Landesarchiv-Baden-Württemberg

Kulturschätze in 3-D

Das Landesarchiv Baden-Württemberg lässt derzeit von seinen bedeutendsten Kulturschätzen, sofern es sich nicht um reine Dokumente handelt, dreidimensionale Abbilder erstellten. Die 3-D-Kopien sollen künftig Forschungszwecken dienen, aber auch der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Die Goldene Bulle ist das wertvollste Exponat, das gescannt wird.

© Lichtgut/Leif Piechowski

Die Goldene Bulle ist das wertvollste Exponat, das gescannt wird.

Von Torsten Schöll

Es ist vielleicht das wertvollste Exponat, über das das Landesarchiv Baden-Württemberg verfügt: die Goldene Bulle, das kaiserliche Gesetzbuch von 1356. Von diesem „Grundgesetz“, das zum Weltdokumentenerbe der Unesco gehört, existieren weltweit sieben Exemplare. Eines davon wird in Stuttgart verwahrt.

Den Hochsicherheitstresor des Hauptstaatsarchivs verlässt die Goldene Bulle nur ganz selten. Am Mittwochvormittag liegt der Kulturschutz im Keller des Hauptstaatsarchivs auf einer Art Teller, um den ein vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) entwickelter Roboterarm samt hochauflösender Spezialkamera kreist.

20 herausragende Exponate werden gescannt

Die Firma Versus Digital aus Darmstadt, eine Ausgründung des IGD, ist vom Landesarchiv beauftragt, in einem ersten Schritt 20 herausragende Exponate der Sammlung abzuscannen, um 3-D-Digitalisate von den wertvollen Stücken zu erstellen. Unter den Kunstschätzen befinden sich neben der Goldenen Bulle ein Spazierstock des letzten württembergischen Königs Wilhelm II., der Zylinder des letzten Staatspräsidenten von Baden, Leo Wohleb, und eine Urkunde von 1220, auf deren Siegel zum ersten Mal das Wappen der Staufer abgebildet wurde. Die Sammlungsstücke stammen aus staatlichen Archiven in Baden-Württemberg.

Wie Peter Rückert, Leiter des Hauptstaatsarchivs, betont, bestehe die Aufgabe des Landesarchivs nicht nur darin, „das Kulturerbe zu bewahren, sondern es auch auf technisch höchstem Niveau zu vermitteln“. Fünf Tage lang dauert es, bis die 20 Exponate dreidimensional eingescannt sind. Ab etwa März sollen sie auf der Internetseite des Landesarchivs (www.landesarchiv-bw.de) und dem Kulturportal des Landes (www.leo-bw.de) zu sehen sein.

Goldene Bulle darf das Hauptstaatsarchiv nicht verlassen

Das Fraunhofer-Institut und Verus Digital beschreiten mit dem Auftrag selbst Neuland, weil das Verfahren zum ersten Mal in Deutschland in einem staatlichen Archiv zum Einsatz kommt. Wie Martin Schurig, Operativer Geschäftsführer von Verus Digital, erklärt, benötigt das KI-basierte Verfahren zwischen einer halben Stunde und zwei Stunden, um ein Objekt dreidimensional einzuscannen. Bislang kommt die Technologie vor allem in der Industrie, der Bau- und der Kreativwirtschaft sowie dem Gesundheitswesen zum Einsatz. Dass die Objekte jetzt in einem temporär eingerichteten Aufnahmestudio im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart gescannt werden, ist der Goldenen Bulle geschuldet. Sie dürfe das Hauptstaatsarchiv nicht verlassen, so Rückert. Perspektivisch könne sich das Landesarchiv vorstellen, selbst die technischen Voraussetzung zu erschaffen, um 3-D-Kopien anzufertigen.

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Erstellt:
18. Januar 2024, 13:26 Uhr
Aktualisiert:
19. Januar 2024, 09:04 Uhr

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