Amokläufe in Waiblingen und Fellbach detailliert geplant

Mehrere tausend Euro hat die Angeklagte wohl für ihr Waffenarsenal ausgegeben. Sie soll Anschläge in Waiblingen und Fellbach geplant haben.

Die Angeklagte soll geplant haben, das Fellbacher Rathaus (hier im Bild) und das Waiblinger Amtsgericht in die Luft zu sprengen. Foto: Stadt Fellbach/Simone Mathias

© Melanie Maier

Die Angeklagte soll geplant haben, das Fellbacher Rathaus (hier im Bild) und das Waiblinger Amtsgericht in die Luft zu sprengen. Foto: Stadt Fellbach/Simone Mathias

Von Heike Rommel

Stuttgart/Waiblingen/Fellbach. Das Fellbacher Rathaus sollte im November 2022 dem Erdboden gleich gemacht werden und das Waiblinger Amtsgericht im November 2023: So viel ging jetzt nach Informationen der Kripo aus dem Landgerichtsprozess gegen die 25-jährige mutmaßliche Amokläuferin hervor (wir berichteten). Das Waffenarsenal der Frau, die wegen Vorbereitens schwerer staatsgefährdender Straftaten angeklagt ist, war bei einem Umzug von einer Sozialunterkunft in eine andere entdeckt worden. Ein Zeuge vom Staatsschutz der Waiblinger Kriminalpolizei sagte im Zuge der Beweisaufnahme aus, was es mit den beiden Anschlagsplänen auf sich hatte. Den Ermittlungen nach wurden die Tatpläne, sorgfältig in Notizbüchern aufgeschrieben, ab dem Jahr 2021 immer konkreter und reichten schon bis zum Jahr 2027.

Laut Zeugenaussage des Kripo-Beamten wollte die 25-Jährige im November 2022 einen ersten Anschlag auf das Fellbacher Rathaus verüben. Weil der für sie zuständige Sachbearbeiter ihre Liebe verschmäht hätte, sei der Plan entstanden, dessen Bürotüre mit einer Harpune freizuschießen und falls das nicht klappt, mit einer Axt zu zertrümmern. Messer und Axt sollten schriftlichen Aufzeichnungen nach zum Einsatz kommen, damit der Mann im Rathaus „in seiner eigenen Blutlache ertrinkt“. Der Betroffene hat sich deshalb in eine andere Stadt versetzen lassen.

Eine Umzugsfirma entdeckte das große Waffenarsenal

Bombenbauanleitungen, Schwarzpulver und Rohre, um im November 2023 das Amtsgericht Waiblingen in die Luft zu sprengen, beschlagnahmte die Polizei zusammen mit umgebauten Schusswaffen, Gasdruckpistolen, Harpunen, Macheten und diversen Messern. Eine Umzugsfirma hatte die Waffen entdeckt, als die Frau von einer Unterkunft in eine andere umziehen sollte. Vor dem Landgericht zeigt sie nach wie vor kaum eine Regung, hüllt sich in Schweigen und versteckt ihre Augen hinter einer Sonnenbrille.

Zur Begutachtung des Gesundheitszustandes der Angeklagten wohnt Professor Hermann Ebel dem Prozess bei. Der Sachverständige versucht nun, von den Polizisten etwas über die Angeklagte herauszubekommen. In der Schule sei sie gemobbt worden, auch hatte die junge Frau einige Aufenthalte in psychiatrische Kliniken hinter sich, bis sie in der Fellbacher Sozialunterkunft landete. „Sie hat sich vom Staat nicht ausreichend unterstützt gefühlt“, beschrieb einer der Kripo-Beamten die Lebenssituation der 25-Jährigen. Ihre Nachbarn mit Migrationshintergrund habe sie als „Gesoxe“ beschrieben und angegeben, diesen am liebsten mit Blausäure die Lunge zu verätzen.

Nachbarn wurden von der Frau bedroht

Bei der Angeklagten wurde außerdem das Manifest des finnischen Amokläufers Pekka Eric Auvinen gefunden, der sich laut Aussage des Hauptermittlers mit nur zwei Prozent der Menschheit „ein bisschen wie ein Übermensch“ sah und die restlichen 98 Prozent auslöschen wollte. Die Zeugenaussage einer schwarzen Frau aus der ersten Sozialunterkunft nahm auch Bezug darauf. Sie nämlich gab an, die Angeklagte habe in der Waschküche eines ihrer kleinen Kinder auf den Hinterkopf geschlagen und sie selbst mit einem Feuerlöscher sowie anderen Gegenständen bedroht. Nicht nur einmal habe sie die Verwaltung der Unterkunft um Hilfe gebeten. Nachdem die Angeklagte ein Türglas eingeschlagen hatte, habe die Zeugin der Stadt Fellbach mitgeteilt: „Wir fühlen uns hier nicht sicher.“ Außerdem hätten sie und ihre Kinder wegen nächtlicher Geräusche und lauter Musik kaum eine Nacht mehr schlafen können.

Bei ihrer Festnahme am 17. Oktober 2023 war die Angeklagte freiwillig im Zentrum für Psychiatrie Winnenden. Dort soll sie zu den Polizeibeamten gesagt haben, sie könnten sie nicht festnehmen, denn sie sei psychisch krank und schuldunfähig. Im ZfP, so einer der Ermittler, habe eine Ärztin gemeint, die 25-Jährige sei nicht behandlungsbedürftig und könnte mitgenommen werden.

Der Prozess wird am Freitag, 10. Mai, ab 9 Uhr fortgesetzt.

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Erstellt:
26. April 2024, 06:00 Uhr

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