Gewinne aus Bitcoin besteuern

Kryptowährungen haben erhebliche Schattenseiten – ihre Gewinne sollten nicht steuerfrei bleiben.

Von Eidos Import

Wer in Deutschland mit Aktien oder Wertpapieren Gewinne erzielt, muss Steuern darauf bezahlen – zumindest, wenn er über den jährlichen Freibetrag von 1000 Euro kommt. 25 Prozent Abgeltungssteuer, dazu Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer: Ein knappes Drittel des Spekulationsgewinns landet da schnell beim Fiskus. Wer allerdings mit Kryptowährungen wie Bitcoin handelt und sie länger als ein Jahr lang hält, darf den kompletten Gewinn behalten. Stellt sich die Frage: warum?

Kritiker haben gute Argumente, wenn sie die digitalen Währungen als Schneeballsystem bezeichnen, das nur funktioniert, solange genügend Menschen daran glauben. Es gibt keine Regulierung, keinen realen Gegenwert oder eine Form von Wohlstandsgewinn für die Volkswirtschaft, den Unternehmen durch Investitionen, Steuern und die Schaffung von Arbeitsplätzen erzeugen.

Krypto sei gut für zwei Dinge, sagt der US-Schauspieler und Aktivist Ben McKenzie: für Glücksspiel und für Verbrechen. Da sich die Zahlungen nicht rückverfolgen lassen, werden Lösegeldforderungen heutzutage standardmäßig in Kryptowährungen gestellt. Der Mechanismus öffnet Korruption Tür und Tor. Das ist nicht nur graue Theorie. Wer eine eigene Währung auf den Markt bringt, kontrolliert auch den Geldfluss – und eigene „Coins“ haben nicht nur zahlreiche Unternehmen, sondern etwa auch der US-Präsident.

Schätzungen aus der Branche gehen von einer Schadenssumme von mindestens 154 Milliarden Dollar aus, die durch Krypto-Verbrechen verursacht wurden – alleine im vergangenen Jahr und nur in den USA! Da viele Erpressungen nicht angezeigt werden, dürfte die wahre Summe noch deutlich höher liegen.

Dazu kommt die katastrophale Ökobilanz. Kryptowährungen schaden dem Klima durch extremen Stromverbrauch. Das „Schürfen“ (Mining) erfordert riesige Rechennetzwerke, die oft mit fossiler Energie laufen. Dies verursacht Millionen Tonnen CO2 und erzeugt zudem Unmengen an Elektroschrott.

Trotz all der skizzierten negativen Aspekte gehören Kryptowährungen bei vielen jüngeren Menschen, die schon mit ihnen aufgewachsen sind, mittlerweile zu einem gut ausbalancierten Portfolio. Sie lockt die Wertsteigerung: Aus 1000 Euro, die vor zehn Jahren in Bitcoin investiert wurden, wären heute umgerechnet über 66 000 Euro geworden. Da kann man Bedenken schon einmal über Bord werfen: Aus dem Spielgeld kann reales Vermögen entstehen.

Erst am Wochenende hat sich im DFB-Pokalfinale eine Kryptobörse als ein Hauptsponsor im Berliner Olympiastadion präsentiert. Das Phänomen ist in der Masse angekommen. Dagegen wäre zunächst einmal nichts zu sagen. Wer Anlageoptionen durch die strenge moralische Brille bewertet, hat schnell nur noch wenige Optionen. Selbst wenn es den politischen Willen gäbe, ließen sich Bitcoin und Co. nicht mehr verbieten. Nicht einmal der als Anti-Krypto-Aktivist bekannte US-Schauspieler Ben McKenzie spricht sich für ein Verbot aus.

Eine deutlich strengere Regulierung ist aber allemal nötig. Außerdem gibt es wirklich überhaupt keinen Grund, die Digitalwährungen gegenüber der Anlagekonkurrenz auf dem Aktienmarkt zu bevorzugen.

Immerhin, derzeit ist politisch viel in Bewegung. Sowohl in Brüssel als auch in Berlin ist die Haushaltslage äußerst angespannt, und es werden möglichst hohe Einnahmen, die weder Investitionen in die reale Wirtschaft noch den Konsum abwürgen, händeringend gesucht. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant offenbar schon mit entsprechenden Einnahmen. Einen Beschluss, wie so eine Abgabe ausgestaltet werden soll, gibt es aber bisher nicht. Es wird höchste Zeit.

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Erstellt:
26. Mai 2026, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
26. Mai 2026, 23:58 Uhr

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