SG Sonnenhof: Verbale Signale und auch gleich ein Treffer

Beim Trainingsstart des Fußball-Regionalligisten Großaspach zeigt der neue spielende Co-Trainer Sascha Mölders auf Anhieb das, was von ihm erwartet wird. Er macht auf dem Platz den Mund auf, wenn ihm etwas missfällt, und deutet seine Torjägerqualitäten zumindest schon einmal an.

Routinier gegen Jungspund, der 36-jährige Sascha Mölders dribbelt im ersten SG-Training auf den 20-jährigen Vincent Sadler zu. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Routinier gegen Jungspund, der 36-jährige Sascha Mölders dribbelt im ersten SG-Training auf den 20-jährigen Vincent Sadler zu. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Für den Vorletzten der Regionalliga beginnt die heikle Mission, das rettende Ufer noch zu erreichen, gestern um kurz vor drei. Der neue Coach Hans-Jürgen Boysen, für den es das dritte Engagement bei der SG Sonnenhof ist, bittet das Team zur ersten Einheit nach der Winterpause ins Stadion. Sie dauert 90 Minuten und verlangt den Spielern noch nicht allzu viel ab. „Ich will sie nicht gleich quälen“, sagt der 64-Jährige lachend und nennt es einen „lockeren Aufgalopp“. Daher ist die Phase ohne Ball, in der Athletikcoach Rafael Lopez die Feldspieler über den Platz scheucht, während die Keeper von Torwarttrainer Martin Topp warmgeschossen werden, von ziemlich kurzer Dauer.

Das TV-Team von Sky Sport News, das einen Beitrag gedreht hat, der heute gesendet wird, ist da schon wieder weg. Das Interesse galt Sascha Mölders, dem bei 1860 München in Ungnade gefallenen Drittliga-Torschützenkönig der Vorsaison, der fortan Co-Spielertrainer in Aspach ist. Auch die 20 Fans, die bei Eiseskälte im Fautenhau ausharren, beobachten vor allem den 36-Jährigen, der bei den Löwen als Kultstürmer galt. Ein wenig vielleicht auch Manuel Konrad, den zweiten erfahrenen Neuen, doch insgesamt mischen vier Keeper und 25 Feldspieler mit. Darunter fünf U-19-Talente – und zwei Probespieler: Torhüter Jonas Dieseler (21), zuletzt für die Saint Francis University in den USA aktiv, und Aristidis Perhanidis (27), Torjäger des Bezirksligisten GFV Ermis Metanastis Stuttgart. Wer fehlt? Jonas Kühn ist derzeit der einzige Coronafall, Joel Gerezgiher wartet aufs Ergebnis des PCR-Testes, Nicolas Jüllich hat einen grippalen Infekt und Jonas Meiser absolviert ein einwöchiges Probetraining beim VfB Stuttgart II.

Manuel Konrad und Sascha Mölders brauchen keine lange Anlaufzeit

Die, die da sind, sollen unter den wachsamen Augen von Hans-Jürgen Boysen und Co-Trainer Marcus Lauer nun scharfe und saubere Pässe spielen. Dafür werden Kleingruppen gebildet, erst danach gibt es eine Spielform. In beiden Platzhälften treffen jeweils zwei Teams aufeinander. Was Boysen sieht, freut ihn: Es ist Bewegung drin, „wie immer, wenn ein neuer Trainer da ist. Jeder zeigt sich, jeder wittert eine neue Chance.“ Auch sein erstes Urteil über die Zugänge, die er vom FSV Frankfurt kennt, fällt positiv aus. „Manuel Konrad ist immer anspielbar und weiß, wie er sich positionieren muss. Er ist sehr ballsicher und hat ein super Passspiel“, sagt der Coach, der bei Sascha Mölders zuerst zwei Aktionen lobt, „in denen er in der Defensive in letzter Sekunde klärt“. Es lässt erahnen, dass der Oldie gewillt ist, sich richtig reinzuhauen. Noch etwas gefällt Boysen: „Er sendet verbale Signale, wenn was nicht funktioniert – das gehört dazu. Schlafmützen können wir auf dem Platz nicht gebrauchen. Man darf sie wecken, das muss nicht immer nur der Trainer machen.“

Mölders, im gelben Leibchen im Sturmzentrum unterwegs, liefert aber auch eine feine Torvorlage und steuert einen Treffer mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck selbst bei. Nichts, was erwähnenswert ist, findet er, ist ja kein Ligaspiel. Das Training habe ihm „wie immer“ Spaß gemacht, sagt der erst- und zweitligaerfahrene Profi, es sei lange genug Winterpause gewesen. Die erste Einschätzung der Kollegen: „Die Jungs sind in Ordnung. Jetzt müssen wir es hinkriegen, dass wir erfolgreich in den zweiten Saisonabschnitt starten.“ Am 13. Februar geht es mit dem wegweisenden Kellerduell gegen Schlusslicht TSV Schott Mainz los.

