Malaria und Dengue-Fieber
Massenmord an Mücken: Müssen alle Blutsauger ausgerottet werden?
Blutsauger auf dem Vormarsch: Weltweit breiten sich krankheitsübertragende Stechmücken immer schneller in neue Gebiete aus. Und erhöhen so das Risiko für Infektionen. Was kann man gegen die Inavsion der gefährlichen Plagegeister tun?
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Nur tote Mücken sind gute Mücken: Für die von den Stechinsekten Geplagten mag das stimmen, doch Mücken haben für das Ökosystem eine essentielle Bedeutung.
Von Markus Brauer/AFP
D Die tödlichsten Tiere der Welt sind nicht Löwen oder Giftschlangen, sondern winzige Mücken. Sie saugen unser Blut und übertragen Krankheiten. Manche Arten sind so gefährlich, dass Wissenschaftler ernsthaft über ihre Ausrottung diskutieren. Laut der Forschungsplattform „Our World in Data“ sterben jährlich rund 760.000 Menschen an den Folgen eines Mückenstichs.
Malaria – Geißel der Menschheit
Vor allem Malaria, auch Sumpffieber oder Kaltes Fieber genannt, gehört seit Menschengedenken zu den heimtückischsten Krankheiten. Die Malaria-Erreger werden durch Stiche von weiblichen Anopheles-Mücken übertragen.
Schon ein Stich einer infizierten Mücke reicht aus, um sich anzustecken. Erst nach einigen Tagen merken die Betroffenen, dass sie erkrankt sind, doch für viele ist es dann schon zu spät. Malaria verursacht Fieber, Anämie und neurologische Probleme und kann unbehandelt tödlich verlaufen.
Die Mücken stechen vor allem nachts zu. Die Erreger – sogenannte Plasmodien – gelangen in die Blutbahn und vermehren sich in der Leber. Die in Afrika verbreitete und schwerste Form, die Malaria tropica, wird durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöst. Plasmodien sind einzellige Parasiten, die große medizinische Bedeutung haben, da die Krankheitserreger der Malaria zu dieser Gattung gehören.
Klimawandel potenziert Mücken-Probleme
Trotz umfangreicher Maßnahmen zur Kontrolle und Ausrottung lebt noch immer fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Regionen mit Malaria-Risiko. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass Malaria jedes Jahr fast 250 Millionen Infektionen und mehr als 600.000 Todesfälle verursacht.
Mücken übertragen rund 17 Prozent aller Infektionskrankheiten, darunter Malaria, Zika, Dengue- und Gelbfieber. Durch den Klimawandel breiten sich die Insekten zunehmend in neue Regionen aus. Längere und wärmere Sommer könnten die Gefahr durch Mücken vergrößern.
Kann der Kampf gegen Mücken gewonnen werden?
Wie kann sich die Menschheit gegen diesen Feind wehren? Ist es möglich, die krankheitsübertragenden Mücken auszurotten? Und welche Folgen hätte das für die Umwelt?
Tatsächlich müssten nicht alle Mücken vernichtet werden. Von rund 3500 bekannten Arten stechen nur etwa hundert Menschen. Und lediglich fünf Arten seien für rund 95 Prozent aller Infektionen verantwortlich, sagt die Biologin Hilary Ranson von der Liverpool School of Tropical Medicine.
Sie hält deren Ausrottung angesichts der verheerenden Folgen der übertragenen Krankheiten für „vertretbar“. Das hätte vermutlich keine gravierenden Auswirkungen auf das Ökosystem, argumentiert die Wissenschaftlerin. Andere, genetisch ähnliche und weniger gefährliche Arten würden ihre ökologische Rolle voraussichtlich rasch übernehmen.
Der Insektenforscher Dan Peach von der University of Georgia teilt diese Einschätzung grundsätzlich, mahnt jedoch zu Vorsicht. Über die ökologische Funktion vieler Mückenarten sei bislang zu wenig bekannt. Mücken transportieren Nährstoffe aus Gewässern in andere Lebensräume und dienen unter anderem Fischen und Insekten als Nahrung. Teilweise bestäuben sie auch Pflanzen.
Wie könnte die Ausrottung in der Praxis funktionieren?
Zu den bekanntesten neuen Ansätzen zählt die Gene-Drive-Technologie. Dabei werden Tiere genetisch so verändert, dass bestimmte Eigenschaften an nahezu alle Nachkommen weitergegeben werden. Forscher konnten Weibchen der Malaria-Mücke Anopheles gambiae auf diese Weise unfruchtbar machen. Im Labor verschwand eine Population dadurch innerhalb weniger Generationen.
Das von der Bill-Gates-Stiftung finanzierte Projekt „Target Malaria“ plant bis 2030 erste Feldversuche in einem Malaria-Gebiet. In Burkina Faso erlitt das Vorhaben jedoch einen Rückschlag: Dort stoppte die Militärregierung vergangenes Jahr nach Kritik der Zivilgesellschaft und Desinformationskampagnen einen Test mit gentechnisch veränderten Mücken.
Eine weitere vielversprechende Strategie setzt auf das Bakterium Wolbachia pipientis. Werden Ägyptische Tigermücken damit infiziert, können sie Krankheiten wie Denguefieber deutlich schlechter übertragen.
Tod allen Mücken?
Damit stellt sich die Frage, ob die Mücken überhaupt getötet werden müssen. Eine 2025 veröffentlichte Studie zeigte, dass die Freisetzung von mit Wolbachia infizierten Mücken in der brasilianischen Stadt Niterói die Zahl der Dengue-Fälle um 89 Prozent senkte.
Mehr als 16 Millionen Menschen in 15 Ländern seien inzwischen durch diese Methode geschützt worden – „ohne negative Folgen“, berichtet Scott O’Neill, Gründer des World Mosquito Program.
Gentechnische Veränderungen von Anopheles gambiae
Parallel arbeitet das Projekt „Transmission Zero“ daran, mithilfe von Gene-Drive-Technologie Anopheles gambiae so zu verändern, dass die Tiere keine Malaria mehr übertragen können. Forschungsergebnisse, die Ende vergangenen Jahres im Fachjournal „Nature“ veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass dieses Ziel näher rückt.
Ein Feldversuch dazu soll 2030 beginnen. Der Fall Burkina Faso habe jedoch gezeigt, dass solche Projekte politische Unterstützung und gesellschaftliche Akzeptanz benötigen, erklärt Studienautor Dickson Wilson Lwetoijera vom Gesundheitsinstitut Ifakara in Tansania.
Statt allein auf technologische „Wunderlösungen“ zu setzen, die meist von der Gates-Stiftung finanziert werden, plädiert Biologin Ranson für einen umfassenderen Ansatz im Kampf gegen durch Mücken übertragene Krankheiten. Dazu gehörten ein besserer Zugang zu medizinischer Versorgung und Impfstoffen. Doch genau das wird durch die Kürzungen bei der internationalen Hilfe immer schwieriger.
