Dienstleister Leadec

Weltmarktführer im Schlepptau der Industrie

23 000 Menschen arbeiten für den Industriedienstleister Leadec, der Autohersteller auf dem Weg in alle Welt begleitet hat – und nun Chinesen hilft, in Europa Fuß zu fassen.

Auch die Fertigung von Batterien für E-Fahrzeuge wird von Leadec-Beschäftigten begleitet.

© @Dawin Meckel/OSTKREUZ/Dawin Meckel/OSTKREUZ

Auch die Fertigung von Batterien für E-Fahrzeuge wird von Leadec-Beschäftigten begleitet.

Von Klaus Köster

Der Weltmarktführer sitzt in einem unscheinbaren Verwaltungsgebäude im Gewerbegebiet „Unterer Grund“ in Stuttgart-Vaihingen. 23 000 Menschen arbeiten für den Dienstleister Leadec, der vor allem für die Autoindustrie Arbeiten rund um die Fabriken anbietet und die Autobauer bei Planung, Installation und Betrieb von Fabriken unterstützt.

„Fabrik wird von Anfang bis Ende bedient“

„Unsere Philosophie ist, die Fabrik von Anfang bis Ende zu bedienen“, sagt Leadec-Chef Markus Glaser-Gallion. Dabei liegt der Fokus stark auf technischen Dienstleistungen – etwa auf der Reinigung komplexer Anlagen. „Die Reinigung von Lackieranlagen ist ein hoch komplexes Produkt“, sagt Glaser-Gallion. „Wenn Sie zum Beispiel bei Mercedes oder VW so eine Anlage reinigen, haben Sie oft nur ein genau begrenztes Zeitfenster am Wochenende, in dem Sie eine Vielzahl von Leuten steuern müssen.“ Das gelte auch für hoch automatisierte Produktionsstraßen. „Bei einigen dieser Anlagen müsse der Roboter in einen Behälter fassen, um Teile an die nächste Stelle am Band zu liefern. „Wenn dieser Behälter zwei Zentimeter zu weit rechts steht, nachdem er gereinigt wurde, steht danach die Produktion still“. Mit solchen technischen Dienstleistungen sei man in sensiblen Bereichen der Hersteller tätig.

Für die Gewinnung von Aufträgen ist daher auch das Vertrauen der Kunden wichtig. Früher half der Name Voith im Namen – schließlich handelt es sich bei Leadec um das Unternehmen, das von 1985 den Namen Deutsche Industriewartung (DIW) trug und im Jahr 2000 von dem Heidenheimer Maschinenbauer Voith übernommen worden war. 16 Jahre später wurde die aus der DIW hervorgegangene Voith-Sparte Industrial Services dann von dem Finanzinvestor Triton übernommen. Seither ist Voith aus dem Namen verschwunden, doch in der Branche ist das Unternehmen, das seit 60 Jahren am Markt ist und an 350 Standorten – oft Fabriken von Kunden – sitzt, gleichwohl ein Begriff.

Eine Frage des Vertrauens

„Technische Dienstleistungen sind ein extrem vertrauensgetriebenes Geschäft. Schon kleine Fehler können die Produktion lahmlegen – das ist der Albtraum jedes Werkleiters“, sagt Glaser-Gallion. Leadec könne damit aufwarten, „dass wir vor Ort präsent sind und mit den bestehenden Kunden schon bewiesen haben, dass wir es hinbekommen. Diese Erfahrung ist neben den Beschäftigten unser größtes Pfund. Wettbewerber können das nicht einfach aufholen.“

Seine heutige Größe verdankt das Unternehmen einer Entwicklung, die in mehreren Wellen verlief, sagt Glaser-Gallion. Sein Wurzeln hat das Unternehmen in Deutschland; in einem ersten Schritt folgte es den Kunden, den deutschen Autoherstellern, auf ihrem Weg zur Globalisierung.

Die drei Wellen der Expansion

„Die erste Welle war, dass wir unseren Kunden, also zum Beispiel VW, Mercedes oder General Motors, nach China folgten.“ Das entspreche genau dem Geschäftsmodell des Dienstleisters. „Wir sind nicht global, weil wir schon mal vorausgehen, sondern weil wir in der Regel große globale Kunden haben, die erwarten, dass wir den gleichen Produktions- und Servicestandard, den wir in Wolfsburg bieten, auch in China oder Mexiko liefern.“ Wenn man verstehe, wie die Prozesse in der Industrie funktionieren und dieses Wissen gewissermaßen in alle Welt exportieren könne, sei dies ein Wettbewerbsvorteil, den Konkurrenten kaum ausgleichen könnten. Wie groß dieser Vorteil ist, zeige sich auch daran, dass Autohersteller teilweise vertraglich festschreiben, dass diese Beschäftigten auch tatsächlich eingesetzt werden.

„Die zweite Welle der Entwicklung war dann, dass Leadec bei chinesischen Unternehmen Fuß fasste, auch im Zuge der Ausweitung der Produktion westlicher Firmen. Als Türöffner erwies sich dabei der chinesische Autohersteller BAIC, der mit 9,98 Prozent der Anteile der größte Aktionär von Mercedes ist. In einem 50:50-Joint-Venture lieferten wir die Kompetenz und die Leute, und im Gegenzug öffnete BAIC uns sein Netzwerk. Das brachte uns viele neue Kunden.“

Chinesische Autobauer als neue Kunden

Nun richtet sich Leadec auf die dritte Welle der Entwicklung des Unternehmens ein: die mögliche Expansion chinesischer Auto- und Batteriehersteller nach Europa, aber auch in die USA und nach Nordamerika. „Dabei geht es dann nicht nur um Themen wie Planung und Wartung, sondern auch um all die Vorschriften, die in Europa gelten – Standards, Zertifizierungen, Zulassungen. Die Expansion allein von China aus zu betreiben wäre für die dortigen Hersteller viel zu aufwendig – da bieten sich unsere Dienstleistungen geradezu an.“

Von Stuttgart über Europa mit wesentlichen Herstellern nach China und mit der dortigen Industrie zurück in die westliche Hemisphäre – mit der E-Mobilität und der Expansion chinesischer Hersteller schließt sich für den traditionsreichen Industriedienstleister aus Stuttgart ein Kreis.

Wo Leadec tätig ist

Wichtigste RegionenDas größte Standbein von Leadec ist Deutschland, wo das Unternehmen rund 50 Prozent seines Geschäfts erzielt. In Nordamerika sind es rund 35 Prozent, in China und Indien rund sieben Prozent. Ein weiteres wichtiges Standbein ist Brasilien.

Wichtigste BranchenLeadec hat die Abhängigkeit von der Automobilbranche, die früher bei bis zu 90 Prozent lag, auf etwas über 50 Prozent verringert. Eine wichtige Branche ist inzwischen der Versandhandel, für den das Unternehmen ebenfalls Anlagen betreut. Auch in der Flugzeugindustrie ist Leadtec inzwischen tätig.

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Erstellt:
1. Januar 2024, 11:40 Uhr
Aktualisiert:
2. Januar 2024, 14:48 Uhr

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