SG Sonnenhof: Schwarze Zahlen in mageren Zeiten

Nachdem die SG Sonnenhof Großaspach ihre Hauptversammlung wegen der Pandemie abgesagt hat, informiert sie ihre Mitglieder per Brief über die Abschlüsse der vergangenen zwei Jahre. Der finanziell guten Bilanz steht die sportlich und gesellschaftlich schwierige Lage gegenüber.

Großaspachs Verantwortliche um den Vorsitzenden Andreas Benignus hatten in den vergangenen zwei Jahren einige knifflige Phasen zu überstehen. Zumindest in finanzieller Hinsicht wurde bei der SG Sonnenhof allerdings beste Arbeit abgeliefert. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Großaspachs Verantwortliche um den Vorsitzenden Andreas Benignus hatten in den vergangenen zwei Jahren einige knifflige Phasen zu überstehen. Zumindest in finanzieller Hinsicht wurde bei der SG Sonnenhof allerdings beste Arbeit abgeliefert. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Sportlich war’s eine arg magere Zeit, finanziell kam die SG Sonnenhof Großaspach aber sowohl in der Drittliga-Abstiegs- wie in der vergangenen und völlig verkorksten Regionalliga-Saison sehr gut über die Runden. Während Profiklubs wie der VfB Stuttgart oder der BVB Borussia Dortmund in den beiden von der Coronapandemie beeinflussten Spielzeiten horrende Millionenschulden anhäuften, wirtschaftete der Fußballverein aus dem Fautenhau so, dass er in beiden Jahren ohne Minus davonkam. In einem sogenannten Mitgliederbrief berichtet er von einem Plus von 6095 Euro im Geschäftsjahr und von immerhin 668 Euro vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021.

Eigentlich hatten Großaspachs Verantwortliche am Dienstag bei ihrer Mitgliederversammlung die Weichen in die Zukunft stellen wollen. Wie aus dem Nachholspiel beim SSV Ulm wurde daraus aber nichts (wir berichteten). Waren im Fall des sportlichen Wettstreits des Sechstletzten mit dem Tabellenzweiten Schnee, Eis und Regen die Gründe, lag’s in Sachen berichten, reden und planen an den hohen Coronazahlen, dass die ursprünglich sogar schon für dieses Frühjahr geplante Veranstaltung ausfiel.

Damit die SG-Mitglieder bis zum neuen Termin, dem 29. März nächsten Jahres, aber nicht im Dunkeln tappen müssen, informierte der Verein sie nun per Brief. Gezeichnet ist der mit den Namen der Vorstandsmitglieder Andreas Benignus, Patrick Eickelmann, Michael Ferber und Philipp Mergenthaler sowie der sieben Aufsichtsräte Jürgen Beerkircher, Norbert Barthle, Bernd Ehmann, Bernd Küstner, Andreas Möhle, Ulrich Schill und Hans-Rudolf Zeisl.

Das Schreiben ist bereits die zweite schriftliche Mitgliederinformation binnen weniger Wochen. Im ersten Brief war bekannt gegeben worden, dass es bei Aspach wichtige personelle Veränderungen gibt. So beendete SG-Mitbegründer Uli Ferber nach 45 Jahren seine ehrenamtliche Tätigkeit für den Verein. Der zuletzt als Aufsichtsratsmitglied fungierende Vordenker des Klubs will im Hintergrund aber weiter am Ball bleiben. Dasselbe gilt für den langjährigen Sportchef Joannis Koukoutrigas, der vom DFB mitgeteilt bekommen haben soll, dass der Verband seine Tätigkeit für die SG und seine gleichzeitig berufliche Arbeit als Geschäftsführer der Aspacher Agentur Fair-Sport für nicht ganz unproblematisch hält. Teile seiner Aufgaben hat Ex-Profi Benedikt Röcker, dem einst vom Fautenhau aus der Sprung in den Profifußball gelungen war, bereits übernommen (wir berichteten hier).

Beim Thema Weiterentwicklung der Organisationsstruktur des Vereins verweist der Regionalligist in dem Brief aufs nächste Frühjahr. Bereits konkret wird die SG Sonnenhof, wenn’s um ihre finanzielle Lage geht. Zwar werden beim Umsatz keine Zahlen genannt, wohl aber für die Saison 2019/2020 und für 2020/2021. „Abschlüsse für zwei Spielzeiten, die – vom Abstieg aus der Dritten Liga und der Pandemie geprägt – sportlich, strukturell, organisatorisch und vor allem finanziell alles andere als einfach waren und uns deshalb vor große Herausforderungen gestellt haben“, wie die SG schreibt und ein Beispiel nennt: „Allein TV-Gelder und Einnahmen aus der Zentralvermarktung der Dritten Liga machen über 1,5 Millionen Euro im Jahr aus, die nun nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Erschwerend hinzugekommen seien fehlende Ticketeinnahmen und ein Spiel- sowie Trainingsbetrieb bei der Jugend, der stillstand oder nur unter großen organisatorischen und finanziellen Anstrengungen aufrechtzuerhalten war. Insgesamt sei es eine der größten Herausforderungen der Klubgeschichte gewesen, die ohne die Treue und Unterstützung der Partner nicht zu meistern gewesen wäre, heißt es aus Aspach.

Umso größer ist die Zufriedenheit, dass der Verein einmal mehr keine roten Zahlen geschrieben hat. Zwar gab es mit den etwa 6100 und 670 Euro in den beiden Geschäftsjahren keine riesigen Gewinne, jedoch zweimal schwarze Zahlen. Das Vereinsvermögen beträgt damit nun zum 30. Juni dieses Jahres 121583,49 Euro.

Einen Grund zum Feiern sehen die Verantwortlichen im Fautenhau aufgrund der aktuellen sportlichen und gesellschaftlichen Lage trotzdem nicht, obwohl „wir auch in dieser Saison wirtschaftlich im Plan liegen und somit für den angekündigten und zu erarbeitenden Umbruch eine sehr gute Ausgangslage geschaffen haben“.

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Erstellt:
2. Dezember 2021, 06:00 Uhr

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