Iran-Krieg
Dubai, Katar, Kuwait – wo wieder Reisewarnungen gelten
Iranische Angriffe, volatile Lage, Gefahr für Zivilisten - die Risikobewertung für Kuwait, Dubai und Katar klingt ähnlich. Und doch werden Unterschiede gemacht.
© AFP
Wassersport vor der Skyline von Dubai im Juni 2026.
Von Michael Maier
Die Golfregion steht erneut im Fokus von internationalen Reisewarnungen. Nach der erneuten Eskalation zwischen den USA/Israel und Iran haben westliche Außenministerien ihre Reiseempfehlungen für Dubai, Katar und Kuwait im Juni wieder verschärft. Bemerkenswert ist dabei allerdings die unterschiedliche Behandlung scheinbar ähnlicher Risiken.
Offizielle Reisewarnung für Kuwait...
Die wichtigste Entwicklung der vergangenen Woche betrifft Kuwait. Das Auswärtige Amt hat das Land offiziell in die Liste „Aktuelle Reisewarnungen“ aufgenommen und warnt explizit: „Vor Reisen nach Kuwait wird gewarnt.“ Diese Entscheidung fiel nach iranischen Luftschlägen am 3. Juni 2026, die den internationalen Flughafen Kuwait beschädigten und den Flugbetrieb zeitweise einstellten.
Deutschland steht mit dieser Einschätzung nicht allein da. Das britische Foreign Office (FCDO) rät ebenfalls von allen nicht-essentiellen Reisen nach Kuwait ab, während die USA das Land mit „Level 3: Reconsider Travel“ einstufen. Die Begründung ist nachvollziehbar: Direkte Angriffe auf kritische Infrastruktur schaffen konkrete und unmittelbare Gefahren für Reisende.
...aber nicht für Katar und Dubai
Für die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar wählt das Auswärtige Amt eine andere Formulierung. Obwohl keine formale Reisewarnung ausgesprochen wird, ist der Ton unmissverständlich: „Von Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate wird dringend abgeraten“ beziehungsweise „Von Reisen nach Katar wird dringend abgeraten.“
Diese Empfehlungen basieren auf iranischen Angriffen auch auf zivile Ziele wie Hotels, Flughäfen und Wohngebäude. Trotz einer seit dem 8. April bestehenden Waffenruhe kommt es weiterhin zu Drohnenangriffen. Die Sicherheitslage wird als „höchst volatil“ beschrieben - eine Einschätzung, die auch internationale Partner teilen.
Feiner Unterschied: Reisewarnung und Reisehinweise
Hier zeigt sich allerdings eine Diskrepanz: Während die Risikobewertung für alle drei Länder eigentlich recht ähnlich ausfällt, unterscheiden sich die formalen Konsequenzen erheblich. Eine Reisewarnung ist rechtlich die schärfste Form der staatlichen Risikokommunikation und kann Reisenden bei Pauschalreisen ein starkes Argument für kostenfreie Stornierungen liefern.
Das „dringende Abraten“ klingt zwar ähnlich bedrohlich, ist aber rechtlich eine Stufe darunter und begründet nicht automatisch ein kostenloses Stornorecht. Für Reisende bedeutet dies: Wer seine Dubai- oder Katar-Buchung stornieren möchte, muss die Kosten selbst tragen, während Kuwait-Reisende bessere Karten haben.
Bewusste Schonung für Drehkreuze in Dubai und Doha?
Was ist der Grund dafür? Dubai (VAE) und Doha (Katar) fungieren als zentrale Drehkreuze für den internationalen Flugverkehr nach Asien und Australien. Eine formale Reisewarnung für diese Destinationen hätte Folgen für die globale Mobilität - nicht nur für Urlauber in die Golfstaaten selbst, sondern auch für Fernreisen mit Umsteigeverbindungen.