Dass die Neuen einen wertvollen Beitrag zum Klassenverbleib leisten, davon ist Kai Gehring überzeugt. Der dienstälteste SG-Spieler kennt Konrad aus gemeinsamen Jugendzeiten in Ulm. Mölders dagegen nur als Gegner, aber der 33-Jährige ist überzeugt: „Er will das Ruder mit uns herumreißen.“ Erst 20 ist David Hummel, der in dieser Saison bislang fünf Tore erzielt hat. Er könne sich von Mölders „viel abschauen. Ich sehe es als Chance, so einen Stürmer bei uns im Team zu haben.“ Eine gemeinsame Doppelspitze könnte gut harmonieren, glaubt das Talent: „Er macht die Bälle fest, ich spiele drumherum. Das könnte was Cooles sein.“

Mölders-Wechsel zur SG Sonnenhof Großaspach sorgt für viele Schlagzeilen

Ein bundesweites Medienecho hat die SG Sonnenhof Großaspach mit der Verpflichtung von Sascha Mölders hervorgerufen. Zeitungen, Magazine und Online-Portale beschäftigten sich mit dem Transfercoup – vor allem in München ist der Wechsel des 36-jährigen Ex-Torjägers von 1860 zum abstiegsgefährdeten Regionalligisten ein Aufregerthema. Hier einige Auszüge.

Der Kicker wertete es als „Paukenschlag“, dass der Drittliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison spielender Co-Trainer in Großaspach wird. „Ex-Löwe in die Regionalliga: Neuer Job für Sascha Mölders!“, titelte die Bild. „Die Löwen hatten die Tür offen gelassen, boten ihm eine Rückkehr an, sofern er seinen vermeintlich fehlenden Fitness-Zustand nachgeholt hat. Doch daraus wurde nichts“, erinnerte das Blatt noch einmal an die Suspendierung bei 1860 München vor den letzten beiden Hinrundenspielen. Die „Wampe von Giesing“, so der Kölner Express, „wechselt zu Dorfklub: Kult-Stürmer Mölders heuert in Regionalliga an.“ Für das News-Portal Tag24 ist es eine „Regionalliga-Sensation! Kultstürmer Sascha Mölders wird Spielertrainer“. Nur Co-Spielertrainer, aber das klärt sich im Text immerhin noch auf.

Die Abendzeitung aus München widmet sich den Gefühlen der Anhänger. „Manchem Löwen-Fan dürfte das trotz allem wehtun: Sascha Mölders hat das blaue Trikot des TSV 1860 ausgerechnet gegen ein rotes Jersey getauscht“, heißt es in Anspielung auf den ungeliebten Nachbarn FC Bayern. Zudem spricht Löwen-Trainer Michael Köllner, der Mölders aufs Abstellgleis geschoben hatte. „Das Aus bei 1860 ist bestimmt eine zusätzliche Motivation“, glaubt er und schickt mit Blick auf Läufe, die sein Ex-Kapitän öffentlich gemacht hatte, ein vergiftetes Lob hinterher: „Ich war ganz erstaunt, dass er wieder zu Hause läuft. Er scheint also noch voller Tatendrang zu sein.“ Ein Gespräch habe es nicht mehr gegeben, „aber von meiner Seite bleibt nichts hängen. Wie es bei Sascha ist, weiß ich nicht. Ich bin ihm auch nicht beleidigt, wenn er seine Haltung hat.“ Köllner: „Wenn er sich auf die Bank setzen würde, hätte er vielleicht noch zwei Jahre hier spielen können.“ Einen guten Zeitpunkt für den Abgang eines Fanlieblings gebe es nicht, aber „er war in einem fortgeschrittenen Alter, irgendwann blüht dann das Thema Generationswechsel. Als Spieler musst du Leistung bringen. Bei Sascha waren es am Ende Höhen und Tiefen.“

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Erstellt:
11. Januar 2022, 06:00 Uhr

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