Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt weltweit

dpa Washington/Brüssel/Berlin. Weltweit haben sich der Johns-Hopkins-Universität zufolge inzwischen mehr als 42 Millionen Menschen mit dem Coronavirus angesteckt, mehr als 1,1 Millionen Infizierte sind schon gestorben. Viele Staaten stemmen sich mit scharfen Maßnahmen gegen weitere Corona-Ausbreitung.

Kurz vor Beginn der Ausgangssperre in Paris schließt das Restaurant - die Corona-Zahlen sind weiter hoch. Foto: Elko Hirsch/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Kurz vor Beginn der Ausgangssperre in Paris schließt das Restaurant - die Corona-Zahlen sind weiter hoch. Foto: Elko Hirsch/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen weltweit steigt und steigt. Täglich werden weitere Negativrekorde gemeldet. In den USA erhöhte sich die Zahl der Neuinfektionen binnen eines Tages erstmals seit Beginn der Pandemie auf mehr als 80.000.

Die Johns-Hopkins-Universität (JHU) verzeichnete dort am Freitag (Ortszeit) 83.757 neue Fälle, rund 12.000 mehr als noch am Vortag. Auch in Europa gehen die Werte steil nach oben. Belgien, das in Relation zur Einwohnerzahl zu den am stärksten von der Pandemie getroffenen Staaten in Europa zählt, registrierte mit 15.432 Infektionen (20. Oktober) binnen eines Tages einen Höchstwert.

In den USA mit ihren insgesamt rund 330 Millionen Einwohnern wurden nach JHU-Angaben seit Beginn der Pandemie knapp 8,5 Millionen Coronavirus-Infektionen bestätigt. Etwa 224.000 Menschen starben bislang - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Wenig besser ist die Lage in Indien (7,8 Millionen Infizierte/rund 118 000 Tote) und Brasilien (5,3 Millionen Infizierte, mehr als 156.000 Tote).

In der EU verzeichnen Frankreich und Spanien mit jeweils mehr als einer Million Infizierten und mehr als 34.000 Toten Negativrekorde. Noch mehr Tote gab es in Europa in Großbritannien (44.600) und Italien (mindestens 37.000).

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl wütet die Pandemie in Belgien und Tschechien besonders heftig. Belgien hat nur 11,5 Millionen Einwohner und registriert trotzdem höhere Neuinfektionszahlen als Deutschland mit rund 83 Millionen Menschen. Die EU-Seuchenbehörde ECDC meldete am Samstag für Belgien pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen 1115,6 Neuinfektionen, für Deutschland mit 118,8 etwa ein Zehntel. Der Trend zeigt nach Angaben von Belga steil nach oben: Im Schnitt registrierte das staatliche Gesundheitsinstitut Sciensano in den sieben Tagen vom 14. bis 20. Oktober 11 201 neue Ansteckungen, 56 Prozent mehr als in der Woche davor. Kneipen und Restaurants im Land sind zu, es gelten eine nächtliche Ausgangssperre und strikte Kontaktbeschränkungen.

In Tschechien mit knapp 10,7 Millionen Einwohnern ist die Lage nicht besser: ECDC meldete am Samstag pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen 1210,8 Neuinfektionen. Die Gesundheitsbehörden im Land meldeten mit 15.252 neuen Fällen binnen 24 Stunden den bisherigen Rekord-Zuwachs. Im Nachbarland Slowakei traten am Samstag landesweite Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Bis einschließlich 1. November dürfen Bürger ihre Wohnungen nur für den Weg zur Arbeit sowie dringende Besorgungen verlassen. An diesem und den beiden folgenden Wochenenden soll sich fast die gesamte Bevölkerung einem Antigen-Schnelltest unterziehen. Wer nach der Aktion keinen negativen Corona-Test vorweisen kann, muss in eine zehntägige Zwangsquarantäne. Auch mehrere slowakische Abgeordnete haben sich mit Corona infiziert.

In Polen wurde Präsident Andrzej Duda positiv auf das Coronavirus getestet. Sein Sprecher Blazej Spychalski teilte am Samstag auf Twitter mit, der 48 Jahre alte Präsident fühle sich gut. „Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsdienst“, schrieb Spychalski. Polen hatte am Freitag mit 13 600 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden einen neuen Höchststand gemeldet. Seit Samstag gelten im Land schärfere Maßnahmen. Unter anderem sind dort nun Restaurants geschlossen, Versammlungen mit mehr als fünf Personen verboten.

Auch andere Staaten Europas greifen inzwischen zu einschneidenden Maßnahmen: In Frankreich gilt seit Samstag eine nächtliche Ausgangssperre in 54 Départements und dem Überseegebiet Französisch-Polynesien. Betroffen sind davon 46 Millionen Menschen - zwei Drittel der Bevölkerung. Am Freitag gab es in Frankreich mit 42 032 Neuinfektionen binnen 24 Stunden wieder einen Rekord.

