Nach Abfindung beim Autobauer
Ex-IT-ler von Mercedes will Feuerwehr und Polizei im Land digitaler machen
Rund ein Jahrzehnt lang war Markus Straub bei Mercedes, dann begann eine Zeit der Unsicherheit für ihn. Nun betreibt er nebenberuflich eine Software für Feuerwehren.
© Rouven Spindler
Markus Straub zeigt seine Software. Seit Anfang des Jahres kommt sie bei seiner Heimatfeuerwehr zum Einsatz.
Von Rouven Spindler
Geht gleich der Alarm los? Dann wäre hier einiges los. „Wir sind im Schnitt nach fünf bis sieben Minuten mit zwei Autos draußen“, sagt Markus Straub, der durch das Haus der Freiwilligen Feuerwehr Walddorfhäslach führt. Doch an diesem Mittag bleibt alles ruhig. Und so hat der frühere Mercedes-IT-ler in aller Ruhe Zeit, „Resqio“ vorzustellen – eine Software, mit der er die Wehren im Land modernisieren will. Hauptberuflich arbeitet er beim Präsidium Technik, Logistik, Service der Polizei Baden-Württemberg mit dem Ziel, diese digitaler aufzustellen.
Bis zum vergangenen Herbst war der Wirtschaftsinformatiker noch beim Stuttgarter Autohersteller mit dem Stern in IT-Themen eingebunden. Straub war an mehreren Projekten beteiligt, darunter eines, das darauf ausgelegt war, konzernweit mehr Transparenz über die Kosten in der IT zu erhalten. Später verließ er Mercedes per Abfindung. Entsprechende Angebote machte der Konzern, der sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befindet, im Rahmen seines Spar- und Effizienzprogramm „Next Level Performance“ allen Mitarbeitern in indirekten Bereichen – also etwa Beschäftigten aus IT und Personalwesen, nicht jenen aus der Produktion.
Per Abfindung verlässt der IT-ler Mercedes-Benz
Straub hatte in dieser Zeit öfter eine Angst wahrgenommen. Als man dann erfahren habe, dass viele den Konzern verlassen würden, sei die Frage aufgekommen, was das konkret bedeute. „Das war eine ganz große Unsicherheit“, blickt Straub zurück, der mit seiner Frau und seiner dreijährigen Tochter in Walddorfhäslach (Kreis Reutlingen) lebt.
In Summe schaut er auf eine spannende und gute Zeit mit tollen Kollegen bei Mercedes zurück. Anstrengend sei sie aber auch gewesen. Klar ist für den IT-Fachmann: Anfangen, bleiben und vom „Daimler“ aus in Rente gehen – „das ist heute nicht mehr so“, sagt er. Zu sehr wandle sich die Branche.
Ein Mix aus Gründen – die Krise in der Autoindustrie, die schlechte Gesamtwirtschaftslage, der gewisse Arbeitsdruck bei Mercedes und seine Tochter, für die er mehr Zeit haben möchte – hat bei ihm letztlich zur Entscheidung geführt, den Konzern zu verlassen. Und somit den Campus in Stuttgart-Vaihingen, an dem das Team, in dem er tätig war, eng mit IT-Chefin Katrin Lehmann zusammenarbeitet.
Schon ein wenig früher entstanden die ersten Schritte rund um „Resqio“. Mehr als 45 Hauptmodule, mehr als 510 intelligente Funktionen – so bewirbt Straub heute das System des siebenköpfigen Teams um ihn, das bislang bei seiner Heimatfeuerwehr im Einsatz ist.
