Die unbekannte Größe auf links

Bisher ist Nathaniel Brown nur dem Fachpublikum ein Begriff. Jetzt macht sich der Außenverteidiger darüber hinaus einen Namen.

Nathaniel Brown

© /Chris Arjoon

Nathaniel Brown

Von Carlos Ubina

Winston-Salem - Die Mutter war’s. Sagt Nathaniel Brown mit einem Schmunzeln im Gesicht. Sie hat ihm den Spitznamen „Nene“ verpasst, als er zwei oder drei Jahre alt war. Und seither nennen ihn alle so. Familie, Freunde, Mitspieler, Trainer. „Mein Vorname war einfach zu lang und kompliziert für viele damals“, erzählt der Nationalspieler vor dem WM-Start. Am Sonntag (19 Uhr/ARD) geht das Amerika-Abenteuer für den Newcomer in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit dem Auftaktspiel gegen Curaçao so richtig los – und Brown ist im Teamquartier in Winston-Salem mit Feuereifer dabei, sich einen Namen zu machen.

Als nahezu unbekannte Größe ist Brown zunächst ins Trainingslager nach Herzogenaurach gefahren. Nah seiner Heimatstadt Amberg in der Oberpfalz hat sich der Wahl-Frankfurter dann nachdrücklich während den Übungseinheiten im Fränkischen sowie den folgenden Testspielen gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) so empfohlen, dass er David Raum vorläufig den Rang abgelaufen hat. Der Leipziger war im DFB-Team als Linksverteidiger vorgesehen, als emotionaler Leader im Grunde sogar gesetzt. Brown galt als sein talentierter Ersatz, der sich knapp vor Maximilian Mittelstädt vom VfB Stuttgart die Nominierung verdient hat.

Nun herrscht eine neue Konstellation auf dem Außenposten in der Abwehr. Brown liegt im Rennen um einen Platz in der Startelf vorne – und Raum hinten. „Nene bringt superviel mit“, sagt Julian Nagelsmann über das komplexe Anforderungsprofil an einen Außenverteidiger: „Er verfügt über eine tolle Dynamik, ist sehr schnell unterwegs und kreativ mit dem Ball – und er gewinnt immer mehr an Führungsqualitäten.“

Der Bundestrainer glaubt, dass Browns Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist. Gerade die Art und Weise, wie der 22-Jährige mit der schwierig verlaufenden Saison für die Eintracht umgegangen ist, bestärkt Nagelsmann in seiner Überzeugung: „Er hat über einen längeren Zeitraum die konstanteste Leistung bei den Frankfurtern abgerufen. Er war supergut im Eins-gegen-eins defensiv, und offensiv kann er mit seiner Dynamik sehr viel auslösen beim Gegner.“

Diese Verlässlichkeit nach hinten sowie seine Unbekümmertheit nach vorne soll Brown in der Nationalmannschaft einbringen. Basierend auf seiner enormen Schnelligkeit. Knapp 36 Stundenkilometer sind es, die er auf den Tacho bekommt. Ein Tempo, das den Bundestrainer beeindruckt. Denn damit lässt sich so mancher Speedstürmer auf dem Flügel bremsen oder kontrollieren.

Seine fußballerischen und athletischen Fähigkeiten machen Brown nicht nur bekannt, sondern ebenso begehrt. Der FC Bayern will ihn verpflichten, als Alternative für den oft verletzten Alphonso Davies und als Mann für die Zukunft.

In Chicago war vergangene Woche eine Medienrunde mit Brown angesetzt. Geplant war ein netter Austausch, um den Nationalspieler der Öffentlichkeit näherzubringen. Das brennendste Thema war jedoch ein möglicher Millionen-Transfer nach München. Konsequent hielt sich der Frankfurter (Vertrag bis 2030) in aller Höflichkeit an die vorgegebene Verteidigungsstrategie.

„Ich bin hier, um bei der WM zu spielen, und konzentriere mich allein auf das Turnier“, hat Brown mehrfach wiederholt. Tritt der Linksverteidiger dabei weiter überzeugend auf, wird er jedoch ein gefragter junger Mann bleiben.

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Erstellt:
11. Juni 2026, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
11. Juni 2026, 23:58 Uhr

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