Die Rems-Murr-Kliniken trotzen Corona

Der Aufsichtsrat bekräftigt in seiner 100. Sitzung den eingeschlagenen Kurs der Krankenhäuser in Winnenden und Schorndorf. Das Freihalten von Bettenkapazitäten für eventuelle Covid-Patienten verschlechtert das Ergebnis der Kliniken um 1,8 Millionen Euro.

Die Visualisierung zeigt, wie die zentrale Patientenaufnahme im Schorndorfer Klinikum einmal aussehen soll. Entwurf: bloomimages/Beeg Lemke

Die Visualisierung zeigt, wie die zentrale Patientenaufnahme im Schorndorfer Klinikum einmal aussehen soll. Entwurf: bloomimages/Beeg Lemke

Von Matthias Nothstein

WINNENDEN/SCHORNDORF. Nach den schwierigen Jahren des Rems-Murr-Klinikums Winnenden direkt nach der Eröffnung des Neubaus 2014 und nach den Turbulenzen um den Erhalt des Schorndorfer Krankenhauses waren die beiden Kliniken zuletzt auf einem guten Weg. Die Betriebsergebnisse wurden Jahr für Jahr besser und das Land gab den zusätzlichen Betten, die in Winnenden unterhalten wurden, nachträglich seinen Segen. Auf dem schwierigen Feld der Finanzierung war Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Und dann kam Corona. Mitte März wurden die Rems-Murr-Kliniken vom Bund aufgefordert, sämtliche planbaren OPs einzustellen und zu verschieben, damit freie Kapazitäten für Covid-19-Patienten vorgehalten werden können. Klinik-Geschäftsführer Marc Nickel und Landrat Richard Sigel weisen in einer Pressemitteilung auf die Folgen hin: „Dieser wirtschaftliche Eingriff samt seiner Folgeauswirkungen wurde von der Bundespolitik bisher nicht vollständig ausgeglichen und spiegelt sich im Jahresvergleich in einer negativen Ergebnisabweichung von 1,8 Millionen Euro wider.“ Diese ungedeckten Kosten trägt derzeit der Landkreis als Gesellschafter. Weshalb Nickel ein unaufgeregtes Fazit ziehen kann: „Damit und mit einem guten Krisenmanagement befinden sich die Rems-Murr-Kliniken in einer stabilen Lage.“

Nach einer weitgehenden Normalisierung des Klinikbetriebs im Oktober müssen nun aufgrund der deutschlandweit steigenden Coronazahlen wieder vermehrt Isolationskapazitäten für Covid-19-Patienten vorgehalten werden. Die Auslastung der Rems-Murr-Kliniken liegt aktuell bei rund 70 Prozent. Die erhoffte dauerhafte Rückkehr in die „Normalität“ ist laut Nickel derzeit nicht gegeben. Gleichzeitig ist bisher nicht abzusehen, inwieweit die Bundesregierung die zu erwartenden Verluste von Kliniken hinreichend ausgleichen wird, da auch die Auswirkungen der zweiten Welle noch nicht vollständig einschätzbar sind.

Wer nun glaubt, die Kliniken halten in diesen schwierigen Zeiten die Füße still, der irrt sich. Trotz der Coronapandemie entwickeln sich die Rems-Murr-Kliniken an beiden Standorten im Rahmen der Medizinkonzeption und der Campusentwicklung weiter: Die Mitglieder des Aufsichtsrates beschlossen in der 100. Aufsichtsratssitzung, die angesichts der Coronapandemie erstmalig virtuell stattfand, unter anderem in Winnenden den Ausbau des Lungenzentrums und die Stärkung der Labormedizin. Außerdem brachten sie die Modernisierung der Patientenaufnahme in Schorndorf auf den Weg und schafften die Voraussetzung für den Aufstieg der Notaufnahme Schorndorfs in die „Erweiterte Notaufnahme“.

„Wir sind bisher gut durch die Coronakrise gekommen und verfolgen weiter vorausschauend den Ausbau unserer medizinischen Strukturen“, so der Aufsichtsratsvorsitzende der Rems-Murr-Kliniken, Landrat Richard Sigel. „Die Coronapandemie wirft uns finanziell etwas zurück, aber sie bremst uns nicht in der Weiterentwicklung der Standorte und der Verbesserung der medizinischen Versorgung. Die digital durchgeführte 100. Aufsichtsratssitzung ist deswegen auch ein Grund, im Rückblick stolz zu sein auf das bisher Erreichte und zuversichtlich nach vorne zu schauen.“

„Wir trotzen Corona“, betont auch Marc Nickel. „Wir sorgen auf der einen Seite für sichere Kliniken auch in Coronazeiten und kommen weiter unserem Versorgungsauftrag nach. Auf der anderen Seite arbeiten wir parallel daran, die Campusentwicklung voranzutreiben. Wir lassen uns von Corona nicht aufhalten. Mit der Besuchertestung ermöglichen wir sogar den sicheren Besuch von Freunden und Angehörigen bei Fällen, bei denen eine persönliche Begegnung so wichtig ist.“

Moderne Patientenaufnahme in der Klinik Schorndorf: Am Standort Schorndorf wurde der Förderantrag für den geplanten Neubau mit allen Funktionsbereichen bereits nach der letzten Aufsichtsratssitzung im September eingereicht und die bauplanungs-rechtlichen Voraussetzungen für die Genehmigung des Bauabschnittes 1 geschaffen. Parallel wurde die Ertüchtigung der Pflegestation 1 und der Zentralen Patientenaufnahme (ZPA) im Erdgeschoss beschlossen. Die ZPA wird mit einer modernen und offenen Architektur umgestaltet, sodass ein freundlicher und heller Empfangs- und Check-in-Bereich für die Patienten entsteht.

