Männer halten sichöfter für krank

Die Zufriedenheit mit der Gesundheit ist deutlich gesunken

Rostock /EPD - Trend umgekehrt: Männer halten sich inzwischen für kränker als Frauen, vor allem in Ostdeutschland. Hingegen fühlten sich Männer in Ost und West direkt nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 noch gesünder als Frauen. Das ergab eine Studie, die von der Sozialwissenschaftlerin Mine Kühn vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung im Fachjournal „Social Science and Medicine – Population Health“ veröffentlicht wurde, wie das Max-Planck-Institut in Rostock mitteilte.

Für ihre Studie nutzte die Forscherin Daten der repräsentativen Befragung Sozio-oekonomisches Panel, für die etwa 20 000 Menschen in Deutschland regelmäßig beantworten, wie zufrieden sie mit ihrem Gesundheitszustand auf einer Skala von null (sehr unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) sind. Kühn analysierte Daten für Menschen im Alter von 20 bis 59, die während der gesamten Untersuchungszeit von 1990 bis 2013 in ihrem jeweiligen Landesteil (Ost beziehungsweise West) wohnten. Dabei unterschied sie nach dem Landesteil und dem Geschlecht. Einflüsse wie Einkommen und Bildung wurden herausgerechnet.

Die Zufriedenheit mit der Gesundheit sei nicht nur ein gutes Maß für die tatsächliche Gesundheit, sagte Mine Kühn: „Das selbst wahrgenommene Befinden der Menschen sagt gleichzeitig viel über ihr Lebensgefühl aus.“ Der Trend zeige, dass insbesondere Männer aus Ostdeutschland angaben, sich gesundheitlich immer schlechter zu fühlen.

Dies hat für Mine Kühn einen ernsten Hintergrund: „Es ist gut möglich, dass die politischen und sozialen Veränderungen seit der Wende gerade für Männer im Osten so viel Stress bedeutet haben, dass ihre Gesundheit – oder zumindest ihr Gesundheitsgefühl – nachhaltig gelitten hat.“ Es sei bekannt, dass etwa Arbeitslosigkeit und anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit vermehrt zu ungesundem Verhalten wie etwa Alkoholkonsum oder Rauchen führten. Dass Männer stärker betroffen seien als Frauen, könne auch daran liegen, dass Frauen in schwierigen Zeiten insbesondere mehr von ihrem sozialen Netzwerk profitierten.

Laut Studie hatten direkt nach der Wende vor allem ostdeutsche Frauen über mangelnde Gesundheit geklagt. Mine Kühn glaubt, dass sie darunter gelitten haben, dass direkt nach der Wende vor allem frauentypische Arbeitsplätze wegfielen. Andererseits haben die ostdeutschen Männer – trotz gefühlt besserer Gesundheit – nach Erkenntnissen der Forscher beim gesunden Lebensstil noch nicht zu denen im Westen aufgeschlossen. Die ostdeutschen Männer lebten – wie vor der Wiedervereinigung – auch heute so ungesund wie keine andere Bevölkerungsgruppe.

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Erstellt:
9. Januar 2019, 03:14 Uhr

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