Nikki Haleys letzte Chance

Nur die 52-Jährige kann Donald Trump noch stoppen. Alles hängt nun von New Hampshire ab.

Von Eidos Import

Das klägliche Ende des Bewerbers Ron DeSantis gibt Nikki Haley die Chance, bei den Vorwahlen der Republikaner die Anti-Trump-Stimmen zu bündeln. Damit hat ihr der Gouverneur aus Florida einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Das Rennen um die Präsidentschaftsnominierung der Republikaner ist nun ein Duell mit klaren Konturen: Eine dreißig Jahre jüngere Frau fordert einen alten weißen Mann heraus.

Haley hofft auf die lange Tradition von New Hampshire, die Ergebnisse der Vorwahl im US-Bundesstaat Iowa zu korrigieren. Während im Mittleren Westen rechte Aktivisten die Parteiversammlungen der Republikaner dominieren, dürfen in Neuengland auch Unabhängige ihre Stimme abgeben. Diese machen immerhin 40 Prozent der gesamten Wählerschaft aus.

Außerdem unterscheiden sich die Verfahren in den beiden US-Bundesstaaten: New Hampshire hält sogenannte Primaries ab; die Wähler geben dabei ganz klassisch im Wahllokal ihre Stimme ab. Das ist weniger mühsam, als stundenlang bei Parteiversammlungen zu sitzen, wie es in Iowa mit dem Caucus-Verfahren die Regel ist. Deshalb nehmen mehr Menschen an den Primaries als an Caucuses teil. Das hilft in der Regel Kandidaten, die eine weniger extreme Agenda verfolgen. Die Gewinner von Iowa entpuppen sich deshalb immer wieder als Sieger für einen Tag.

Auf dieses ungeschriebene Gesetz setzt Nikki Haley, die Donald Trump am Dienstag in New Hampshire an seinem Durchmarsch zur Präsidentschaftsnominierung stoppen will. Doch ihr Konkurrent tritt quasi als Amtsinhaber an.

Trump hat sieben von zehn Republikaner davon überzeugt hat, dass ihm der Sieg 2020 gestohlen worden sei. Jenseits von New Hampshire gibt es keinen Staat, in dem er nicht mindestens 30 Prozentpunkte vorn liegt. Der Ausstieg des letzten Mitbewerbers um die Anti-Trump-Stimmen dürfte Haley auch deshalb nicht helfen, weil DeSantis versucht hatte, den Ex-Präsidenten rechts zu überholen. Nun signalisierte er, Trump zu unterstützen.

Dass die in der Tea-Party groß gewordene Haley nun die letzte Chance ist, den Möchtegernautokraten mithilfe der Unabhängigen in New Hampshire zu stoppen, zeigt, wie weit nach rechts die Republikaner gerückt sind. Die ehemalige Mitte-rechts-Partei hat heute mehr mit der AfD als mit den Unionsparteien gemein. Mit einem Sieg Trumps bei den Vorwahlen stünde die Gleichschaltung der Republikaner mit seiner Make-America-Great-Bewegung vor dem Abschluss.

Auch die ehemalige Gouverneurin von South Carolina ist weder moderat noch liberal. Aber sie stellt weder die Demokratie infrage, noch rüttelt sie an den Grundfesten amerikanischer Sicherheitspolitik. Deshalb wird sie auch von Nicht-Republikanern als politischer Feuerwall gegen den Anstifter des Aufruhrs vom 6. Januar 2021 gesehen.

Für die rund 25 Prozent „Never“-Trumper in der Grand Old Party ist New Hampshire die letzte Chance zu verhindern, dass die Partei einen vor vier Strafgerichten in 91 Punkten angeklagten Aufrührer auf den Schild hebt. Ob sie es schaffen, hängt davon ab, wie viele Unabhängige sich bei den Primaries am Dienstag beteiligen werden.

Ohne den Rückenwind eines Überraschungserfolgs in New Hampshire wird die ehemalige Gouverneurin von South Carolina keine Chance in ihrer Heimat haben. Die Republikaner der Südstaaten haben Haleys konservative Politik zwar gut gefunden, aber sie lieben nun mal Trump. Deshalb geht es für die 52-Jährige also in New Hampshire nicht nur um einen Achtungserfolg, sondern um alles.

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Erstellt:
22. Januar 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
23. Januar 2024, 22:03 Uhr

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