He Dreiht von EnBW

Drehkreuz für Deutschlands stärksten Offshore-Windpark

Im dänischen Hafen Esbjerg werden die Anlagen für He Dreiht verschifft.

Der Hafen Esbjerg ist Drehkreuz für den Bau des Windparks He Dreiht. Links am Bildrand Maschinenhäuser, im Hintergrund das Errichtungsschiff „Wind Keeper“ mit zwei Türmen an Bord, im Vordergrund ein sogenannter Selbstfahrer (SPMT) für schwere Lasten.

© Philipp Steiner

Der Hafen Esbjerg ist Drehkreuz für den Bau des Windparks He Dreiht. Links am Bildrand Maschinenhäuser, im Hintergrund das Errichtungsschiff „Wind Keeper“ mit zwei Türmen an Bord, im Vordergrund ein sogenannter Selbstfahrer (SPMT) für schwere Lasten.

Von Philipp Steiner

50 Kilometer nördlich von Sylt liegt das dänische Esbjerg. Von hier aus wird der leistungsstärkste deutsche Offshore-Windpark errichtet: He Dreiht von EnBW. Ein Besuch zeigt, wie die Anlagen verschifft werden.

Im Hafen von Esbjerg liegen und stehen die riesigen Bauteile der Anlagen wie in einem gigantischen Legoland teils fertig und teils unfertig auf einer Freifläche. Es handelt sich um lange Turmröhren, die Fabrikschornsteinen ähneln, um massige Maschinenhäuser und schlanke Rotorblätter. Ein Gefährt mit zehn Achsreihen und ohne Führerhaus, ein sogenannter Selbstfahrer (SPMT) zum Bewegen schwerer Lasten, kurvt übers Gelände. Kräne warten mit in den Himmel gereckten Auslegern auf ihren Einsatz.

Jörn Däinghaus und Henrik Thun laufen zwischen den Bauteilen herum. Sie tragen Helme, Schutzbrillen, spezielles Schuhwerk und knallgelbe Jacken. Däinghaus ist Projektleiter von EnBW für He Dreiht. Der Karlsruher Energiekonzern ist Bauherr und Betreiber des im Werden begriffenen Windparks in der deutschen Nordsee. Rund die Hälfte der 64 Windkraftanlagen stehen bereits. Teils drehen sie sich schon – He Dreiht bedeutet übrigens auf Plattdeutsch „Er dreht“. Bis Jahresmitte soll He Dreiht voll in Betrieb gehen, so Däinghaus bei dem Termin im März 2026. Mit fast einem Gigawatt Nennleistung wird es Deutschlands leistungsstärkster Offshore-Windpark, macht er beim Rundgang im Hafen und später in einem Besprechungsraum klar. Investitionssumme: 2,4 Milliarden Euro.

Komponenten stammen aus halb Europa

Der Standort Esbjerg diene als Basishafen für die Windkraftanlagen, sagt EnBW-Mann Däinghaus. Das heißt, dass von hier aus „die Türme, die Gondeln, die Blätter installiert werden. Typischerweise immer drei Sets pro Ladung.“ Die Turmsegmente werden in Esbjerg montiert und mit Maschinenhäusern und Rotorblättern zusammen auf das Errichterschiff geladen, das dann nach He Dreiht aufbricht, so Däinghaus.

Esbjerg ist „sozusagen unser Herz“ für die Errichtung der Anlagen, beschreibt es Vestas-Projektleiter Thun. „Hier kommen die Komponenten alle das erste Mal zusammen.“ Die Teile stammten aus halb Europa: Die Türme von einem Zulieferer aus Dänemark, die Maschinenhäuser aus Vestas-Fabriken in Polen und Dänemark und die Rotorblätter aus eigenen Werken in Dänemark und in Italien.

In Esbjerg würden die Maschinenhäuser noch mit Software ausgerüstet und getestet. Generell gilt: Soviel wie möglich wird an Land gemacht, denn da ist es einfacher und günstiger als auf See. Viel Arbeit fließe auch in die Türme. Denn sie beherbergen ebenfalls Equipment, etwa Steuerungstechnik, die in Esbjerg eingebaut wird. Daher bleiben viele der Mitarbeiter während des Rundgangs im Hafen gleichsam unsichtbar: „Die arbeiten zum großen Teil in den Türmen“, verrät Thun.

Ein Schiff mit Stelzen

Die Türme bestehen aus vier Segmenten. Je zwei werden mithilfe der Raupenkräne an Land zusammengesetzt. Dann geht es auf das Spezialschiff, das bereits an der Kaikante wartet, aktuell ist es die „Wind Keeper“. Es handelt sich um ein „Jack-Up“-Schiff, das vier Stelzen ausfährt, um beim Beladen im Hafen und später beim Installieren auf See stabil zu stehen.

