietmarkt durch, wie eine aktuelle Studie des Pestel-Instituts belegt. Wo Sozialwohnungen fehlen, hilft der Staat Menschen mit niedrigem Einkommen, die Mieten zu zahlen – das treibt die Preise.

Dass das nicht so bleiben sollte, liegt auf der Hand. Doch die schnelle Lösung – mehr Förderung, mehr Wohnungen – steht angesichts knapper Kassen nicht zur Verfügung. Das zeigt allein die Summe von 50 Milliarden Euro, die das Bündnis „Soziales Wohnen“ in den Raum stellt. Die andere Frage ist, ob der adressierte Bedarf angesichts von Grundstücksknappheit und hohen Preisen überhaupt gebaut werden kann.

Stattdessen sollte man sich vielleicht doch auf diejenigen stützen, die seit Jahrzehnten dafür sorgen, dass überhaupt bezahlbarer Wohnraum entsteht. Die neue Wohngemeinnützigkeit, die Steuererleichterungen für dauerhaft abgesenkte Mieten auch im Bestand verspricht, geht in die richtige Richtung. Die Ampel hat sie für dieses Jahr angekündigt. Bleibt zu hoffen, dass sie in den Mühlen der Ampelstreitigkeiten nicht zerrieben wird.

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Erstellt:
19. Januar 2024, 22:04 Uhr
Aktualisiert:
20. Januar 2024, 20:06 Uhr

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