Gleiches galt auch für Österreich, Lettland und Litauen - auch dort wurden jeweils Rekordwerte bei den täglichen Neuinfektionen registriert. In Österreich wurden am Samstag 3614 Fälle innerhalb von 24 Stunden gemeldet - nach 2571 am Tag davor. Am Sonntag tritt in der Alpenrepublik eine Verschärfung der Maskenpflicht sowie der Kontaktbeschränkungen in Kraft.

Im spanischen Corona-Hotspot Madrid gilt seit Samstag eine „nächtliche Schließung“ zwischen Mitternacht und 6.00 Uhr morgens. In dieser Zeit sind öffentliche Zusammenkünfte und private Treffen mit nicht zum Haushalt gehörenden Menschen verboten. In Spanien zeichnet sich angesichts rasant steigender Corona-Zahlen eine Rückkehr zum Alarmzustand wie während der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr ab.

In Slowenien schließen die meisten Geschäfte, Hotels, Kindergärten, Studentenheime, Friseurläden und Schönheitssalons. In Lettland dürfen bei Veranstaltungen in Räumen nur noch maximal zehn Personen zusammenkommen. Die Einreise von Deutschland nach Dänemark ist seit Mitternacht nur noch mit triftigem Grund erlaubt.

In Italien kam es zu Protesten. In der süditalienischen Metropole Neapel gingen in der Nacht zum Samstag Hunderte Menschen gegen eine Ausgangssperre und einen geplanten Lockdown für die Region Kampanien auf die Straße. Es gab zwei Festnahmen, zwei Polizisten wurden leicht verletzt. Die beiden Festgenommenen wurden in einem Schnellverfahren zu Haftstrafen von 20 Monaten und 14 Monaten verurteilt, die sie aber nicht im Gefängnis verbüßen müssen. Die Hauptstadtverwaltung in Rom kündigte die abendliche Schließung beliebter Treffpunkte an Wochenenden an, um Menschenansammlungen zu vermeiden: Freitags und Samstag von 21.00 Uhr bis Mitternacht sollen zentrale Plätze geschlossen bleiben.

Die Regierung in Wales erntete mit einem Verkaufsverbot für etliche Waren in Supermärkten massive Kritik. Als Teil eines temporären Lockdowns dürfen die Märkte nur noch „essenzielle Waren“ verkaufen - selbst Geräte wie Wasserkocher oder Textilien wie Kissen und Bettlaken, aber auch Postkarten oder Geschirr sind in den Läden mit Plastikfolien oder anderen Barrieren abgesperrt. In London demonstrierten Tausende Menschen gegen die Corona-Maßnahmen der britischen Regierung. Die Protestierenden sprachen sich gegen die Maskenpflicht aus und kritisierten die geltenden Maßnahmen als Tyrannei oder Überwachung.

In der Türkei hat sich der Bürgermeister der Millionenmetropole Istanbul, Ekrem Imamoglu, mit dem Coronavirus infiziert. Wie der 50 Jahre alte Oppositionspolitiker am Samstag via Twitter mitteilte, begab er sich Freitagabend mit hohem Fieber ins Krankenhaus.

Mit Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat sich ein weiterer Prominenter mit dem Coronavirus angesteckt - und das kurz vor einer Wahl. Der Ex-Boxweltmeister kandidiert bei der Abstimmung am Sonntag für eine weitere Amtszeit als Rathauschef in der Hauptstadt der Ukraine. Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune begab sich freiwillig und vorsorglich in Quarantäne, nachdem der Verdacht auf Corona-Infektionen bei mehreren seiner Berater aufgekommen war.

© dpa-infocom, dpa:201024-99-61624/8

In Neapel ist es in der Nacht zu Protesten gegen eine Ausgangssperre gekommen. Foto: Fabio Sasso/ZUMA Wire/dpa

In Neapel ist es in der Nacht zu Protesten gegen eine Ausgangssperre gekommen. Foto: Fabio Sasso/ZUMA Wire/dpa

Kaum Gäste am Abend: Der Besitzer eines Restaurants in Rom schaut auf die Straße. Foto: Luca Bruno/AP/dpa

Kaum Gäste am Abend: Der Besitzer eines Restaurants in Rom schaut auf die Straße. Foto: Luca Bruno/AP/dpa

Ein Leitschild auf dem Bürgersteig weist in Manchester auf die Beachtung der Mindestabstände hin. Foto: Danny Lawson/PA Wire/dpa

Ein Leitschild auf dem Bürgersteig weist in Manchester auf die Beachtung der Mindestabstände hin. Foto: Danny Lawson/PA Wire/dpa

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Erstellt:
24. Oktober 2020, 04:32 Uhr

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