Karl reist ab – Ouedraogo rückt nach

Nach dem Ausfall des Bayern-Youngsters nominiert Julian Nagelsmann den Leipziger Offensivspieler für die WM – und begründet seine Wahl.

Von David Scheu

Stuttgart/Chicago - Die Entscheidung sorgte für einigen Gesprächsstoff. Nach der verletzungsbedingten Abreise von Lennart Karl (Muskelbündelriss) nominierte der deutsche Bundestrainer Julian Nagelsmann für die anstehende Fußball-WM Assan Ouedraogo (20) von RB Leipzig nach, der an diesem Montag zur Mannschaft stoßen wird. „Da hätte es ganz sicher andere Spieler gegeben“, sagte etwa Rekordnationalspieler Lothar Matthäus und brachte Chris Führich (28) vom VfB Stuttgart und Shootingstar Said El Mala (19) vom 1. FC Köln ins Spiel.

Die Daten der vergangenen Monate liefern Argumente für diese Sichtweise. Während Ouedraogo bis März mehrere Monate wegen einer Knieverletzung ausgefallen war und danach in sieben Pflichtspielen auf ein Tor kam, hatten Führich (sechs Tore und sechs Vorlagen) und El Mala (sieben Tore, zwei Vorlagen) im Kalenderjahr 2026 weitaus mehr direkten Einfluss auf das Spielgeschehen.

Warum die Wahl dennoch auf den Leipziger fiel, begründete Nagelsmann im Vorfeld des Testspiels gegen die USA (2:1). Man habe nach Karls Ausfall unbedingt wieder einen jungen Spieler nachnominieren wollen, so der Bundestrainer bei RTL: „Und dann haben wir uns für den entscheiden, der bei uns mit Lenny zusammen den besten Eindruck hinterlassen hat.“

Ohnehin sei für eine Nominierung nicht nur die Leistung im Club ausschlaggebend: „Wir müssen natürlich immer bewerten, was im Verein passiert“, so Nagelsmann. „Wir müssen aber auch bewerten, was hier bei uns passiert – und dann auch schauen, welche Anerkennung hat der Spieler vielleicht schon bei uns in der Mannschaft.“ Hier habe Ouedraogo nach dem Lehrgang im vergangenen November viel positives Feedback von allen Spielern bekommen. Mit Blick auf Führich hatte Nagelsmann dagegen zuletzt betont, dass er beim Nationalteam im März nicht sein gewohntes VfB-Gesicht habe zeigen können.

Was schließlich Ouedraogo noch zugute kam: Er war noch nicht im Urlaubsmodus und hatte Ende Mai ein Testspiel mit RB Leipzig in Südafrika absolviert. „Er ist total im Saft und im Rhythmus. Uns bringt jetzt kein Spieler etwas, den wir nochmal eine Woche ranführen müssen. Er muss sofort fit sein“, so Nagelsmann, der durch die bevorzugte Position des Nachnominierten im Zentrum keinen Mangel an Flügelspielern sieht. Auf links sind Florian Wirtz und Maximilian Beier eingeplant, auf rechts Leroy Sané und Jamie Leweling. Zudem sieht der Bundestrainer mehrere Kandidaten im Kader, die bei Bedarf aus dem Zentrum nach außen rücken können: neben Ouedraogo auch Jamal Musiala und Kai Havertz.

Für Lennart Karl gilt das fürs Erste nicht mehr, der 18-Jährige trat am Wochenende mit emotionalen Worten im Gepäck die Heimreise an. „Es tut einfach unbeschreiblich weh, das größte Turnier verpassen zu müssen. Leider kommen Verletzungen oft zum unglücklichsten Zeitpunkt“, hatte der Bayern-Profi im sozialen Netzwerk Instagram geschrieben, während Nagelsmann betonte: „Wir werden auch für ihn spielen und er wird uns die Daumen drücken. Für ihn tut es mir extrem leid. Aber er wird, wenn alles normal läuft, noch ein paar Turniere spielen können.“ Die WM 2026 gehört nun aber nach dem Verletzungspech nicht dazu.

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Erstellt:
7. Juni 2026, 22:08 Uhr
Aktualisiert:
8. Juni 2026, 21:59 Uhr

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