Ex-Mitarbeiter von Mercedes will Feuerwehr effizienter machen
Helfen soll das System vor allem dem Kommandanten, aber auch allen anderen Kameraden. „Wir wollen, dass Feuerwehren effizienter werden und dieser Verwaltungsapparat nicht mehr so groß ist“, sagt Straub. Sein Kommandant spreche von einer Zeitersparnis von rund zwei Dritteln dank des Systems. In „Resqio“ lassen sich unter anderem Wartungen von Leitern und Co. eintragen, aber etwa auch Qualifikationen der Feuerwehrleute – heißt: Wer ist ein Atemschützer? Wer hat welchen Lehrgang gemacht?
Praxisnäher wird es rund um den Einsatz. Ein Lagemonitor bietet einen Überblick über relevante Daten. Karten zeigen etwa, wo sich Stromversorger, Hydranten oder Gefahrenstoffe befinden – Informationen über Infrastruktur also, die besser in der Anwendung als öffentlich einsehbar zu finden sind, meint Straub. Und die nicht mehr aus dem Aktenschrank herausgesucht werden müssen. In „Resqio“ können zudem Bilder von der Vor-Ort-Lage geteilt sowie Einsatzleiter, Funkkanäle und Details zu Gebäuden eingetragen werden. Auch Künstliche Intelligenz, die etwa Berichte schreiben kann, kommt zum Tragen – jedenfalls dort, „wo es Sinn macht“, erklärt der Entwickler.
„Jede Software, die ich angeschaut habe, war entweder schwierig zu bedienen oder hat keinen Mehrwert geboten“, begründet Straub, warum er selbst aktiv wurde. „Resqio“ bündle die relevanten Bereiche in einer Anwendung. Sie vereine alles rund um Personal, Einsatz sowie Ausrüstung und sei am Rechner, Laptop und Smartphone nutzbar. Anbieten will er die Lösung zu einem fairen Preis, konkreter wird er bislang nicht.
Feuerwehr in Stuttgart hat teils andere Einsätze als eine auf dem Land
Und was konkret nutzt man aus dem großen Strauß an Features? „Nicht alles, nie“, weiß der 39-Jährige. Schließlich hätte etwa die Feuerwehr Stuttgart durch Gebäude mit mehreren Stockwerken mit ganz anderen Gegebenheiten zu tun als Einsatzkräfte auf dem Land. Die müssen vielleicht eher mal zu einem Aussiedlerhof und prüfen, wie sie an einem etwas abgelegenen Ort eine Wasserleitung sicherstellen.
Und wer nutzt es? Fünf bis zehn Wehren am Jahresende, das ist Straubs Ziel für 2026. Derzeit verwenden einige eine Testversion seiner Software, mit der er auch an einer Ausschreibung teilnimmt.
Markus Straub will auch die Polizei digitaler machen
Seine Heimatfeuerwehr nutzt das System seit Januar. „Wir haben bestimmt noch einmal den doppelten Funktionsumfang“, vergleicht er die damalige mit der jetzigen Version. Das System passt das „Resqio“-Team regelmäßig an. In Walddorfhäslach wird das System laut Straub, der dort seit acht Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, von allen sehr gerne angenommen – somit auch von älteren Kameraden.
Von Kameraden spricht er übrigens auch bei seinem neuen, zufriedenstellenden Job bei der Polizei, den er im April nach einer kurzen Phase bei Heidelberger Druckmaschinen angetreten hat. „Dass Polizisten füreinander da sind, merkt man ganz bewusst auch bei der täglichen Arbeit“, erklärt der 39-Jährige, der bei der Polizei dafür sorgt, dass all ihre landesweiten Ziele strategisch zusammenpassen. Als Technischer Rat möchte er das umsetzen, was er auch nebenberuflich anpeilt: eine modernere Zukunft.
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Der Mercedes-Stern begegnet Markus Straub auch nach seinem Abschied bei dem Stuttgarter Konzern – etwa in der Feuerwache.
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Bei der Freiwilligen Feuerwehr Walddorfhäslach kommt seine Software bereits seit Januar zum Einsatz.
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Resqio soll die Wehren im Land digitaler aufstellen und Verwaltungsarbeit erleichtern.