Däinghaus, Thun und der Besuch steigen an diesem Tag auch die Gangway zur „Wind Keeper“ hinauf. Dominiert wird das Schiff von einem gigantischen Kran. Er soll je zwei Turmsegmente nacheinander von der Hafenkante heben und auf Deck aufeinandersetzen. So wird aus den ursprünglich vier Segmenten ein Turm. Zwei Türme sind schon an Deck. Der dritte fehlt noch – zum Beladen ist es aktuell zu windig.

Normalerweise würde die „Wind Keeper“ noch drei Maschinenhäuser und neun Rotorblätter mitnehmen. Aus logistischen Gründen beschränkt sich die „Wind Keeper“ bei einigen Fahrten aber auf die Türme, so Jörn Däinghaus.

Erste Projekte schon vor 30 Jahren

Warum wird ein deutscher Windpark von einem dänischen Hafen aus gebaut? „Esbjerg ist aus unserer Sicht ein exzellenter Hafen für die Arbeiten“, erläutert Henrik Thun. Der Hafen biete große Lagerflächen, eine tragfähige Kaikante und in der Region gebe es gute Lieferanten und Techniker. Auch mit Blick auf die in Europa verteilten Vestas-Werke und Zulieferer liege er gut. Und schließlich habe Esbjerg sich bewährt. Die ersten Offshore-Projekte seien schon vor 30 Jahren von hier aus errichtet worden. Generell sei man aber daran interessiert, dass andernorts logistische Kapazitäten wachsen, macht Thun deutlich: „Wir sind natürlich auch im Dialog mit deutschen Häfen.“

Von Baltic 1 bis Borkum Riffgrund 3 –Offshore-Windparks vor der deutschen Küste

Vor Deutschlands Küste waren zum Jahresende 2025 nach Branchenangaben 1.680 Windräder in Betrieb. Ihre Leistung betrug zusammen rund 9,7 Gigawatt (GW), wie das Branchenunternehmen Deutsche WindGuard im Januar mitteilte.

Im zurückliegenden Jahr wurden demnach 41 neue Windenergieanlagen mit zusammen 518 Megawatt (MW) in Betrieb genommen. Für 72 weitere Anlagen auf See stehe die erste Netzeinspeisung noch bevor.

Etwa 7,9 der 9,7 GW entfielen auf die Nordsee und 1,8 GW auf die Ostsee. Über die Netzanschlüsse ließen sich die Anteile den Bundesländern zuordnen, nämlich Niedersachsen 5,8 GW, Schleswig-Holstein 2,1 GW und Mecklenburg-Vorpommern, wo die gesamten Ostsee-Windräder angebunden seien, 1,8 GW.

In den vergangenen Jahren haben Leistung und Größe der Windräder zugenommen. So wurde 2025 erstmals eine Anlage mit 15 MW Leistung in Betrieb genommen, schrieb die Deutsche WindGuard. Die Bestandsanlagen einschließlich der 2025 neu in Betrieb genommenen Anlagen wiesen demnach im Schnitt einen Rotordurchmesser von 138 Metern und eine Nabenhöhe von 97 Metern auf. Betrachte man die neuen Anlagen für sich, so hätten die Rotoren im Schnitt 211 Meter Durchmesser und die Nabenhöhe betrug durchschnittlich 143 Meter.

Die meisten deutschen Windparks liegen den Angaben zufolge mindestens 40 Kilometer vor der Küste in Wassertiefen ab 20 Metern. Teils seien sie bis zu 120 Kilometer von Land entfernt.

Die Windparks Gode Wind 1, 2 und 3 finden sich zum Beispiel vergleichsweise nahe vor den Ostfriesischen Inseln. Weit draußen in der Nordsee an der Grenze zu dänischen Gewässern liegen DanTysk und Sandbank. Nordöstlich von Rügen stehen die Windparks Arkona und Wikinger.

Der Energiekonzern EnBW betreibt Baltic 1 und Baltic 2 in der Ostsee und Hohe See und Albatros in der Nordsee. In der Nähe der beiden letzteren entsteht auch He Dreiht von EnBW. Ein ähnlich leistungsstarker Nordsee-Windpark im Bau neben He Dreiht war mit Stand Ende 2025 Borkum Riffgrund 3 von Ørsted und Nuveen.

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Erstellt:
25. Mai 2026, 13:22 Uhr

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