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Besinnlichkeittrotz Pflege

Experten geben Tipps für Angehörige von Demenzkranken

Düsseldorf/Stuttgart (epd). Am vergangenen Heiligabend packte Michael M. seine demenzkranke Mutter ins Auto und fuhr mit ihr in den Schwarzwald. Dort, in ihrem Elternhaus, in dem noch die Schwester wohnt, wollte er mit ihr „Heiligabend so wie früher“ feiern. „Wir haben da mit der Familie viele schöne Weihnachtsfeste verbracht“, sagt Michael M. Doch die Reise geriet zum Desaster. „Meine Mutter war unruhig, rannte nachts durchs Haus. Und gegenüber den Verwandten wurde sie richtig aggressiv.“

Erlebnisse wie die von Michael M. höre sie nach den Feiertagen immer wieder, sagt Julia Richarz, Leiterin des Sozialen Dienstes im Kompetenzzentrum Demenz der Diakonie Düsseldorf. „Oft wird berichtet, dass demenzkranke Angehörige weglaufen wollten oder unwirsch zu extra von weither angereisten Angehörigen waren.“ Auch beim Verein Alzheimer Forschung Initiative (AFI) melden sich vor und nach der Weihnachtszeit besonders viele Angehörige mit Fragen und Problemen. „Die Weihnachtstage sind traditionell eine emotional aufgeladene Zeit“, sagt der AFI-Vorsitzende Michael Lorrain. Bei den pflegenden Angehörigen sei dann oft der Wunsch nach Ruhe und Besinnlichkeit besonders groß. „Die Demenz nimmt aber keine Rücksicht darauf.“

Wenn dann Stress und andere Belastungen dazu kämen, könne auffälliges oder provokatives Verhalten des Kranken das Fass zum Überlaufen bringen, beobachtet der Neurologe. Angehörige verlören dann schon einmal die Nerven. Im Extremfall komme es auch zu körperlicher Gewalt. Damit die Situation an den Feiertagen nicht eskaliert, rät Sozialpädagogin Richarz pflegenden Angehörigen, das Fest etwas schlichter zu feiern. Susanne Gittus von der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg empfiehlt, den Kranken am besten in seiner vertrauten Umgebung zu belassen. „Ortswechsel können für einen dementen Menschen ein Problem sein.“ Richarz rät, mit dem Demenzkranken in kleinem Rahmen zu feiern. „Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, dass die Enkel nicht gemeinsam zur Großmutter kommen, sondern einzeln zu kurzen Besuchen von 30 Minuten bis zu maximal einer Stunde.“

Die Traditionen und Rituale der Weihnachtszeit könnten für Demenzkranke auch positive Impulse geben, sagt Gittus. Einen sehr guten Effekt könnten vertraute Weihnachtslieder haben: „Selbst sehr stille und verschlossene Menschen singen oft mit.“

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Erstellt:
21. Dezember 2018, 11:42 Uhr

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