Neue Planetenart entdeckt
Brodelnde Super-Erde mit Ozean aus flüssigem Magma
1,63-mal so groß wie die Erde, 1900 Grad heiß und ein Ozean aus Magma, der mehrere tausend Meter tief ist: Das ist der Exoplanet L 98-59 d, der 35 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Ein absolut lebensfeindliche Welt, die es nach bisherigen Planeten-Kategorien gar nicht geben dürfte.
© Imago/Zoonar
Der Exoplanet L 98-59 d (Symbolfoto eines Exoplaneten) besitzt unter seiner Kruste einen globalen Magma-Ozean, der sich Tausende Kilometer in die Tiefe erstreckt.Illustr.:
Von Markus Brauer
Das Universum ist nach menschlichen Vorstellungen nicht nur unendlich groß, sondern auch unendlich vielfältig. Ständig dringt der menschliche Geist in immer tiefere Regionen des Weltalls vor, in denen sich immer größere Rätsel auftürmen.
Neue Kategorie von Exoplaneten
So haben Forscher der britischen Universität Oxford jetzt mit dem Weltraumteleskop James Webb eine neue Kategorie von Exoplaneten klassifiziert, die einen tausende Kilometer tiefen Magma-Ozean besitzen. Umgeben ist dieser Exoplanet L 98-59 d mit einer dichten, wasserstoffreichen und schwefelhaltigen Atmosphäre.
Der Himmelskörper könnte, so die Vermutung der Astrophysiker, der erste einer größeren Population aus gasreichen und schwefelhaltigen Exoplaneten sein, die gewaltige extrem heiße Ozeane aus flüssigen Gestein bergen. „In dem Fall könnte die Vielfalt der Welten in unserer Galaxie noch größer sein, als bislang angenommen“, schreiben sie.
Neue Klasse von Exoplaneten
Die Entdeckung offeriere, dass die bislang bekannten Kategorien für die Klassifizierung von kleinen Exoplaneten zu simpel seien, konstatiert Studienleiter Harrison Nicholls im Fachjournal „Nature Astronomy“.
The world known as 'L 98-59 d' appears to differ sharply from the rocky and watery realms found on other so-called exoplanets that orbit stars beyond the solar system, researchers said. https://t.co/XjXURacbz9pic.twitter.com/Qrpr0vk0hQ — Financial Times (@FT) March 16, 2026
1,6 Mal so groß wie die Erde
Der 35 Lichtjahre von der Erde entfernte Exoplanet L 98-59 d hat der Studie zufolge eine ungewöhnlich geringe Dichte, seine Oberfläche könnte seit fast 5 Milliarden Jahren geschmolzen sein. Er umkreist einen schwachen roten Zwergstern.
Der Magma-Ozean könne gewaltige Mengen an Schwefel aufnehmen und über sehr lange Zeiträume speichern, vermuten die Forscher. Dies legt nahe, dass der Planet einst sehr viel größer war und durch eine langsame Abkühlung auf seine aktuelle Größe schrumpfte. Auch andere Gesteinsplaneten wie der Mars und die Erde waren in ihrer Frühzeit von Magma-Ozeanen bedeckt.
Bereit 2019 entdeckt
Der Planet war bereits im Jahr 2019 entdeckt worden. Doch erst mithilfe von leistungsstarken Teleskopen konnten die Sternenforscher seine Charakteristika näher identifizieren. Demnach handelt es sich bei L 98-59 d um einen Gesteinsplaneten, der 1,63-mal so groß wie die Erde ist und rund 1,64-mal so viel Masse besitzt, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilt.
Bislang wurden solche Exoplaneten als sogenannte Gaszwerge definiert – also mit einem Gesteinskern und einer dünnen Hülle aus Wasserstoff und Helium – oder als Wasserwelten, die große Mengen flüssigen oder gefrorenen Wassers enthalten.
L 98-59 d passt jedoch in keine der bekannten Kategorien. Stattdessen vermuten die Wissenschaftler, dass sein Kern aus geschmolzenem Silikatgestein besteht und seine Atmosphäre reich an flüchtigen Stoffen ist.
Brodelnde Supererde mit Ozean aus Magma
Die Forscher beschreiben L 98-59 d als eine Art brodelnde Supererde mit einem Ozean aus Magma, der mehrere tausend Kilometern tief ist. „Das Ganze befindet sich tatsächlich in einem breiigen, geschmolzenen Zustand. Es ist wie Melasse“, erläutert der Astrophysiker Harrison Nicholls im Gespräch mit der britischen Tageszeitung „Guardian“.
: Astronomers discovered a "new type of liquid planet" 35 light-years from Earth, unlike any known type. The team describes it as being "in a gooey state like molasses." pic.twitter.com/noDq1D6gne — All day Astronomy (@forallcurious) March 17, 2026
Die Oberflächentemperaturen schätzen die Forscher auf 1900 Grad Celsius. Ein absolut lebensfeindlicher Ort aus Feuer, Schwefel und ständig brodelnder Lava. Nicholls vermutet, dass Planeten, die in der habitablen Zone erdähnliches Sternenlicht empfangen und als Exoplaneten gelten, „möglicherweise gar nicht sehr bewohnbar sind, sondern vielmehr geschmolzene Planeten darstellen könnten“.
