Ärzte fordern OP-Stopp wegen Corona - „Die Zeit drängt“

dpa Berlin. Der Teil-Lockdown in Deutschland soll eine Überlastung von Kliniken verhindern. Ärzte sagen nun: Die Krankenhäuser tragen aus Umsatzgründen eine Mitverantwortung für den Corona-Notstand.

Ein Intensivpfleger arbeitet in Schutzausrüstung auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel Berlin. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Ein Intensivpfleger arbeitet in Schutzausrüstung auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel Berlin. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Deutschlands Klinikärzte fordern die Bundesländer mit vielen Corona-Fällen zu einem Stopp verschiebbarer Eingriffe in den Krankenhäusern auf.

In einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Erklärung kritisieren die Ärzteorganisation Marburger Bund und die intensivmedizinischen Fachgesellschaften, dass Krankenhäuser aus Umsatzgründen ihre Kapazitäten nicht auf Covid-19-Patienten konzentrierten.

„Die Krankenhäuser in stark belasteten Regionen müssen unverzüglich von der Politik aufgefordert werden, plan- und verschiebbare stationäre Eingriffe je nach Belastungssituation zu reduzieren beziehungsweise einzustellen“, fordern die Ärzte.

„Nur dann ist es möglich, kurzfristig weiteres Personal für die Versorgung akut und kritisch erkrankter Patienten einzusetzen“, so die Ärzte. „Ohne diese zusätzliche Unterstützung ist die Belastungsgrenze insbesondere auf vielen Intensivstationen schon bald überschritten.“

Derzeit seien die Verantwortlichen für die Finanzen in den Kliniken nicht bereit, verschiebbare Eingriffe zurückzustellen, kritisierten die Mediziner. Deshalb müsse die Politik für eine Gegenfinanzierung der Erlösausfälle sorgen, die entstünden, wenn verschiebbarer Behandlungen zurückgefahren werden.

Zu den Unterzeichnern gehören die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) und die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN).

Bereits am Freitag hatte die Gewerkschaft Verdi Alarm geschlagen. So seien es nicht nur Einzelfälle, dass mit Corona infiziertes Pflegekräfte Dienst tun müssten, um einen Zusammenbruch der Versorgung zu verhindern, sagte ein Sprecher. Denn viele Krankenhäuser unterließen es aus Umsatzgründen, trotz dramatisch steigender Infektionszahlen nicht nötige Eingriffe zurückzufahren, so dass einfach zuviel zu tun sei in den Kliniken. Kapazitäten müssten für die Versorgung von Covid-19-Patienten geschaffen werden, mahnte der Verdi-Sprecher.

In der Erklärung der Ärzte heißt es: „Wenn wir jetzt nichts ändern können, wird bald in einigen Regionen Deutschlands die Versorgung aller Patienten nicht mehr sicherzustellen sein. Die Zeit drängt.“

An diesem Montag beraten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten über die Pandemie-Lage.

© dpa-infocom, dpa:201114-99-328969/2

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Erstellt:
14. November 2020, 02:38 Uhr

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