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Frauen streiken in der Schweiz für mehr Gleichberechtigung

dpa Bern. Frauen verdienen meist weniger, sind schlechter abgesichert und sind stärker als Männer unbezahlt in Fürsorge und Pflege von Angehörigen eingespannt. Mit einem Frauenstreik machen Tausende Schweizerinnen jetzt Druck - und färben die Straßen violett.

SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen (r.) nimmt mit Boxhandschuhen an dem Streik teil. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen (r.) nimmt mit Boxhandschuhen an dem Streik teil. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

Mit einem Frauenstreik im ganzen Land haben nach Schätzung der Organisatorinnen mehrere Hunderttausend Schweizerinnen am Freitag für mehr Gleichberechtigung demonstriert. Sie forderten vor allem gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit.

In praktisch allen Städten sowie vielen größeren Gemeinden fanden Aktionen und Kundgebungen mit einigen Hundert bis mehreren Tausend Teilnehmerinnen statt. In Basel brach der Verkehr in den Innenstadt nach Angaben der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am späten Nachmittag wegen der Straßenproteste zusammen. Auch in Bern beteiligten sich schon bis zum Mittag rund 10.000 Menschen an den Protesten.

Auf dem Berner Bundesplatz verschafften sich die Frauen mit Pfannendeckeln, Hörnern, Trillerpfeifen und Rasseln Gehör. Gegen Mittag legten die Demonstranten den Verkehr rund um den Züricher Hauptbahnhof zwischenzeitlich lahm. In Luzern kam es zu einem Sitzstreik.

Wie das Schweizer Fernsehen berichtete, hatten bereits in der Nacht Frauen mit Pfannenkonzerten und Autocorsos den Streiktag eingeläutet. Am Morgen wurde dem Parlament eine Petition mit 11 000 Unterschriften für eine geringere Besteuerung von Tampons überreicht. Um 11.00 Uhr legten dann viele Frauen kurzzeitig die Arbeit nieder, auch die Sitzung des Nationalrats wurde unterbrochen.

Die Gewerkschaft hatte zudem dazu aufgerufen, um 15.24 Uhr in den Feierabend zu gehen - nach ihrer Rechnung arbeiten die Frauen ab dann, ohne dafür bezahlt zu werden. Frauen verdienen in der Schweiz im Durchschnitt 6491 Franken (5770 Euro) brutto im Monat - das sind 18,3 Prozent weniger als Männer, wie das Bundesamt für Statistik 2016 errechnet hat.

Die Gewerkschaften forderten in einem Manifest neben Lohngleichheit eine Anerkennung und gerechte Verteilung von Haus- und Pflegearbeit. Eine weitere Forderung war eine generelle Verringerung der Arbeitszeit, damit bezahlte und unbezahlte Arbeit besser verteilt werden kann. Abtreibungen und Empfängnisverhütung sollte es nach Ansicht der Gewerkschaften zum Nulltarif geben.

Die Gleichberechtigung steht seit dem 14. Juni 1981 in der Schweizer Verfassung. Da es bei der Umsetzung haperte, wurde 1991 ein erster Frauenstreik organisiert. Damals gingen nach Angaben des Sozialarchivs hunderttausende Frauen auf die Straßen.

Vor dem Aktionstag gab es in der Schweiz wochenlange Diskussionen über die Situation der Frau. Unternehmerinnen hatten sich beschwert, dass die Gewerkschaften den Tag für sich in Anspruch nehmen wollten. Die konservative Wochenzeitung „Weltwoche“ argumentierte, Frauen gehe es bestens, schließlich brauchten sie nicht zum Militär. Eine Journalistin schrieb dort: „Statt frei will man heute Opfer sein“. Die Verbraucherzeitschrift „Beobachter“ kam demonstrativ einmal als „Beobachterin“ heraus.

Eine Frau zeigt ihren Bauch mit der Aufschrift „I gave life“ („Ich habe Leben gegeben“). Foto: Alexandra Wey/Keystone

Eine Frau zeigt ihren Bauch mit der Aufschrift „I gave life“ („Ich habe Leben gegeben“). Foto: Alexandra Wey/Keystone

Mitarbeiterinnen einer Kita haben ihre Arbeit niedergelegt und nehmen am Streik für mehr Gleichberechtigung tei. Foto: Melanie Duchene/Keystone

Mitarbeiterinnen einer Kita haben ihre Arbeit niedergelegt und nehmen am Streik für mehr Gleichberechtigung tei. Foto: Melanie Duchene/Keystone

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Erstellt:
14. Juni 2019, 20:15 Uhr

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