Rivalen mit vielfältigen Verbindungen

Großaspachs Regionalliga-Heimspiel am Sonntag um 14 Uhr ist das siebte Duell um Punkte mit dem VfB II. Die SG Sonnenhof blickt zudem auf ein DFB-Pokalduell und mehrere Tests gegen Stuttgarts Profis zurück. Auch sonst haben die Vereine oft miteinander zu tun.

11. Juli 2008: Auf dem alten Rasenplatz im Fautenhau – dort, wo heute der Kunstrasen ist – sehen 4700 Fans den 3:1-Testspielsieg des VfB gegen den Oberligisten Großaspach. Foto: A. Wahl

11. Juli 2008: Auf dem alten Rasenplatz im Fautenhau – dort, wo heute der Kunstrasen ist – sehen 4700 Fans den 3:1-Testspielsieg des VfB gegen den Oberligisten Großaspach. Foto: A. Wahl

Von Steffen Grün

Nur gut 30 Kilometer sind es vom Vereinszentrum des VfB Stuttgart in der Mercedesstraße bis zum Stadion der SG Sonnenhof Großaspach im Fautenhau. Es gibt Vereine in der Regionalliga Südwest, die sich räumlich noch etwas näher sind (etwa der FSV Frankfurt und Kickers Offenbach oder der SV Elversberg und der FC Homburg), doch die vielfältigen Beziehungen zwischen den schwäbischen Nachbarn dürften einzigartig sein. Das beginnt bereits damit, dass viele SG-Fans auch VfB-Anhänger sind, was bei anderen Derbys kaum vorstellbar ist. Und es endet längst nicht damit, dass es neben Pokal- und Punktspielen auch schon mehrere Freundschaftsspiele zwischen beiden Klubs gab. Am Sonntag (14 Uhr, Fautenhau) kreuzen sich die Wege mal wieder, der Elfte erwartet den Zehnten, auch tabellarisch liegen beide Seiten eng beieinander. Vorab ein Überblick über das, was die Weiß-Roten aus der Landeshauptstadt und die Rot-Schwarzen aus der 8300-Seelen-Gemeinde verbindet – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Punktespiele: Aspachs Aufstieg in die Regionalliga kam 2009 zu spät, um es zum ersten Mal mit dem VfB Stuttgart II zu tun zu kriegen. Die Bundesliga-Reserve hatte sich bereits ein Jahr vorher für die damals neu gegründete Dritte Liga qualifiziert. Erst als die SG Sonnenhof 2014 nachzog, war es so weit. Am 30. August gab es im Fautenhau ein 3:3. Für die Hausherren trafen Simon Skarlatidis zum 1:0 sowie Sahr Senesie und Sebastian Schiek, die nach einem 1:3-Rückstand das Unentschieden retteten. Die Tore für die Gäste erzielten Tim Leibold, Pascal Breier und Timo Baumgartl. Schon damals dabei und am Sonntag wieder: Kai Gehring, Nicolas Jüllich und Sebastian Schiek auf der einen Seite, auf der anderen Seite niemand.

Mit einem 4:1 für den VfB II endete das Rückspiel – auch weil sich die Stuttgarter mit Bundesliga-Profis verstärkten: Karim Haggui steuerte einen Treffer bei, Daniel Ginczek sogar zwei. Das erste Duell in der Saison 2015/2016 gewann erneut der Verein mit dem Brustring, dieses Mal mit 3:1 in Aspach. Beim vierten Kräftemessen schlug dann allerdings die Stunde des Dorfklubs, den Michele Rizzi und Timo Röttger (2) zu einem 3:0-Sieg im Robert-Schlienz-Stadion schossen. Am Ende dieser Runde stieg der VfB in die Regionalliga ab, die SG Sonnenhof erwischte es 2020. In der vergangenen Saison setzte sich jeweils das Auswärtsteam durch: Erst die Stuttgarter, bei denen unter anderem Holger Badstuber mitmischte, mit 3:0, dann die Großaspacher mit 2:0. Die Bilanz nach sechs Punktspielen aus SG-Sicht: zwei Siege, ein Remis, drei Niederlagen.

