Die Chronik der geplatzten Stuttgart-21-Termine
Neun Anläufe, kein Treffer: Es gibt eine Konstante in der ebenso langen wie leidvollen Stuttgart-21-Geschichte. Die Deutsche Bahn hat bisher jede Terminprognose kassieren müssen.
Von Christian Milankovic
Stuttgart - Sollte dieses Mal die Prognose halten, so steht am Ende die 37. So viele Jahre wären bei einer nun für Ende 2031 prognostizierten Eröffnung des Tiefbahnhofs vergangen, seit im April 1994 die Idee zu Stuttgart 21 publik gemacht wurde. Setzt man den Baubeginn im Februar 2010 als Startpunkt hätte Stuttgart 21 – hübsche Zahlenspielerei – 21 Jahre vom Auftakt bis zur Vollendung gebraucht. Aber eigentlich ist die Lage viel zu ernst, um sich darüber lustig zu machen.
Das Projekt kennt zahlreiche ständige Begleiter: den Protest der Kritiker, den Zweifel an der Erreichbarkeit der beschworenen Projektziele und die immer wieder über den Haufen geworfenen Prognosen zu Terminen und Kosten. Allen Vorhersagen war eines gemeinsam: die Zusicherung der Stuttgart-21-Bauer, dass dieses Mal aber auch wirklich den Zahlen zu trauen sei. Bis zum Beweis des Gegenteils.
Leicht geht der Überblick verloren. Mit der nun durchgesickerten Verschiebung der Eröffnung des Durchgangsbahnhofs auf Ende 2031 lassen sich in der Projekthistorie neun Starttermine ausmachen, die mal für längere mal für kürzere Zeit als gesetzt galten. Als 1994 das Projekt vorgestellt wurde, zeigten sich die Initiatoren zuversichtlich, dass Ende 2008 Züge im Durchgangsbahnhof halten würden.
Dass diese Vorhersage nicht haltbar sein würde, zeichnete sich spätestens 1999 ab, als der damalige Bahnchef Johannes Ludewig die Planungen stoppen ließ. Zehn Jahre später gab es zwar immer noch keine Arbeiten am neuen Bahnknoten, aber immerhin wurde in diesem Jahr die Finanzierungsvereinbarung zwischen der Deutschen Bahn und ihren Partnern Land, Stadt und Region unterzeichnet. Zu einem Zeitpunkt, an dem man die Inbetriebnahme auf Ende 2019 terminierte.
Doch auch diese Prognose war nur von bedingter Haltbarkeit. Im Jahr 2012 wollte man den Bahnhof im Jahr 2020 eröffnen, ein Jahr später sollte der Start ins neue Bahnzeitalter Ende 2021 stattfinden. Daran hielt die Deutsche Bahn vergleichsweise lange fest, ehe sich im Herbst 2017 und im Laufe des Jahres 2018 der Eröffnungstermin gleich zweimal verschob: erst auf Ende 2024, dann auf Dezember 2025.
Wer geglaubt hatte, dass mit einem Näherrücken der Fertigstellung sich auch die Zuverlässigkeit der Prognosen erhöhen würde, sah sich spätestens Mitte 2024 eines Besseren belehrt. Nur anderthalb Jahre vor der geplanten Eröffnung im Dezember 2025 kassierte die DB auch diese Einschätzung ein und nannte nun Ende 2026, und verschob das Ende 2025 auf Ende 2027. Nun also steht 2031 im Raum – und es bleibt angesichts dieser Chronik der berechtigte Zweifel an der Verlässlichkeit des Datums.
