Porsche Tennis Grand Prix

Maria Sakkari – die Powerfrau aus Athen

Maria Sakkari ist die erste Griechin, die es jemals unter die besten zehn der Tennisweltrangliste geschafft hat. Ihre athletische Spielweise ist gefürchtet. Beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart will sie aber zeigen, dass sie sich entwickelt hat und viel mehr kann.

Maria Sakkari  –  die Powerfrau aus Athen

Knallhart und präzise: Maria Sakkari

Von Dominik Ignée

Maria Sakkari sitzt unter dem Dach der Stuttgarter Porsche-Arena entspannt auf dem Sessel, trägt einen dunklen Kapuzenpulli und nestelt an ihren langen braunen Haaren herum. Sie ist bereit für Fragen. Sie lobt die Stadt, weil alles so wunderbar grün sei, auch sei es cool, dass es hier so viele Autohersteller gebe – „angeführt von Porsche“. Das war aus Sicht der Veranstalter des Porsche Tennis Grand Prix natürlich eine willkommene Einschätzung der Lage. Auch wenn es gegenüber den Kollegen des deutlich größeren Daimler-Konzerns nicht ganz gerecht ist.

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Macht ja auch nichts, woher soll das die Tennistouristin auch alles so genau wissen. Maria Sakkari ist Griechin, lebt in Monaco und tingelt seit Jahren auf der Damentour umher. Sie macht das inzwischen so gut, dass sie beim Grand Prix in Stuttgart an diesem Donnerstag als Fünfte der Weltrangliste aufschlägt. Sakkari ist bereits 26 Jahre alt, kommt aber immer besser in Fahrt – und dafür gibt es auch gute Gründe. Was sie von den anderen Top-Ten-Spielerinnen unterscheidet, hat Anke Huber als Kennerin der Szene und Sportliche Leiterin des Stuttgarter Turniers am besten beschrieben: „Sie ist ein kleiner Pitbull.“

Beim Aufschlag wirft Maria Sakkari den Ball hoch und springt mit voller Wucht in ihn hinein – nicht nur der Arm, der ganze Körper schlägt auf. Ihre Grundlinienschläge haben etwas Urgewaltiges, kaum eine Athletin ist austrainierter, und während die anderen Spielerinnen in Stuttgart längst der Freizeit frönen, stemmt die Hellenin noch ein paar Gewichte. „Ich denke, es ist gut für das Tennis“, sagt sie dazu ziemlich unaufgeregt. Ihrem gnadenlosen Spielstil entsprechend präsentiert sich die Frau in den sozialen Netzwerken auch nicht ohne Grund unter dem Kampfnamen „Sakkattack“. Jede Gegnerin ist gewarnt – doch ihre Landsleute lieben sie dafür.

Die beste Griechin

Maria Sakkari ist die erste Griechin, die es jemals in die Top Ten der Weltrangliste schaffte. In den Jahren 2020 und 2021 wurde sie in ihrer Heimat deshalb auch zur Sportlerin des Jahres gekürt und wird dort auch als Nationalheldin gefeiert. Im Jahr 2019 gewann sie im marokkanischen Rabat ihr bislang einziges WTA-Turnier, eine verbesserungswürdige Bilanz ist das. Doch Ranglistenpunkte holte sie trotzdem. In der Saison 2021 gewann sie zwar kein Turnier, doch die Halbfinalteilnahmen bei den Grand-Slam-Veranstaltungen in Paris und New York katapultierten sie in den erlauchten Kreis der besten zehn der Welt.

Zuletzt in Miami unterlag Maria Sakkari der Weltranglistenersten Iga Swiatek, die sie 2021 im Viertelfinale der French Open auch schon bezwungen hatte. Die rustikal spielende Griechin muss man erst einmal besiegen, die Konkurrentinnen wissen das. Experten prognostizieren ihr ein lang anhaltendes Dasein in der Beletage des Tenniszirkus, auch Siege bei Grand-Slam-Turnieren scheinen möglich, am ehesten in Paris auf Sand, ihrer Spezialität. Doch für den ganz großen Wurf, sie weiß es, stehen hier und da noch kleinere Optimierungen an. „Mein Trainer Tom Hill hat gesagt, er möchte, dass ich ein bisschen arroganter werde“, sagte die gebürtige Athenerin dem TV-Sender Eurosport und meinte damit das noch zu verbessernde Selbstbewusstsein und den festen Glauben an sich selbst.

Kraftbetont

Auch ihr kraftbetontes Spiel könnte noch etwas mehr Variantenreichtum vertragen, eine Fähigkeit, mit der etwa die Polin Swiatek ausgestattet ist. „Ich spiele die Bälle jetzt etwas höher, versuche zu variieren“, meint Sakkari, die sich in einem Entwicklungsprozess befindet, um langfristig vorne im Tableau zu bleiben. Auf den Punkt gebracht sieht sie es so: „Mein vielleicht wichtigstes Ziel ist es, eine bessere Version meiner selbst zu werden.“

Schon als Kind haute sie ohne Rücksicht auf Verluste auf die Bälle drauf. Angeliki Kanellopoulou, eine ehemalige griechische Tennisspielerin, schaute ihr da als liebevolle Mutter und fordernde Trainerin immer zu. Das war Tennis, ohne nachzudenken, das Spiel und seine Möglichkeiten hatte sie erst viel später begriffen – und sie arbeitet noch heute daran.

Reicht das?

Ob das schon ausreicht, um am Sonntag in Stuttgart den ausgelobten Porsche Taycan GTS Sport Turismo zu gewinnen? Möglich ist alles, doch sollte es nicht klappen, würde für Maria Sakkari die Welt nicht untergehen. Privat fährt sie schon jetzt einen Sportwagen aus Zuffenhausen – von einem Mercedes in ihrer Garage ist derweil nichts bekannt.