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Mit Leidenschaft und Kampf für die SG

Seit sechseinhalb Jahren trägt Kai Gehring das Großaspacher Trikot und ist mittlerweile dienstältester Fußballer des Drittligisten

„Es war noch in der Regionalliga. Nico Jüllich hat das erste Mal für die SG gespielt, wurde eingewechselt und hat gleich ein Tor erzielt.“ Wie aus der Pistole geschossen kommt Kai Gehrings Antwort, ob er sich ans letzte Pflichtspiel der Großaspacher Fußballer gegen Waldhof Mannheim erinnern kann. Sechs Jahre ist das 3:1 nunmehr her. Morgen ab 14 Uhr kommt es wieder zum Duell der Schwaben mit den Kurpfälzern. Nun in der Dritten Liga.

Geht voran und keinem Duell aus dem Weg: Aspachs Abwehrkante Kai Gehring. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Geht voran und keinem Duell aus dem Weg: Aspachs Abwehrkante Kai Gehring. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

224 Pflichtspieleinsätze hat Kai Gehring mittlerweile für den Verein aus dem Fautenhau bestritten. Gegen Mannheim steht Partie 225 an. Das passt zu dem Verteidiger der SG Sonnenhof, die mit dem Duell gegen den Waldhof ihren 25. Geburtstag sportlich feiert und deshalb mit einem extra für diesen Zweck kreierten Jubiläumstrikot antritt. Dass mit dem gebürtigen Göppinger ausgerechnet der dienstälteste Aspacher Spieler die Nummer 25 auf dem Rücken hat, ist dann wohl so etwas wie das Tüpfelchen aufs i.

Noch viel lieber wäre es dem 31-Jährigen allerdings, wenn er mit seinem Team nicht nur ein Vierteljahrhundert SG Sonnenhof Großaspach feiern kann, sondern auch den zweiten Heimsieg. Nach dem 1:0 in Zwickau wollen die Schwaben den nächsten Schritt raus aus dem Tabellenkeller machen. Kai Gehring wird dafür wie gewohnt alles geben. Er, der erklärt: „Jeder Spieler wird nach seiner Karriere sagen, dass ihm ein Verein besonders am Herzen liegt. Bei mir ist das Großaspach und vielleicht kommt zu den sechseinhalb Jahren ja auch noch das eine oder andere Jährchen hier dazu.“

Unterschrift in Großaspach wird für Verein und Spieler zum Glücksfall

Sätze, die beim einen oder anderen Sportler einfach so daher geplappert sind. Im Fall des 1,93 Meter großen Blondschopfs steckt mehr dahinter. „Im Fußball war es vielleicht die beste Entscheidung, die ich treffen konnte“, sagt er zu seiner Unterschrift vor sechseinhalb Jahren beim damaligen Regionalligisten aus dem Fautenhau. Davor hatte er zwölf Monate lang vergebens einen neuen Verein gesucht, nachdem sein Vertrag beim damaligen Drittligisten 1. FC Saarbrücken im Sommer 2012 nicht verlängert worden war. Ein Jahr war er danach ohne einen Verein und Kai Gehring erzählt: „Da machst du dir schon Gedanken, wie geht es weiter“. Er sei jedenfalls nicht mehr weit weg davor gewesen, zumindest mit dem Fußball im Profibereich aufzuhören. Dann kam „ein Telefonat mit Janni Koukoutrigas und mit Rüdiger Rehm, die mich mittrainieren ließen und mich danach gleich verpflichten wollten“.

Im Juni 2013 war das, was sechseinhalb Jahre danach als Glücksfall für beiden Seiten bezeichnet werden muss. Der Spieler hatte einen Verein gefunden, der für ihn zu einer Art Heimat geworden ist. Die SG hatte einen Sportler bekommen, der in Sachen Kampfgeist, Einsatz sowie Moral stets vorangeht und sich in keinem Zweikampf schont. Dass er dann und wann nicht nur hinten aufräumt, sondern vorne auch mal ein Tor schießt oder köpft, kommt noch hinzu. 16 Treffer und 10 Vorlagen waren es in seinen bisherigen 224 Einsätzen, davon stammen zwei Tore aus dieser Saison.