Dies wirft die Frage auf, ob bei der Risikobewertung neben sicherheitspolitischen auch praktische Erwägungen eine Rolle spielen. Während Kuwait als einzelnes Zielland vergleichsweise isoliert betrachtet werden kann, hätte eine Reisewarnung für Dubai oder Doha größere Auswirkungen. Im Raum steht auch die Vermutung, dass Vereinigten Arabischen Emirate und Katar aufgrund ihrer weltweiten Bedeutung als „Business Hubs“ womöglich geschont werden.
Aktuelle Reisewarnungen in Nahost
Für folgende Länder im Krisengebiet gilt aktuell eine offizielle deutsche Reisewarnung:
- Iran
- Irak
- Kuwait
- Jemen
- Libanon
- Syrien
- Israel (Teilreisewarnung)
„Nur“ Warnstufe 3 für Dubai
Die Einschätzungen westlicher Außenministerien sind übrigens ähnlich: Während Deutschland für Dubai und Katar „nur“ dringend abrät, haben Großbritannien und die USA ihre ebenfalls „nur“ eine Warnstufe für „nicht-essentielle Reisen“ aktiviert – also Level 3 auf einer vierteiligen Skala. Österreich hat für alle drei Länder die Sicherheitsstufe 3 („Hohes Sicherheitsrisiko“) verhängt, rät aber ebenfalls nur von „nicht unbedingt notwendigen“ Reisen ab.
Die Unterschiede in der Kommunikation bei ähnlichen Risikoeinschätzungen verdeutlichen, dass Reisewarnungen nicht nur reine Sicherheitsbewertungen sind, sondern mitunter auch politische und wirtschaftliche Instrumente. Das Auswärtige Amt lehnt genaue Begründungen auf Anfrage meist ab – so zumindest die Erfahrung unserer Redaktion.
Keine Reisewarnung für Saudi-Arabien
Außerdem tagt das zuständige Gremium nur alle paar Wochen. In überraschenden und dringenden Fällen steht zwar auch das Instrument einer „Eilmeldung“ zur Verfügung, doch wurde davon für Dubai aktuell kein Gebrauch gemacht. Auch für die Wallfahrt nach Mekka mit Anreise über Dubai gab es trotz Risiken keine offizielle Reisewarnung. Mittlerweile ist der Hadsch mit der symbolischen Steinigung des Teufels indes offiziell zu Ende gegangen – mit einer Millionenzahl von Teilnehmern, als ob in der Region gar kein Krieg herrschen würde.
Staatsversagen bei Reisewarnungen?
Für Reisende kann das brenzlig werden, denn speziell Dubai ist wegen guter Beziehungen zu Israel immer wieder stark im Visier des Iran. Beim Kriegsausbruch am 28. Februar strandeten tausende von westlichen Touristen, und CDU-Außenminister Johann Wadephul verwickelte sich in Widersprüche. Später musste sich der Intimfreund von Friedrich Merz dann dafür entschuldigen, dass er bei Caren Miosga im ARD-Talk einiges durcheinander gebracht hatte. Entgegen seinen unwahren Behauptungen hatte das Auswärtige Amt damals nur vor Israel gewarnt – nicht aber vor Dubai. Könnte es nun wieder so ähnlich kommen?
Reisende sollten sich ihrer eigenen Verantwortung jedenfalls bewusst sein und nicht zu sehr auf einen teilweise versagenden Staat setzen. Schwere Luftangriffe auf Flughäfen und Infrastruktur in Dubai wären im Fall einer weiteren Eskalation mit dem Iran jedenfalls alles andere als überraschend.
Grauzone für Reiseversicherungen
Ein praktisches Problem für Reisende: Viele Reiserücktrittsversicherungen gelten nur im Fall einer offiziellen Reisewarnung. Bei einem „dringenden Abraten“ gibt es im Prinzip keine Deckung. Reisen sind dann weiterhin buchbar und müssen auch angetreten werden, wenn man sein Geld nicht verlieren will. Das schafft Unsicherheit für Touristen, die sich fragen müssen, ob sie im Ernstfall ausreichend geschützt sind.
