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Mergenthaler: Risikolage hat sich nicht geändert

Das Interview: Das Vorstandsmitglied der SG Sonnenhof lehnt Fortsetzung der Dritten Liga ab Mitte Mai weiterhin ab

Sieht einen Wiederbeginn Mitte Mai sehr skeptisch: Philipp Mergenthaler. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Sieht einen Wiederbeginn Mitte Mai sehr skeptisch: Philipp Mergenthaler. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Großaspach und sieben weitere Fußball-Drittligisten sprachen sich bei der Videokonferenz dagegen aus. Meppen sowie Kaiserslautern enthielten sich und die restlichen zehn der 20 Klubs waren am Montag dafür, trotz Corona-Krise die Runde fortzusetzen. Der DFB plant nun, die elf Spieltage zwischen dem 16. Mai und Ende Juni mithilfe sogenannter Geisterspiele und englischer Wochen durchzupeitschen. Dabei dürfen acht Klubs aufgrund behördlicher Vorgaben bisher nicht einmal trainieren. Dazu zählt auch die SG Sonnenhof. Deshalb lehnt deren Vorstandsmitglied Philipp Mergenthaler im Interview mit unserer Zeitung eine rasche Fortsetzung der Dritten Liga weiter ab.

Herr Mergenthaler, derzeit ist für die SG Sonnenhof weder ein Trainingsbetrieb noch die Nutzung von Sportanlagen möglich. Nun will der DFB, dass die Saison dank sogenannter Geisterspiele in zwei Wochen wieder läuft. Haben Sie eine Ahnung wie das gehen soll?

Unsere Position, dass die Gesundheit über allem stehen sollte und die Wiederaufnahme des Spielbetriebs nur im gesellschaftlichen Kontext stehen kann, hat sich genauso wenig geändert wie die derzeitige behördliche Verfügungslage. Wir dürfen Stand heute nicht trainieren, auch nicht in Kleingruppen, weshalb ein Start der Liga am 16. Mai für uns nicht nur in keinster Weise den gesellschaftlichen Realitäten entspricht, sondern auch nach unserer Einschätzung mit extremen Risiken für Mitarbeiter und Dritte behaftet ist. Die Lage hat sich somit nicht geändert, übrigens auch durch die jüngste Managertagung nicht.

Der Verband scheint das anders zu sehen.

Die Meinung des DFB als Ligaträger war schon immer klar. Die Meinungen der Vereine bleiben gespalten. Daher frage ich mich auch, warum eine Spaltung der Liga jetzt scheinbar medial gefeiert wird. Wir für uns wollen sachlich mit Argumenten überzeugen.

Wer haftet eigentlich, wenn sich in diesen Spielen ein Spieler, Trainer, Betreuer oder Schiedsrichter mit dem Virus infiziert, oder wenn sich ein Spieler verletzt. Zum Beispiel weil er ohne Vorbereitung ins Spiel geht?

Das sind nur zwei von einigen Fragen, die derzeit noch völlig offen sind und genau diese hohen Risiken ansprechen. Selbst wenn wir das Konzept der Taskforcemit den umfangreichen Testungen außen vor lassen und auch das Thema Wettbewerbsverzerrung, denn andere Vereine trainieren teilweise schon seit mehreren Wochen, nicht betrachten würden – es gibt noch einen ganz anderen Punkt: Wir sind als SG ja nicht nur ein Verein, sondern auch Arbeitgeber. Hiermit haben wir auch eine Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter.

Das heißt im Klartext?

Bis zum 16. Mai sind es noch etwas mehr als zwei Wochen und wir dürfen ja noch nicht einmal trainieren. Und jetzt sollen wir – vorausgesetzt die Behörden geben hier überhaupt die Freigabe – nach einer Pause von sieben bis acht Wochen, mit höchstens zwei Wochen Vorbereitung in einer Profiliga mit englischen Wochen die Saison fertig spielen. Mal abgesehen von der Leistungsfähigkeit der Spieler, aus Sicht unserer Ärzte ist dies sportmedizinisch nicht zu verantworten. Das Risiko von schweren Verletzung steigt hierdurch extrem.

Die für die Erste und Zweite Bundesliga zuständige DFL will die Frauen-Bundesliga und die Dritte Liga mit 7,5 Millionen Euro bezuschussen. Das aber laut DFB nur, wenn die Runde wieder aufgenommen und zu Ende gespielt wird. Will sich die DFL damit den Gehorsam erkaufen, um in Sachen Geisterspiele nicht alleine da zu stehen?

Das kann und will ich nicht beurteilen. Bayern München, RB Leipzig, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen gebührt zuerst einmal unser Dank und Respekt, dass sie das Geld den Klubs beider Ligen zur Verfügung stellen. Dies ohne Bedingungen, so Herr Seifert auf der DFL-Pressekonferenz. Bei der Managertagung am Montag wurde nun von Seiten des DFB-Schatzmeisters für alle 20 Vereine völlig überraschend verkündet, dass die Mittel vom DFB verteilt, für die Finanzierung der umfangreichen Corona-Tests der Klubs verwendet und dann noch tröpfchenweise pro Spieltag an die Vereine ausgezahlt werden. Das ist eine Vorgehensweise, die zumindest befremdlich ist.

Großaspach zählt zu den Vereinen, die sich für einen Abbruch ausgesprochen haben. Gilt das auch für den Fall, dass es trotz Abbruch bei vier Absteigern bleibt und die SG als Vorletzter dann in die Regionalliga runter muss?

Wir haben uns für die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Spieler sowie die Gesellschaft ausgesprochen. Wir haben zudem gesagt, dass sportliche Wettbewerbe auf dem Rasen entschieden werden sollten und nicht am grünen Tisch. Wenn Gesundheit, gesellschaftlicher Kontext, fairer Wettbewerb und Wirtschaftlichkeit, im Einklang stehen, dann werden wir die Saison auch zu Ende spielen. Wir haben auf jeden Fall, die Vorgaben der DFB-Taskforce ans Gesundheitsamt weiter geleitet. Eine Antwort von dort steht aber noch aus. Deshalb sehen wir aufgrund der angeführten Punkte heute noch nicht, wie die Runde zu einigermaßen gleichen und fairen Bedingungen annähernd termingerecht zu Ende gebracht werden soll. Völlig klar ist und war für uns jedoch immer: wenn wir sportlich absteigen sollten, steigen wir ab und spielen nächste Runde in der Regionalliga.

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Erstellt:
29. April 2020, 06:00 Uhr

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