Verkaufsverbot in China
Infineon verliert Patentstreit um GaN-Chips
Infineon darf bestimmte GaN-Chips in China vorerst nicht mehr verkaufen. Ein Urteil mit möglichen Folgen für einen der wichtigsten Wachstumsmärkte der Halbleiterbranche.
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Infineon verliert in China einen Patentstreit um GaN-Chips. Das Verkaufsverbot könnte Folgen für den Halbleitermarkt und den Wettbewerb mit Innoscience haben.
Von Matthias Kemter
Infineon hat in China einen wichtigen Patentstreit um Galliumnitrid-Chips verloren. Das Oberste Volksgericht Chinas bestätigte nach Angaben des chinesischen Konkurrenten Innoscience eine einstweilige Verfügung gegen den deutschen Halbleiterhersteller. Infineon darf demnach bestimmte GaN-Produkte auf dem chinesischen Festland nicht mehr verkaufen oder importieren.
Der Fall gilt als bedeutender Rückschlag für Infineon in einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der Chipbranche. Bereits im Mai hatte ein untergeordnetes Gericht festgestellt, dass Infineon zwei zentrale GaN-Patente von Innoscience verletzt habe. Neben dem Verkaufs- und Importverbot soll Infineon laut Innoscience auch Schadenersatz in Höhe von 10 Millionen Yuan zahlen, umgerechnet rund 1,47 Millionen US-Dollar. Infineon äußerte sich zunächst nicht zu dem Urteil. Offen ist damit auch, ob der Konzern weitere rechtliche Schritte prüft oder sein GaN-Geschäft in China neu aufstellen muss.
Warum GaN-Chips so wichtig sind
Galliumnitrid, kurz GaN, zählt zusammen mit Siliziumkarbid zu den sogenannten Halbleitermaterialien der dritten Generation. Diese Materialien können hohe Spannungen und Temperaturen effizienter verarbeiten als klassische Siliziumchips. GaN-Bauteile kommen unter anderem in Schnellladegeräten, Elektrofahrzeugen, industriellen Hochleistungsanwendungen und zunehmend auch in Rechenzentren zum Einsatz.
Gerade durch den Ausbau von KI-Infrastruktur wächst die Bedeutung solcher Leistungshalbleiter. Datenzentren benötigen effizientere Stromversorgungslösungen, um die steigenden Anforderungen durch KI-Anwendungen zu bewältigen. Auch erneuerbare Energien und Elektromobilität treiben die Nachfrage.
Laut Kritikern steht hinter dem Streit auch mehr als ein einzelner Patentkonflikt, sondern eine grundsätzliche Auseinandersetzung um die Vorherrschaft bei Halbleitern der dritten Generation. Mit der wachsenden Nachfrage aus KI-Rechenzentren, Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energien werde sich der Wettbewerb im GaN-Markt weiter verschärfen.
Chinesische Chip-Aktien legen deutlich zu
Die Entscheidung des Gerichts sorgte am Montag für deutliche Kursgewinne bei chinesischen Halbleiterwerten. Die in Hongkong gelistete Aktie von Innoscience stieg um 16,6 Prozent. Auch andere chinesische Hersteller von Verbindungshalbleitern profitierten: Silan Microelectronics und Sanan Optoelectronics legten in Shanghai jeweils um das tägliche Kurslimit von 10 Prozent zu. China Resources Microelectronics gewann mehr als 13 Prozent.
Marktbeobachter erwarten, dass Innoscience und andere chinesische GaN-Anbieter Marktanteile übernehmen könnten, die Infineon durch das Verkaufsverbot verliert. Besonders betroffen sein dürften Infineons Hochvolt-Produkte für Industrie- und Serveranwendungen sowie Automotive-Module. Für Infineon ist China ein zentraler Markt. Festlandchina und Hongkong standen im Geschäftsjahr 2025 laut Geschäftsbericht für 38 Prozent des weltweiten Umsatzes. Wie stark sich das Verkaufsverbot konkret auf Umsatz und Ergebnis auswirkt, ist bislang unklar. Klar ist aber: Der Verlust des Patentstreits trifft Infineon in einem strategisch wichtigen Segment.
Innoscience profitiert vom KI-Boom
Innoscience zählt wie Infineon zu den weltweit führenden Herstellern von GaN-Bauelementen. Beide Unternehmen gehörten in den Jahren 2023 und 2024 zu den fünf größten GaN-Produzenten weltweit. Der chinesische Hersteller wächst vor allem durch die Nachfrage aus dem KI- und Rechenzentrumsbereich. Der Umsatz mit GaN-Chips für KI und Datenzentren erreichte 2025 laut den vorliegenden Angaben 63,2 Millionen Yuan. Das entsprach einem Plus von 50,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem arbeitet Innoscience mit Nvidia zusammen, um GaN-Stromversorgungslösungen für dessen 800-Volt-Gleichstrom-Infrastruktur in Datenzentren bereitzustellen.
Der Rechtsstreit zwischen Infineon und Innoscience läuft allerdings nicht nur in China. Infineon hatte 2024 eine internationale Patentoffensive gegen Innoscience gestartet und in den USA sowie in Deutschland bereits günstige Entscheidungen gegen den chinesischen Wettbewerber erwirkt. Die Entscheidung in China zeigt nun, dass der Konflikt je nach Rechtsraum unterschiedlich ausgehen kann.
Infineon setzt gleichzeitig auf Ausbau in Dresden
Der Rückschlag in China trifft Infineon in einer Phase, in der der Konzern seine Leistungshalbleiter-Produktion in Europa ausbaut. Am 2. Juli 2026 soll in Dresden die neue „Smart Power Fab“ eröffnet werden, drei Monate früher als geplant. Das Werk kostet rund 5 Milliarden Euro. Etwa 1 Milliarde Euro stammt aus dem European Chips Act. In Dresden will Infineon Leistungshalbleiter für KI-Rechenzentren, Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energien produzieren. Damit setzt der Konzern auf dieselben strukturellen Wachstumstrends, die auch den GaN-Markt antreiben.
Trotz des Rückschlags in China zeigte sich die Infineon-Aktie zuletzt stark. Sie schloss am Freitag bei 79,66 Euro, ein Plus von 0,39 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs nach den vorliegenden Angaben mehr als verdoppelt. Gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 89,67 Euro Anfang Juni lag die Aktie zuletzt rund elf Prozent niedriger. Für Infineon bleibt das Urteil dennoch ein empfindlicher Einschnitt. Der Konzern verliert in China vorerst den Zugang zu einem wichtigen Teil seines GaN-Geschäfts. Gleichzeitig dürfte der Fall den Wettbewerb zwischen europäischen und chinesischen Halbleiterherstellern weiter verschärfen.
