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Erster Prozess im Missbrauchskomplex

dpa Mönchengladbach. Immer wieder sollen zwei Angeklagte Kinder missbraucht - und sich darüber mit anderen Pädophilen im Internet ausgetauscht haben. Seit Monaten wertet die Polizei riesige Datenmengen eines Ermittlungskomplexes aus.

Im Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach begann vor dem Landgericht Mönchengladbach der landesweit erste Prozess gegen zwei Angeklagte. Foto: Marcel Kusch/dpa

Im Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach begann vor dem Landgericht Mönchengladbach der landesweit erste Prozess gegen zwei Angeklagte. Foto: Marcel Kusch/dpa

Die Details aus der Anklage sind kaum zu ertragen - und geben einen Eindruck vom Leid der Opfer des bundesweiten Missbrauchskomplexes, der im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach seinen Anfang nahm.

Seit Monaten werten Ermittler riesige Datenmengen aus, um weitere Täter und Opfer des unfassbaren Kindesmissbrauchs zu finden. Der landesweit erste Prozess dazu begann am Mittwoch vor dem Landgericht Mönchengladbach. Zwei 39 Jahre alte Männer sind unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 79 Fällen angeklagt.

Zwischen 2015 und November 2019 sollen die beiden Deutschen immer wieder zwei Mädchen vergewaltigt haben - der eine seine Tochter, der andere seine Nichte. Die Männer lernten sich laut Anklage über ein Internet-Forum für Pädophile kennen und sollen sich dann regelmäßig getroffen haben, um die Taten teilweise gemeinsam zu begehen. Der jahrelange Missbrauch habe zum Alltag der zur Tatzeit sechs bis elf Jahre alten Mädchen gehört.

„Die Angeklagten haben ein auf Belohnung und Gewöhnung ausgerichtetes System etabliert“, sagte die Staatsanwältin. Die Kinder hätten regelmäßig Geld und andere Geschenke erhalten, um sie gefügig zu machen. Bei den Taten sei manchmal auch der kleine Bruder eines der Mädchen dabei gewesen. Die aus Krefeld und Viersen stammenden Angeklagten verfolgten die mehr als einstündige Anklageverlesung mit gesenkten Köpfen, einer von ihnen weinte. Ob sie sich im Laufe des Prozesses zu den Vorwürfen äußern wollen, blieb am ersten Verhandlungstag offen.

Die Männer sind auch wegen der Herstellung, Verbreitung und des Besitzes kinderpornografischer Schriften angeklagt. Sie sollen Videos und Fotos von ihren Taten gemacht und - zum Teil mit weiteren Chat-Partnern - ausgetauscht haben. Die Ermittler fanden auf den Handys und Computern der Angeklagten Zehntausende dieser Bilder und Filme. Solche Chats brachten die Polizei letztlich auch auf ihre Spur.

Im vergangenen Oktober hatten Beamte die Wohnung eines 42-Jährigen in Bergisch Gladbach durchsucht. Dort fanden sie riesige Mengen kinderpornografischen Materials, mit dessen Auswertung dutzende Spezialisten der Kölner Polizei bis heute beschäftigt sind. Mit den grässlichen Bildern hatten selbst erfahrene Ermittler zu kämpfen. Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob sagte damals, er sei „fassungslos und bestürzt in Anbetracht der schrecklichen Taten“.

Der 42-Jährige war in zahlreichen Chat-Foren unterwegs, in denen sich Pädophile tummelten - und dabei teilweise auch Hinweise auf ihre Identität hinterließen. Akribisch suchen die Ermittler seitdem mit Hilfe von Spezial-Software nach weiteren Tätern und Opfern.

Allein in Nordrhein-Westfalen ermittelt die Polizei inzwischen gegen mehr als 20 Beschuldigte, neun sitzen in Untersuchungshaft. Zudem wurden bisher fast 40 Verdächtige aus anderen Bundesländern ermittelt, wie aus einem kürzlich vorgelegten Bericht des NRW-Justizministeriums an den Rechtsausschuss des Landtags hervorging. 31 Opfer seien bislang identifiziert. Die Zahlen könnten deutlich größer werden - noch sind längst nicht alle Daten ausgewertet.

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Erstellt:
29. April 2020, 16:20 Uhr

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