OB Nopper meldet sich zu Wort

Wo war Oberbürgermeister Frank Nopper am Demo-Wochenende? Am Montag äußerte er sich via Social Media zu den Kundgebungen.

Von Jan Sellner

Stuttgart - Rund 30 000 Menschen haben am Wochenende in Stuttgart auf zwei Kundgebungen auf dem Schlossplatz und dem Marktplatz für Demokratie und gegen rechtsextreme Umtriebe demonstriert. Bei der Anwesenheit so vieler Bürger fiel die Abwesenheit eines Stuttgarters auf: Der Oberbürgermeister war weder physisch noch medial präsent. „Wo war eigentlich Frank Nopper?“, lautete daher eine oft gestellte Frage.

Seine Sprecherin Susanne Kaufmann erklärte am Sonntag auf Anfrage unserer Redaktion, ob das Stadtoberhaupt angesichts der Dynamik der bundesweiten Proteste nicht kurzfristig plane, auf dem Marktplatz aufzutreten: „Der Oberbürgermeister ist aktuell eine knappe Woche ortsabwesend.“ Noch bis Dienstag nimmt Nopper mit 60 Amtskollegen an einer Bürgermeisterwoche auf der Halbinsel Mettnau am Bodensee teil. Eine kurzfristige Anfrage der Jüdischen Studierenden-Union, auf dem Marktplatz zu sprechen, habe die Schulbürgermeisterin Isabel Fezer für ihn übernommen. Fezer, die auch Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist, sei eine „sehr gute Vertreterin der Stadt“.

Das stand außer Zweifel. Fezer trat am Sonntag als erste von 13 Rednern auf und versprach unter dem Applaus der rund 8000 Menschen auf dem Marktplatz, für Vielfalt in der Stadt und gegen die „Verfassungsfeinde“ zu kämpfen. Dennoch hielten etliche Ausschau nach dem OB – um in der Menge Alt-OB Fritz Kuhn zu entdecken. Was sie außerdem entdeckten: ein großes Transparent hinter den Rednern an der Rathausfassade: „Laufen unter Flutlicht“, eine Einladung der Stadt an die Bürger, im Winter auf den städtischen Sportanlagen zu trainieren. So mancher Demoteilnehmer hätte sich an diesem Tag an dieser Stelle eine andere Botschaft gewünscht: „Schade, dass sich die Stadt bei einem solchen Anlass kein besseres Plakat einfallen lässt“, sagte eine Stuttgarterin.

Sprecherin Kaufmann warb im Gespräch um Verständnis für Noppers Abwesenheit. Sie erinnerte daran, dass der OB in den vergangenen Monaten zweimal auf Einladung jüdischer Veranstalter auf einer Kundgebung in Stuttgart gesprochen habe: bei der Solidaritätskundgebung nach dem Angriff der Hamas auf Israel im Oktober und beim Chanukka-Fest im Dezember. Die Sprecherin verwies zudem auf eine Resolution vom vergangenen Freitag, in dem sich 30 Oberbürgermeister aus der Region gegen Rassismus positionierten. Zu den Unterzeichnern gehört auch Frank Nopper.

Warum der OB am Wochenende allerdings nichts auf Social Media verlauten ließ, bleibt eine offene Frage. Er geize doch sonst nicht mit Posts, schrieb ein User. Ein anderer wollte wissen: „Kommt von ihm noch irgendein Statement zu den paar Zehntausenden Demonstranten in ,seiner‘ Stadt?“

Am Montagnachmittag folgte die Antwort – in Form eines Posts. Darin nennt Nopper die Demos „ein eindrucksvolles Bekenntnis zur freiheitlichen Demokratie sowie zu einem guten Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen in unserer Stadt“. Er verwies auf die Resolution der 30 OBs vom Freitag: „Darin stellen wir uns gegen jegliche Form von Extremismus. Wir verteidigen die Grundwerte unserer Gesellschaft.“ Man müsse allerdings auch „die vielen Menschen, die verunsichert, enttäuscht und mit unserer Gesellschaft nicht zufrieden sind, mit Engagement überzeugen“. Auf der Homepage der Stadt fand dieses Statement bis Montagabend keinen Niederschlag.

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Erstellt:
22. Januar 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
23. Januar 2024, 22:03 Uhr

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