Fragwürdige Strategie

Die reduzierten Öffnungszeiten zeigen, wie schwer sich die Staatsgalerie Stuttgart tut.

Spricht man mit Museumsmachern, treibt sie vor allem eine Sorge um: Wie lockt man Besucher ins Haus, die bisher nichts mit Kunst am Hut hatten? Die Antwort ist simpel: Man muss sich öffnen – in jeder Beziehung. Die Staatsgalerie Stuttgart schlägt nun die Gegenrichtung ein. Seit Jahresbeginn schließt sie nicht mehr um 18 Uhr, sondern bereits um 17 Uhr. Der frühe Abend ist fortan Gruppen und Firmen vorbehalten, die das Museum exklusiv und auf Vorbestellung buchen können. Damit will man neue Besuchergruppen gewinnen – und spart ganz nebenbei Personal und Kosten.

Der Anlass für diese Änderung sagt einiges aus über den Zustand der Staatsgalerie. Sie war in den vergangenen Jahren am späten Nachmittag wie leer gefegt – und ist damit offensichtlich unattraktiver als vergleichbare Museen. Die meisten großen Kunstmuseen halten die späten Stunden für wichtig, um Berufstätige zu erreichen. Deshalb ist 18 Uhr bundesweit Standard.

Dass die Staatsgalerie reagiert auf die schlecht besuchte Zeitzone, ist richtig. Dass die neue Sonderöffnung aber auf Kosten der Öffnung für alle geht, ist ein heikles Signal. Denn damit untermauert man, was viele denken: dass das Museum eine exklusive und elitäre Einrichtung ist, die sich nicht um die breite Öffentlichkeit schert. Genau dieses Bild, das die Museen selbst jahrzehntelang kultiviert haben, macht ihnen das Leben schwer.

Es ist aber auch durchaus riskant, Angebote aus freien Stücken einzuschränken und Türen zu schließen – statt für mehr Präsenz zu kämpfen. Am Ende könnte es so kommen wie mit den Bussen auf dem Land. Wenn die Fahrgastzahlen sinken, bietet man weniger Fahrten an, wodurch wiederum weniger mitfahren – bis es am Ende überhaupt keinen Bus mehr gibt.

adrienne.braun@stzn.de

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Erstellt:
30. Januar 2019, 03:14 Uhr

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