Talente im Wartestand

Trotz mehrerer fehlender Stammspieler kommen die Youngster beim VfB Stuttgart derzeit auf wenig Einsatzzeit. Was sind die Gründe?

Jovan Milosevic (18) wartet seit Oktober auf einen Einsatz.

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Jovan Milosevic (18) wartet seit Oktober auf einen Einsatz.

Von David Scheu

Stuttgart - Auch in dieser Woche war Sebastian Hoeneß wieder im Austausch mit Jovan Milosevic. Das ist an sich nichts Besonderes, Gespräche mit allen Spielern gehören zum Standardprogramm für den Trainer des VfB Stuttgart. Dieses Mal aber war der Rede- und Erklärungsbedarf womöglich ein bisschen größer als sonst: Der junge Serbe hatte einen nicht gerade zufriedenstellenden Spieltag zu verarbeiten.

Beim 0:1 beim VfL Bochum blieb der Stürmer die vollen 90 Minuten auf der Bank – das war zwar zuletzt der Normalfall, dieses Mal aber verzichtete Hoeneß auf Milosevic trotz Rückstands und zog stattdessen Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou in den Sturm. Auf den ersten Blick nicht gerade ein Vertrauensbeweis für den Youngster, weshalb der Trainer auch Verständnis für den ein oder anderen erstaunten Blick zeigte – um dann auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen RB Leipzig am Samstag (15.30 Uhr) auf die Konstellation im Detail einzugehen.

Zunächst konkret: Die Entscheidung für Zagadou in Bochum sei wegen dessen Körperlichkeit gefallen. Milosevic bescheinigt Hoeneß indessen gute Anlagen und auch einen starken Start im Sommer: „Er ist direkt unbekümmert aufgetreten, hat sich super eingebracht und die Sprache relativ schnell verstanden.“ Zu immerhin vier Bundesliga-Spielen reichte das für den Neuzugang von FK Novi Sad an den ersten neun Spieltagen. Seit Ende Oktober aber wartet der 18-Jährige auf einen Einsatz. „Er hat dann eine Phase gehabt, in der er zu kämpfen hatte mit der erhöhten Belastung und dem erhöhten Niveau“, so Hoeneß, „so sind die Verläufe bei jungen Spielern.“

Die Personalie steht damit stellvertretend für die grundsätzliche Thematik. Im Umfeld des VfB ist die Sehnsucht nach einem Eigengewächs mit einer tragenden Rolle bei den Profis groß – und selten waren die Aussichten in der jüngeren Vergangenheit besser als jetzt: Viele hoffnungsvolle Talente sind auf dem Sprung und längst regelmäßig bei den Trainings und Testspielen der Profis dabei. Viel mehr aber noch nicht.

Hoeneß mahnt zur Geduld – und verweist auf den großen Sprung. „Wir dürfen nicht vergessen: Da kommen Spieler aus der Regionalliga und der U 19 in eine Mannschaft, die aktuell Dritter ist in der Bundesliga.“ Da sei ein Niveauunterschied nicht wegzudiskutieren, die Anpassung verlaufe sehr individuell: „Beim einen gehen die Schritte schneller, beim anderen dauern sie länger. Aber es geht um das Leistungsprinzip. Am Ende müssen wir als Trainerteam die Trainingsarbeit beurteilen.“

Dass die Chance derzeit durch die Abwesenheit mehrerer Nationalspieler durch Afrika- und Asien-Cup – alleine in der Offensive fehlen mit Serhou Guirassy, Silas Katompa und Woo-yeong Jeong drei Profis – womöglich besonders groß ist, wurde dabei noch nicht zum Faktor: In keinem der beiden vergangenen Bundesliga-Spiele reizte Hoeneß sein Wechselkontingent voll aus, für Talente wie Mittelfeldspieler Raul Paula oder eben Milosevic blieb es jeweils beim Kaderplatz ohne Einwechslung.

Gegen eines aber verwehrt sich der Stuttgarter Trainer energisch: die Youngster grundsätzlich außen vor zu lassen. „Ich habe das allergrößte Interesse daran, Jungs aus dem eigenen Nachwuchs bei uns zu integrieren.“ Die hohe Zahl der jungen Spieler im Training der Bundesliga-Mannschaft zeuge davon. „Die Jungs haben eine gute Perspektive, wir trauen ihnen viel zu.“

Allerdings komme es beim Timing eines Einsatzes immer auch auf die Umstände an. Hoeneß nennt das Beispiel Luca Raimund (18), der beim 1. FC Heidenheim (0:2) und bei Borussia Mönchengladbach (1:3) jeweils von der Bank ins Spiel kam und einen schweren Stand hatte. „Das waren zwei komplizierte Spiele, um reinzukommen. Auch für einen 25-Jährigen.“ Auch der Verlauf und die Dynamik der Partie spiele deshalb in den Überlegungen eine Rolle. Ob sie am Wochenende gegen Leipzig womöglich günstiger sind als zuletzt für Milosevic in Bochum? „Kann sein“, sagt Hoeneß – um direkt hinterherzuschieben: „Muss aber nicht.“

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Erstellt:
25. Januar 2024, 22:40 Uhr
Aktualisiert:
26. Januar 2024, 22:01 Uhr

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