Herzkatheterlabor: Mit einem eigenen Herzkatheterlabor wurde das Leistungsspektrum zur Behandlung von Herzerkrankungen an der Klinik Schorndorf deutlich ausgeweitet. Dank einer großzügigen Spende der Sparkassenstiftung für Gesundheit und Bildung der Kreissparkasse Waiblingen können zukünftig mit modernsten Geräten Erkrankungen des Herzens behandelt werden. Auch hier greift am Beispiel der Kardiologie die enge Verzahnung der Standorte Winnenden und Schorndorf. Sie ist ein Herzstück der Medizinkonzeption mit dem Ziel einer bestmöglichen medizinischen Versorgung der Menschen im Rems-Murr-Kreis.

MRT für Schorndorfer Klinik: Darüber hinaus soll entsprechend dem Konzept zur Campusentwicklung ein eigenes Magnetresonanztomografiegerät (MRT) etabliert und in 2021 realisiert werden. Ein eigenes MRT am Standort Schorndorf soll die Klinik für die verschiedenen Krankheitsbilder der Fachrichtungen rund um die Uhr mit einer vollwertigen bildgebenden Diagnostik ausstatten. Damit wird die nächste Stufe der Notfallversorgung, die „Erweiterte Notfallversorgung“, für die Klinik Schorndorf umgesetzt, die eine 24-stündige Verfügbarkeit eines MRT vor Ort sowie ein Herzkatheterlabor vorschreibt. Die erweiterte Notfallversorgung sicherstellen zu können war und ist auch ein zentraler Beitrag für die Standortsicherung der Schorndorfer Klinik.

Ausbau des Lungenzentrums in Winnenden: Am Rems-Murr-Klinikum Winnenden werden die bereits erfolgreichen Sektionen Thoraxchirurgie und Pneumologie zu eigenen Hauptabteilungen ausgebaut. Das bisherige Lungenzentrum erfährt hierdurch eine stärkere Spezialisierung, sodass im Rems-Murr-Kreis Krebserkrankungen der Lunge oder obstruktive Lungenerkrankung (COPD) vor Ort noch besser behandelt werden können.

Ausbau der Labormedizin in Winnenden: Die Coronakrise hat auch aufgezeigt, wie wichtig eigene leistungsfähige Laborkapazitäten sind, die ein möglichst breites Spektrum an Untersuchungen abdecken können. Der Verzicht auf eine umfassende Labormedizin beim Bau der Rems-Murr-Kliniken hat sich als Nachteil erwiesen. So war beispielsweise eine Auswertung von Corona-PCR-Tests in den Rems-Murr-Kliniken nicht möglich. Unter anderem deswegen wurde dem Aufsichtsrat vorgeschlagen, die Labormedizin zu stärken. Das interne Labor der Rems-Murr-Kliniken soll am Standort Winnenden zentralisiert und am Standort Schorndorf ein 24-Stunden-Notfalllabor etabliert werden. Der Aufsichtsrat hat zudem einer Besetzung der Labormedizin mit einem Chefarzt zugestimmt, der die fachliche Leitung beider Standorte übernehmen, die Qualität sicherstellen und das Leistungsspektrum erhöhen soll. Diese Position wird der Labormediziner aus Kirchheim/Teck, Stefan Kath, einnehmen. Er ist derzeit noch Leitender Oberarzt und Facharzt für Labormedizin am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart.

Gewappnet für die zweite Welle: Die Rems-Murr-Kliniken kommen auch in der zweiten Welle weiterhin dem Versorgungsauftrag ihrer Patienten nach. Durch die Erfahrungen aus den ersten Monaten des Jahres 2020 und dank enger Zusammenarbeit mit dem Rems-Murr-Kreis wurden Prozesse und Instanzen etabliert, die weiterhin die medizinische Leistungsfähigkeit der Standorte gewährleisten. Umfangreiche Testungen mit Antigenschnelltests für Mitarbeiter, Patienten und Besucher verstärken die Infektionssicherheit. Mit dem Coronatherapieteam kann darüber hinaus standortübergreifend flexibel auf unterschiedliche Infektionslagen reagiert werden. Die aktualisierte Besucherregelung unterstützt die Aktivitäten der Rems-Murr-Kliniken zur Reduzierung des Infektionsgeschehens. Um auch weiterhin Besuche von Patienten zu ermöglichen, wurden regelhafte Testungen von Besuchern etabliert.

Foto: Landratsamt
Die Rems-Murr-Kliniken trotzen Corona

© KD BUSCH.COM

„Wir verfolgen weiterhin vorausschauend den Ausbau unserer medizinischen Strukturen.“

Richard Sigel, Landrat und

RMK-Aufsichtsratsvorsitzender

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Erstellt:
2. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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