Der robuste Impulsgeber

Maximilian Mittelstädt wird immer wichtiger für das Spiel des VfB Stuttgart und ist auf der linken Außenbahn gesetzt.

Der VfB-Neuzugang Maximilian Mittelstädt fühlt sich in Stuttgart richtig wohl. 
          
           Foto:Pressefoto Baumann

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Der VfB-Neuzugang Maximilian Mittelstädt fühlt sich in Stuttgart richtig wohl.   Foto:Pressefoto Baumann

Von Philipp Maisel

Stuttgart - Als der VfB Stuttgart in diesem Sommer als einen der ersten Transfers Maximilian Mittelstädt präsentierte, blieben die Jubelstürme bei den Fans aus. Die Reaktionen waren eher verhalten bis überschaubar, um es höflich zu formulieren.

Für gerade einmal eine halbe Million Euro holte man den Außenbahnspieler von Hertha BSC. Die Erwartungen hielten sich schon alleine deswegen in Grenzen. Ein 26-Jähriger von einem Bundesliga-Absteiger für den schmalen Taler, der in den vergangenen Jahren nicht allzu sehr aufgefallen war – wie sollte der den Club schon weiterbringen? Allenfalls ein Rollenspieler könne das sein, eine Kaderergänzung, ein Back-up für Borna Sosa. Oder, wenn der den Club verlassen sollte, was auch so kam, ein höchstens durchschnittlicher Ersatz für den Kroaten.

Doch diese Rechnung hatte man offensichtlich ohne Mittelstädt gemacht. Zwar bremste ihn eine Verletzung zum Vorbereitungsstart, doch seither liefert der Blondschopf ab. Und das in den Trainingseinheiten, in Testspielen, bei den ersten Kurzeinsätzen, die er in der Bundesliga bekam. Was auch daran liegt, dass Mittelstädt sich schnell eingelebt hat. „Ich habe mich hier sehr schnell sehr heimisch und wohl gefühlt“, betont der Außenbahnspieler und berichtet von einem Mannschaftsgeist, der es den Neuen leicht mache, sich zu integrieren. Dazu kommt die sportliche Gesamtsituation. „Wir sind momentan eine Einheit. Auf und neben dem Platz“, so Mittelstädt.

Für Sportdirektor Fabian Wohlgemuth steht der Mittelstädt-Transfer exemplarisch dafür, welche Strategie man im vergangenen Sommer bei der Kaderjustierung fahren musste. „Die Transfers waren das Ergebnis der Saisonanalyse: In das oberste Regal konnten wir nicht greifen“, so Wohlgemuth, der aber betont, worauf es grundsätzlich ankam. Das Hauptaugenmerk lag darauf, „dass wir Physis, Robustheit und Aggressivität dazuholen müssen“, so der Sportchef. Allesamt Attribute, die Mittelstädt auf sich vereint. Auch wollte man mit den Transfers grundsätzlich mehr Geschlossenheit herstellen. Ganz nach dem Motto: nicht nur Anführer holen – sondern auch Spieler, die ihre Rollen genau kennen, solide Leistung bringen und sich in den Dienst der Mannschaft stellen.

Dazu setzte man auf einen Entwicklungsschritt beim Spieler. „Es ging auch darum, auf welcher Sprosse der Karriereleiter die Spieler stehen. Mittelstädt hat nach 26 Jahren zum ersten Mal seine Heimatstadt verlassen, da hofft man auch auf einen Anpassungseffekt, auf einen Entwicklungsschritt“, gibt Wohlgemuth Einblick. Man darf jetzt schon konstatieren: Dies ist eingetroffen. Mittelstädt wiederum freut sich, nicht mehr die Last schultern zu müssen, die ein drohender Abstieg mit sich bringt – wie es in Berlin in den vergangenen Jahren konstant der Fall gewesen ist. „Es macht natürlich mehr Spaß, wenn man solche Mitspieler hat und alles fußballerisch lösen möchte. Mit dem Ansatz, den wir haben, geht es eben genau darum“, sagt Mittelstädt.

Nach einem guten Saisondrittel lässt sich sagen: Stuttgart und Mittelstädt, das passt. Der Linksfuß kam bisher in immerhin zehn von zwölf Ligaspielen zum Einsatz. In drei der letzten fünf Partien über die volle Distanz. Das sind nicht die Eckdaten eines Ergänzungsspielers. Im Gegenteil. „Maxi ist ein wichtiger Impulsgeber für uns. Er gibt uns immer etwas, wenn er reinkommt oder von Beginn an spielt“, lobte Trainer Sebastian Hoeneß zuletzt.

Vornehmlich bezieht sich das auf Laufleistung und Zweikampfquote. Gegen Frankfurt führte Eric Dina Ebimbe (39) mehr Zweikämpfe als Mittelstädt (35), der Stuttgarter gewann davon 23, das sind immerhin knapp 66 Prozent. Auch vor rund zwei Wochen gegen Borussia Dortmund wies er solche Werte auf. Bei der SGE brachte er sich zudem auf die Anzeigetafel. Beim 1:0 lieferte er den Pre-Assist, also die Vorlage zur Vorlage, das 2:1 legte er Deniz Undav direkt auf.

Statistiken, für die der Trainer nicht nur Lob übrig hat, sondern sogar das System anzupassen bereit ist. Nachdem Hoeneß mit einer Viererkette in die Saison gestartet ist, war zuletzt zu bemerken, dass die Dreierkette zurück ist – mit den Schienenspielern Josha Vagnoman (rechts) und eben Mittelstädt. Behält der seine Form bei, wird auf Sicht kaum ein Weg an ihm vorbeiführen – und der Trainer wieder zu Lobeshymnen ansetzen in den Pressekonferenzen. „Ich möchte Maxi hervorheben. Der hat ein Riesenspiel gemacht. Auch er ist wichtig im Gesamtkontext, nicht nur die Stürmer“, sagte Hoeneß in Frankfurt. Ungefragt.

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Erstellt:
27. November 2023, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
28. November 2023, 21:57 Uhr

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