Nach Explosion: Netze BW sucht Leck in der Gasleitung

An der Katzenbachstraße in Stuttgart-Vaihingen sprengt eine Explosion Teile eines Wohnhauses weg. Die Betreiberfirma Netze BW sucht nun nach der Ursache.

Ein Trümmerhaufen ist übrig: Die Explosion lässt eine Gebäudewand einstürzen

© /Klaus Köster

Ein Trümmerhaufen ist übrig: Die Explosion lässt eine Gebäudewand einstürzen

Von Christine Bilger

Stuttgart - Ein lauter Knall am frühen Nachmittag hat die Menschen in Stuttgart-Vaihingen aufgeschreckt: An der Katzenbachstraße ist es in einem Wohnhaus zu einer Explosion gekommen. Mehrere Anwohnerinnen und Anwohner verständigten die Feuerwehr. Die rückte ob der Erstmeldung „Explosion und Brand“ mit einem großen Kräfteaufgebot aus. Am Einsatzort fanden sie ein Bild der Vernichtung: Durch die Explosion war das Wohnhaus teilweise zerstört. Zur Straße hin stürzte eine Hauswand ein, eine weitere Wand an der Gebäuderückseite wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Trümmerteile lagen über die Straße verstreut, auch Möbelstücke waren zu sehen. Am Abend stand fest: Ein Teil des Gebäudes musste noch in der Nacht abgerissen werden. Das Technische Hilfswerk rückte zur Unterstützung an. Die Feuerwehr startete die Löscharbeiten, die sich über mehr als eine Stunde hinzogen.

Die Ursache steht noch nicht fest, teilten Feuerwehr, Netze BW und Polizei am Mittwochabend mit. Jedoch machte die Netze BW als Betreiberin der Gasleitungen bei der Ursachenforschung in der Umgebung eine Entdeckung: Es sei auf der Straße in der Nähe der Unglücksstelle Gas gemessen worden. Deswegen wurde eine Suche entlang der Leitungen gestartet, für die auch die Straße aufgegraben werden musste. Ob die Explosion auf ein Leck der Gasleitung oder einen ähnlichen Defekt zurückzuführen sei, stehe jedoch noch nicht fest, sagte ein Sprecher der Netze BW am Abend.

Die Netze BW suchte auch in der Umgebung und schaute in benachbarten Häusern, ob irgendwo eine erhöhte Gaskonzentration zu messen war. In einem Haus sei das der Fall gewesen. Es sei belüftet worden. Die Feuerwehr und die Netze BW seien im Einsatz, um weitere Schäden in der Umgebung des Hauses zu vermeiden. Dazu wurde bei etwa 40 Häusern Strom und Gas abgedreht.

Eine 58 Jahre alte Frau erlitt bei der Explosion in dem Haus leichte Verletzungen. Sie konnte sich selbstständig in Sicherheit bringen, die Rettungskräfte versorgten sie medizinisch, dann kam sie in ein Krankenhaus. Weitere Personen waren zur Zeit des Unglücks offenbar nicht in dem Gebäude, wohl aber ein kleiner Hund. In all dem Schrecken nach der Explosion kam gut eine Stunde nach Einsatzbeginn eine gute Nachricht: Die Feuerwehr fand den Hund. „Einsatzkräfte konnten ihn mit Atemschutzausrüstung aus den Trümmern des Hauses holen“, sagt Daniel Anand, der Sprecher der Stuttgarter Feuerwehr.

Das hieß jedoch nicht, dass das Haus schon wieder betretbar gewesen wäre. Aufgrund der massiven Beschädigung müssten erst Fachleute die Statik untersuchen, bevor man in das Gebäude gehen kann. Die Feuerwehr setzte die Löscharbeiten fort und nutzte dafür unter anderem auch die Bilder, die eine über dem beschädigten Haus aufgestiegene Drohne von dem Einsatzort machte.

Aufgrund der Rauchentwicklung bat die Feuerwehr die Anwohnerinnen und Anwohner, die Türen und Fenster vorübergehend geschlossen zu halten. Das war noch nicht die einzige Einschränkung, welche die Explosion und der Brand mit sich brachten: Zudem war die Katzenbachstraße für die Dauer des Einsatzes teilweise gesperrt, was wiederum Auswirkungen auf den Nahverkehr hatte. Denn durch die Straße führt aktuell die Route der Busse im Schienenersatzverkehr. Anfangs drängten sich die Fahrzeuge noch durch, bevor eine Absperrung eingerichtet wurde. Dann wurden die Busse umgeleitet. Für Personen, die aufgrund des Einsatzes beziehungsweise der Suche nach einer möglichen Ursache am Gasleitungsnetz am Mittwoch nicht in ihre Wohnungen konnten, richtete die Feuerwehr eine Notunterkunft ein, und zwar im Vaihinger Feuerwehrhaus an der Bachstraße. Bei den Aufräumarbeiten war das Technische Hilfswerk (THW) im Einsatz. Die genaue Schadenhöhe stand am Mittwoch noch nicht fest. Auch ist noch offen, ob das schwer in der Substanz beschädigte Haus einsturzgefährdet ist und ob es saniert werden kann.

Die Explosion an der Katzenbachstraße weckte nicht nur bei den Einsatzkräften unschöne Erinnerungen an einen ähnlichen Fall im Stuttgarter Westen im vergangenen Frühjahr – mit wesentlich schlimmeren Folgen. Dort war eine Frau ums Leben gekommen, als nach einer Gasexplosion das Mehrfamilienhaus brannte. Wie durch ein Wunder konnten sich alle anderen im Haus lebenden Personen, darunter auch kleine Kinder, nach dem Knall retten, der den halben Stadtteil aus dem Schlaf gerissen hatte. Das Haus wurde dabei vollständig zerstört und musste abgerissen werden. Auch an umliegenden Häusern entstanden durch die Explosion Schäden. Neben den Familien aus den völlig zerstörten Häusern mussten auch mehrere Nachbarinnen und Nachbarn vorübergehend bei Freunden und Bekannten unterkommen.

In der Köllestraße hatte es sich um eine Gasexplosion gehandelt. Dort hatten die Strom- und die Gasleitung extrem eng beieinandergelegen. Durch einen Schaden an der Gasleitung strömte Gas in das Untergeschoss des Hauses. Als es sich entzündete, kam es zu der Explosion.

Zum Artikel

Erstellt:
17. Januar 2024, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
18. Januar 2024, 22:03 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen