Warum kommt beim VfB nichts von der Bank?

Beim 0:1 in Bochum verwundert Trainer Sebastian Hoeneß mit nur einer Auswechslung. Danach stellt sich die Frage nach Hoeneß’ Wechseltaktik.

Von Gregor Preiß

Stuttgart - Beim Spielersatztraining am Sonntag standen sie schon wieder auf dem Trainingsplatz. Anders als für die Stammspieler des VfB Stuttgart, die ihre Zeit im Kraftraum verbrachten, war für die Reservisten ein Fünf-gegen-fünf-Spielchen angesagt. Also für all jene Spieler, die tags zuvor bei der 0:1-Pleite in Bochum gar nicht oder nur kurz zum Einsatz gekommen waren.

Was die komplette Stuttgarter Bank betraf. Die Feldspieler Anthony Rouault, Pascal Stenzel, Leonidas Stergiou, Genki Haraguchi, Raul Paula, Luca Raimund sowie Jovan Milosevic mussten sich die Niederlage vom Spielfeldrand aus ansehen. Einzig der eigentlich schon aussortierte Roberto Massimo kam zu einem Kurzeinsatz.

Was im Nachgang zu der Niederlage – der zweiten in Folge – die Frage nach der Stärke der Stuttgarter Bank aufwarf. Rätselhaft erschien dabei insbesondere die Nichtberücksichtigung von Stürmer Milosevic. 1,92 Meter groß und jüngst mit zwei Toren im Testspiel gegen Greuther Fürth aufwartend, blieb der junge Serbe einmal mehr bis zum Schluss auf der Bank. Als der VfB gegen seine Gewohnheiten in den Schlussminuten „die Brechstange“ (Sportdirektor Fabian Wohlgemuth) auspackte und lange Bälle in den Strafraum drosch, entschied sich Trainer Sebastian Hoeneß lieber für Abwehrspieler Dan-Axel Zagadou statt Milosevic als Sturmtank. Begründung: „Ich wollte eine Unterbrechung verhindern, weil ich das Gefühl hatte, dass wir gut im Spiel waren. Außerdem bringt Daxo eine andere körperliche Komponente mit ein als Jova mit seinen 18 Jahren.“

Wohlgemuth sah darin die richtige Herangehensweise. „Die Dinge haben gut funktioniert“, begründete der Sportdirektor das Festhalten an den Stammkräften. Viel hätte tatsächlich nicht gefehlt und den Stuttgartern wäre noch der Ausgleich geglückt. Dominanter kann man ein Spiel kaum gestalten. Am Ende kam der VfB auf 19 zu sechs Torschüsse (sieben davon allein von Deniz Undav) und 63 Prozent Ballbesitz, aber keinen Ertrag. Zwar wollte Hoeneß eine Leistungssteigerung zur vorangegangenen 1:3-Niederlage in Mönchengladbach ausgemacht haben. Am Ende war es aber trotzdem zu wenig, um einem leidenschaftlich kämpfenden, aber limitierten Gegner wenigstens ein Unentschieden abzutrotzen.

So hat der Tabellendritte nach der insgesamt famosen Hinserie einen Fehlstart ins neue Jahr hingelegt. Die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor ist dabei das eine. Dass die Gegner gerade nicht viel benötigen, um Tore gegen den VfB zu erzielen, das andere. Der VfL Bochum nutzte einen Schnitzer von Angelo Stiller zum Tor des Tages (50.). Es sei nun wichtig, so Hoeneß, „eine gute Balance aus cool und geschlossen bleiben zu finden. Wir werden ein Bewusstsein für diese Situationen schaffen. Wenn wir das gemeinsam hinbekommen, da glaube ich ganz fest daran, dann können wir diese Phase auch kurz halten.“

So kurz, dass sie möglichst schon am Samstag endet – dann kommt um 15.30 Uhr RB Leipzig nach Stuttgart. Der VfB wird dabei Atakan Karazor ersetzen müssen. Der defensive Mittelfeldspieler sah in Bochum seine fünfte Gelbe Karte. Doch Alternativen für seine Position sind genauso wie im Angriff rar. Enzo Millot käme infrage, wird angesichts des Fehlens von Serhou Guirassy aber weiter vorne gebraucht. Lilian Egloff hat seine Verletzung noch nicht vollständig auskuriert. Viel spricht deshalb für Genki Haraguchi. Der 32-Jährige hat in dieser Saison erst 20 Bundesliga-Minuten aufzuweisen (bei der 1:5-Hinspielniederlage in Leipzig), am Samstag wird er aber wohl ins kalte Wasser springen müssen – und die These von der fehlenden Bank-Tauglichkeit einer echten Prüfung unterziehen.

Zum Artikel

Erstellt:
21. Januar 2024, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
22. Januar 2024, 21:57 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!