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Ingenieure: Staubsaugerbeutel am besten für Eigenbau-Maske

dpa Neubiberg. Wegen des Engpasses an Mundschutzmasken greifen viele Menschen in Deutschland zur Marke Eigenbau. Ingenieure behaupten, dass Staubsaugerbeutel dafür sehr gute Filtereigenschaften mitbringen. Am Menschen geprüft wurden solche Masken allerdings nicht.

Eine selbstgebastelte Mundschutzmaske über der Kästner-Bronzeplastik in Dresden. Ingenieuren zufolge haben Staubsaugerbeutel für eine Maske der Marke Eigenbau hervorragende Filtereigenschaften. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Eine selbstgebastelte Mundschutzmaske über der Kästner-Bronzeplastik in Dresden. Ingenieuren zufolge haben Staubsaugerbeutel für eine Maske der Marke Eigenbau hervorragende Filtereigenschaften. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Für eine Maske der Marke Eigenbau plündert man am besten das Putzarsenal. Zu dem Schluss kommen Ingenieure der Luft- und Raumfahrttechnik der Bundeswehruniversität München, nachdem sie die Wirksamkeit von Behelfsmasken und diversen Materialien untersucht haben.

„Die experimentellen Ergebnisse zeigen, dass Staubsaugerbeutel mit Feinstaubfilter sehr gute Filtereigenschaften haben“, teilte die Universität in Neubiberg bei München mit. Masken könnten daraus leicht selbst hergestellt werden, die Fertigung dauere mit etwas Übung fünf Minuten. Materialkosten pro Maske: rund 50 Cent.

Für ihr Experiment in einem Strömungskanal nutzten die Experten unter anderem „hochwertige“ Staubsaugerbeutel, die laut Hersteller 99,9 Prozent des Feinstaubs bis 0,3 Mikrometer herausfiltern, wie sie schreiben. Allerdings haben sie keine Versuche am Menschen gemacht und auch nicht geprüft, ob man möglicherweise gesundheitsschädliche Stoffe aus der Maske selbst einatmet. „Die Masken wurden von keiner staatlichen Behörde geprüft und daher ist sie natürlich auch nicht zertifiziert“, betonen sie.

Mehrlagige Stoffe, dicker Vlies, Kaffeefilter, Toilettenpapier mit mehreren Lagen, Papiertaschentücher und Mikrofasertücher schützten unter normähnlichen Prüfbedingungen nicht vor einer Eigeninfektion. Auch der Mund-Nasen-Schutz, der etwa in Arztpraxen oder Kliniken verwendet werde, biete keinen wirksamen Schutz vor den typischen Tröpfchengrößen, wie sie beim Atmen, Sprechen und Husten entstehen. „Es wird daher dringend davon abgeraten, auf den Schutz dieser Masken zu vertrauen, wenn man nicht infiziert ist.“ Vor einer Infektion schütze vor allem ein ausreichend großer Abstand oder eine partikelfiltrierende Schutzmaske.

Die Forscher hatten anhand von Strömungsexperimenten auch untersucht, ob die von Fachleuten genannten Sicherheitsabstände zwischen Personen aus strömungsmechanischer Sicht sinnvoll sind - was sich im Wesentlichen bestätigte: Ein Sicherheitsabstand von 1,5 Meter reiche in der Regel aus, um sich vor einer Tropfeninfektion durch Atmen, Sprechen und einmaligen Stoßhusten zu schützen. Bei langanhaltendem Reizhusten solle der Sicherheitsabstand wenigstens 3 Meter betragen. Wer nicht sicher sei, ob er sich infiziert habe, solle in der Öffentlichkeit Mundschutz tragen.

Der Hersteller von Staubsaugerbeuteln der Marke Swirl, die Melitta Group, hatte sich schon zuvor gegen eine Nutzung des Materials für Masken gewandt. Die Passform von selbstgebastelten Schutzmasken sei nicht zwangsläufig ideal und der optimale Schutz daher nicht gewährleistet.

„Die schlechtere Passform könne zusätzlich durch die in der Regel weniger elastischen Staubsaugerbeutel begünstigt werden“, schreibt der Hersteller. Zudem fühle man sich mit diesen Masken möglicherweise sicherer und gehe leichtfertiger mit den weiteren Empfehlungen wie Abstandhalten und Händewaschen um. Beutel der MicroPor-PLUS-Qualität könnten zwar Feinstaub der Größe bis zu 0,3 Mikrometer filtern. Coronaviren seien jedoch kleiner. Unklar blieb, ob es genügt, die Tröpfchen, in denen sich die Viren befinden, herauszufiltern.

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Erstellt:
9. April 2020, 19:05 Uhr

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