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Markgröninger Schäferlauf ist jetzt Unesco-Kulturerbe

Zusammen mit anderen 17 Festen kommt er auf die deutsche Liste – Freude darüber ist riesengroß

Ehrung - Die Feste in Markgröningen, Bad Urach und Wildberg sind künftig auf der bundesweiten Liste des immateriellen Kulturerbes vertreten. Die Veranstalter hoffen auf größere Bekanntheit und bessere Einnahmen. Ob sie es auch ins weltweite Register schaffen, ist fraglich. Julian Illi

Markgröningen Die Sektkorken knallen im Markgröninger Rathaus normalerweise im zweiten Stock, im Trauzimmer des Standesamts. Am Mittwoch hat auch Bürgermeister Rudolf Kürner in seiner Amtsstube ein Fläschchen geöffnet. Der Grund: Der Schäferlauf, in Markgröningen Tradition und fünfte Jahreszeit zugleich, wird Unesco-Kulturerbe. Das haben die Kultusminister der Bundesländer und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, entschieden.

Mit Markgröningen werden auch die Schäferläufe in Bad Urach (Kreis Reutlingen) und Wildberg (Kreis Calw) sowie die Altersgenossenfeste in Schwäbisch Gmünd in die bundesweite Liste des immateriellen Kulturerbes, wie das Register offiziell heißt, aufgenommen. Vor rund einem Jahr hatten die Kommunen den Antrag dafür gestellt. „Wir sind überglücklich“, sagt Bürgermeister Kürner. Teil der Unesco-Liste zu sein werte den Markgröninger Schäferlauf „immens auf“. Kürner hofft, dass das Fest, zu dem jedes Jahr rund 100 000 Besucher kommen, durch die Auszeichnung noch bekannter wird. Eine direkte finanzielle Unterstützung gibt es durch die Aufnahme nicht. Der parteilose Rathauschef hofft aber, künftig leichter an Fördertöpfe zu kommen.

Den Schäferlauf in Markgröningen gibt es in seiner heutigen Form seit dem Jahr 1651, erstmals urkundlich erwähnt wurde er allerdings schon 1445.

Er wird immer rund um den Bartholomäustag am 24. August zu Ehren des Schutzpatrons der Schafhirten abgehalten. Die Teilnehmer, junge Schäferinnen und Schäfer, rennen dabei barfuß über einen Stoppelacker, ein abgeerntetes Getreidefeld. Rund um das Rennen gibt es ein mehrtägiges Volksfest. Die Veranstaltung ist laut Stadt die älteste ihrer Art in Baden-Württemberg.

Mit der langen Historie begründen die Kultusminister und die deutsche Unesco-Kommission ihre jetzige Entscheidung: Es handle sich um „eine wandlungsfähige Kulturform mit jahrhundertelanger Tradition“. Sie trägt laut der Experten zur Erhaltung des Wissens und Könnens von Schäfern bei „und zeigt dies anschaulich für die Öffentlichkeit“. Dass beim Schäferlauf jedes Jahr viele lokale Gruppen und Vereine mitwirken, speziell beim großen Festumzug durch die Stadt, ist laut Unesco-Experten „sehr positiv hervorzuheben“.

Zusammen mit dem Schäferlauf wurden am Dienstag 17 weitere Feste, Traditionen und Bräuche in die deutsche Unesco-Liste aufgenommen, so zum Beispiel das Drechslerhandwerk oder das Augsburger Hohe Friedensfest. Insgesamt umfasst das Verzeichnis nun 97 Einträge.

Als gewissermaßen nächste Stufe könnte der Schäferlauf in die weltweite Liste der Unesco aufgenommen werden. Dafür rechne man sich aber keine besonderen Chancen aus, sagt Bürgermeister Kürner. Das globale Register des immateriellen Kulturerbes umfasst derzeit rund 500 Punkte. Ganze vier davon stammen aus Deutschland, darunter die Orgelmusik und der Orgelbau sowie die Falknerei. Vor wenigen Tagen schaffte es die Reggae-Musik aus Jamaika auf die Liste.

In Markgröningen ist man gleichwohl stolz, sich in dem bundesweiten, vierstufigen Auswahlverfahren durchgesetzt zu haben. „Wir sind im siebten Himmel“, sagt der Bürgermeister.

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Erstellt:
12. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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