Klar ist allerdings auch, dass der Defensivmann nicht wegen seiner Offensivkünste einer der Lieblinge der Fans ist. Es ist seine direkte Art, sich dem Gegner entgegen zu stellen. Auf die Frage, ob er das, was er abliefert, einfach ehrlicher Fußball sei, sagt der Abwehrhüne: „Mit der Beschreibung kann ich gut leben.“ Entsprechend aufgewühlt ist er deshalb auf dem Platz, wenn er sich von Schiedsrichtern benachteiligt fühlt, oder glaubt, dass Gegenspieler schon beim leichtesten Kontakt am Boden liegen. „Fallen lassen und solche Dinge, das macht kein echter Sportsmann. Dasselbe gilt auch für Spieler oder Schiedsrichter, die Fehler machen. Das kann jedem passieren, das ist menschlich. Aber dann muss ich mich auch hinstellen und dazu stehen.“

So wie er es macht, wenn die Sprache auf die Partie gegen den Waldhof kommt. „Klar geht es da auch nur um drei Punkte, aber ein Duell zwischen zwei Teams aus Baden-Württemberg ist schon was Besonderes.“ Erst recht, wenn der letzte Vergleich beider Vereine vom 30. November 2013 datiert und von den damals eingesetzten 26 Spielern beider Teams nur noch die Aspacher Kai Gehring und Nico Jüllich auch diesmal mit dabei sind. Wobei sich für die Abwehrkante der SG seit ein paar Wochen doch ein bisschen was geändert hat. Er spielt nicht mehr in der Innenverteidigung, sondern hinten rechts. Für ihn ist die neue Position kein Problem: „Unterm Strich ist egal wo ich spiele, wichtig ist, dass ich spiele.“ Zur Not auch auf der Außenbahn, obwohl „ich da schon ein bisschen mehr laufen muss als innen. Das merke ich mit meinen 31 Jahren schon, macht mir aber nichts aus, denn ich bin fit. Das A und O ist ohnehin, dass man auch eine ungewohnte Rolle annimmt.“ So wie er seit demnächst 225 Spielen für die SG Sonnenhof.

Info
Kostenlose Shuttle-Busse, eingeschränkte Parkmöglichkeiten

Die SG Sonnenhof Großaspach bittet fürs Baden-Württemberg-Duell um eine möglichst frühzeitige Anreise. Der Verein stellt allen Besuchern kostenlose Shuttlebusse vom Bahnhof Backnang nach Aspach zur Verfügung. Los geht es um 11.30 Uhr. Danach fahren die Busse in etwas im halbstündigen Takt. Die letzte Fahrt in den Fautenhau gibt’s gegen 13.15 Uhr. Die Haltestellen Etzwiesenbrücke, Seminar, Roßbergstaffel und Schafhaus in Kleinaspach werden mit angefahren. Zurück von Aspach nach Backnang geht es dann gegen 16.15 Uhr. Die SG empfiehlt die Nutzung der Shuttlebusse eindringlich, da aufgrund der Witterung die ans Stadion angrenzenden Wiesen zum Teil nicht zur Verfügung stehen. Heimfans, die dennoch mit dem PKW anreisen wollen, wird die Nutzung des ausgeschilderten Industriegebiets Forstboden (Daimlerstraße) empfohlen. Der Fußweg von dort zum Stadion dauert rund 15 Minuten.

Die Stadiontore im Fautenhau öffnen am Samstag um 12.30 Uhr. Die Tageskassen haben allerdings bereits ab 11 Uhr geöffnet. Die Partie wird zudem live ab 14 Uhr im SWR Fernsehen übertragen sowie wie üblich ab 13.45 Uhr im Pay-TV bei Magenta Sport. Zudem bietet unsere Zeitung ab 14 Uhr unter www.bkz.de/sport/sg-sonnenhof wie gewohnt einen Liveticker an. Im Internet kommt später auch noch ein kommentiertes Video von der Partie dazu.

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Erstellt:
8. November 2019, 06:00 Uhr

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