1. August 2009: In Aspach gibt es noch kein Stadion, das DFB-Pokal-Duell steigt in Heilbronn. Die SG um Nicolo Mazzola führt, der VfB mit Serdar Tasci siegt 4:1. Foto: B. Strohmaier

1. August 2009: In Aspach gibt es noch kein Stadion, das DFB-Pokal-Duell steigt in Heilbronn. Die SG um Nicolo Mazzola führt, der VfB mit Serdar Tasci siegt 4:1. Foto: B. Strohmaier

Das DFB-Pokal-Duell: Zwei Jahre nach dem fünften und bislang letzten deutschen Meistertitel hatte sich der VfB zum dritten Mal für die Champions League qualifiziert, als das Los den schwäbischen Vorzeigeverein und seinen aufstrebenden Nachbarn in Runde eins zusammenführte. Auch die SG strotzte vor der Partie am 1. August 2009 vor Selbstvertrauen, weil sie in der Vorsaison den WFV-Pokal-Sieg und den Regionalliga-Aufstieg gefeiert hatte. Gespielt wurde im Frankenstadion in Heilbronn, wo Großaspach fortan auch die Regionalliga-Partien absolvierte, bis die schicke neue Arena im Fautenhau fertig war. „Ich kann mich noch sehr gut erinnern“, sagt der damalige Aspacher Spieler, spätere Trainer und heutige Wiesbadener Coach Rüdiger Rehm. „Es war ein tolles Erlebnis.“ Für ihn fast noch mehr als für die Kollegen, weil es in seiner Heimatstadt und Jugendspielstätte war und am selben Tag ein enger Freund heiratete.

Vor 14000 Fans legte Shaban Ismaili für den Außenseiter das 1:0 vor, damit ging es sogar in die Pause. Es war der heutige VfB-Vorstandsboss und damalige Kapitän Thomas Hitzlsperger, der den Favoriten mit einem 30-Meter-Hammer zum 1:1 zurück ins Spiel brachte. „Das war der Knackpunkt“, so Rehm, für den zudem die Einwechslung von Sami Khedira eine große Rolle spielte. Cacau und Jan Simak (2) schossen das Team von Trainer Markus Babbel, für das auch Akteure wie Jens Lehmann, Serdar Tasci oder Julian Schieber zum Einsatz kamen, noch zum standesgemäßen 4:1-Erfolg.

Weitere Berührungspunkte: Um sich den Fans vor der Haustür zu präsentieren, schaute der VfB immer wieder zu Testspielen im Fautenhau vorbei. Etwa 1999, als es mit Trainer Ralf Rangnick ein 8:0 gab. 5:0 hieß es 2004 mit Matthias Sammer auf der Bank. Zwei Jahre später trotzte die SG dem Erstligisten ein 1:1 an, doch der VfB wurde anschließend trotzdem Meister. 2008 mühte sich der Favorit zum 3:1, ein 1:1 sprang zwölf Monate später gut zwei Wochen vor dem DFB-Pokal-Duell heraus. Das Einweihungsspiel des neuen Großaspacher Stadions endete 2011 mit einem 3:1 für Stuttgart. Ohne alle Stars kassierte der VfB mit Trainer Hannes Wolf vor gut vier Jahren nach dem ersten Wiederaufstieg eine 0:1-Niederlage. Der VfB gastierte beim Drei-Ligen-Cup in Aspach, trug 2012 das Testspiel gegen Betis Sevilla (2:2) und 2013 das Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Plovdiv (0:0) dort aus. Diese Liste ließe sich erweitern, auch in Stuttgart gab es schon das eine oder andere Aufeinandertreffen.

Immer wieder verstärkt sich die SG Sonnenhof mit Talenten aus der U 19 oder der zweiten Mannschaft des VfB II, das jüngste Beispiel ist der vor dieser Saison geholte David Hummel. Und: Die Aspacher zählen wie etwa auch die Ligarivalen TSG Balingen und VfR Aalen im Juniorenbereich zu den Kooperationspartnern des Erstligisten.

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Erstellt:
15. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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