Deutscher Oscar-Kandidat

„Im Westen nichts Neues“ nominiert

15 Jahre liegt der letzte deutsche Erfolg beim Auslands-Oscar zurück mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“. 2023 soll nun ein Weltkriegsfilm für Deutschland ins Oscar-Rennen gehen.

„Im Westen nichts Neues“ nominiert

Felix Kammerer als Paul Bäumer in „Im Westen nichts Neues“

Von Bernd Haasis

Die Netflix-Produktion „Im Westen nichts Neues“ von Edward Berger („Deutschland ’83“) soll 2023 den Oscar für Deutschland holen. Das hat eine Jury am Mittwoch in München entschieden, wie German Films mitteilte, die Auslandsvertretung des deutschen Films.

„Erich Maria Remarque hat vor fast 100 Jahren ein Buch geschrieben, das heute leider relevanter ist, als wir es erwartet haben“, sagte der Regisseur und Drehbuchautor Berger, dessen Geschwisterdrama „All my Loving“ mit Lars Eidinger 2019 in der Reihe Panorama bei der Berlinale lief. „Dass wir nun mit unserem Film in das Rennen um die Oscars gehen sollen, ist für uns eine sehr große Ehre. Es ist ein weiter Weg.“

Wichtiger Anti-Kriegs-Roman

Seine Weltpremiere feiert der Film am 12. September beim Festival in Toronto, die Europapremiere kurz darauf beim Zürich Film Festival. Am 29. September kommt „Im Westen nichts Neues“ in die deutschen Kinos, am 28. Oktober startet der Film auf Netflix.

Erich Maria Remarques Roman gilt als wichtiges Anti-Kriegs-Werk. Der Autor war 1917 an der Westfront stationiert, wurde schwer verletzt und überlebt. In „Im Westen nichts Neues“ erzählt er durch die Augen des jungen Soldaten Paul Bäumer von den Gräueln an der Front, von der Entfremdung und Traumatisierung derer, die ihnen ausgesetzt sind, und von einer „verlorenen Generation“. Bei ihrer Bücherverbrennung im Jahr 1933 warfen die Nazis auch Remarques Buch in die Flammen.

Die deutsche Perspektive

In Bergers Film spielt der österreichische Schauspieler Felix Kammerer (26) die Hauptrolle des 19-jährigen Soldaten Paul Bäumer. Kammerer ist seit 2019 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Ihm zur Seite steht der deutsche Charakterdarsteller Albrecht Schuch („Berlin Alexanderplatz“, „Lieber Thomas“, „Fabian“) als Kriegs-Routinier und Mentor Stanislaus Katczinsky. In weiteren Rollen sind Edin Hasanovic und Daniel Brühl zu sehen.

„Ein Gefühl wird uns ein Leben lang begleiten: Das Gefühl des Erbes von zwei Kriegen“, sagte Berger. „Unser Blick auf den Krieg ist geprägt von Gram und Scham, von Verwüstung und Schuld. Da bleibt nichts Positives, kein Funken Heldenhaftigkeit zurück. Unsere Geschichte, unseren Hintergrund und unsere Einstellung zum Krieg zur Triebfeder eines Films zu machen, empfand ich als eine große Herausforderung. Und ich dachte mir, dass diese sehr spezifische, deutsche Perspektive womöglich auch interessant für Menschen in anderen Ländern sein könnte. Gerade jetzt.“

Für die erste Verfilmung bekam Carl Laemmle einen Oscar

Eine erste US-Verfilmung aus dem Jahr 1930 von Lewis Milestone gilt als einer der 100 besten Filme der amerikanischen Filmgeschichte. Er war ein Herzensprojekt des 1884 aus dem schwäbischen Laupheim in die USA emigrierten Produzenten Carl Laemmle. Er bekam dafür den Oscar für den „Besten Film“, Milestone den Oscar für die „Beste Regie“.

Bei der deutschen Erstaufführung des Films im Metropol in Berlin hinderten nationalsozialistische Schlägertrupps auf Anweisung des damaligen Berliner NSDAP-Gauleiters Joseph Goebbels die Kinogäste daran, den Saal zu betreten. Nach weiteren Störaktionen der Nazis in der gesamten Weimarer Republik wurde der Film vorerst abgesetzt. Eine Novellierung des Lichtspielgesetzes („Lex Remarque“) vom 31. März 1931 ermöglichte wieder Aufführungen. Das Nazi-Regime verbot den Film 1933.

Til Schweiger und Andreas Dresen waren auch im Rennen

Bergers Adaption von „Im Westen nichts Neues“ setzte sich gegen acht weitere Bewerber durch, darunter „Lieber Kurt“ des Regisseurs, Produzenten und Schauspielers Til Schweiger. Die anderen Kandidaten waren „Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“ von Andreas Dresen, „Alle reden übers Wetter“ von Annika Pinske, „Alles in bester Ordnung“ von Natja Brunckhorst, „Der Passfälscher“ von Maggie Peren, „Nico“ von Eline Gehring, „Niemand ist bei den Kälbern“ von Sabrina Sarabi und „Wir könnten genauso gut tot sein“ von Natalia Sinelnikova.

Die Wahl des deutschen Beitrags ist nur ein erster Schritt auf dem Weg zum Oscar. Die die Academy of Motion Picture Arts and Sciences wählt aus den eingereichten Filmen in der Kategorie „Bester internationaler Spielfilm“ zunächst 15 Streifen aus. Fünf davon gelangen dann in die Endrunde. Die 95. Oscars werden am 12. März 2023 in Los Angeles verliehen.

„Im Westen nichts Neues“ nominiert

Felix Kammerer in „Im Westen nichts Neues“

„Im Westen nichts Neues“ nominiert

Der Regisseur und Drehbuchautor Edward Berger im Jahr 2018

„Im Westen nichts Neues“ nominiert

Erich Maria Remarque am Lago Maggiore (undatiert)