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Protest gegen Rassismus in Washington

dpa Washington. "I have a dream": Vor 57 Jahren hielt Martin Luther King Jr. in Washington seine berühmte Rede. Jetzt spielte bei einer Kundgebung an selber Stelle die Polizeigewalt gegen Schwarze eine zentrale Rolle.

Demonstranten haben in Washington für ein Ende von Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze protestiert. Foto: Jose Luis Magana/AP/dpa

Demonstranten haben in Washington für ein Ende von Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze protestiert. Foto: Jose Luis Magana/AP/dpa

Tausende Menschen haben in Washington für ein Ende von Rassismus und Polizeigewalt gegen schwarze US-Amerikaner demonstriert.

„Genug ist genug“, rief der afroamerikanische Bürgerrechtler Al Sharpton, einer der Organisatoren der Kundgebung, den Versammelten am Lincoln-Memorial im Herzen der US-Hauptstadt zu.

„Wir fordern echten, dauerhaften, strukturellen Wandel“, sagte der Bürgerrechtler Martin Luther King III bei der Kundgebung. Er ist der älteste Sohn von Martin Luther King Jr., der auf den Tag genau vor 57 Jahren an selber Stelle seine berühmte Rede mit den Worten „Ich habe einen Traum“ hielt. „Wir werden diesen Traum erfüllen“, verkündete Sharpton.

Martin Luther King III rief die Afroamerikaner auf, bei der Präsidentenwahl am 3. November ihre Stimme abzugeben, „als würden unser Leben, unsere Existenzen und unsere Freiheiten davon abhängen - weil das so ist“. Möglichst viele sollten auch ihre Hilfe bei der Durchführung der Wahl anbieten, „damit jede Stimme gezählt“ werde. „Wir müssen entschieden unsere Wahlrechte verteidigen, weil sie mit dem Blut derer erkauft wurden, die dafür gelyncht wurden, dass sie ihre Verfassungsrechte ausüben wollten.“ Seine Tochter, die zwölfjährige Yolanda Renee King, versprach: „Wir werden die Generation sein, die diesen Rassismus ein und für alle Mal beendet.“

Die Kundgebung war dem Jahrestag des „Marsches auf Washington“ von 1963 gewidmet und stand im Zeichen der jüngsten Fälle von Polizeigewalt, die für Empörung in den USA gesorgt hatten. Das war vor allem der Tod von George Floyd. Er starb bei seiner Festnahme, nachdem ein Polizist mehr als acht Minuten lang sein Knie auf Floyds Hals gehalten hatte. Erst am Wochenende hatten sieben Schüsse in den Rücken des Schwarzen Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz in der Stadt Kenosha (Wisconsin) für neue Proteste gesorgt.

„Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden!“, rief Blakes Vater auf der Kundgebung aus. Die Menschenmenge wiederholte den Slogan, der auf Proteste in den 80er Jahren zurückgeht. In den USA gebe es zwei Justizsysteme - eins für weiße, eins für schwarze, kritisierte Jacob Blake Senior.

Sharpton nahm bei seinem Auftritt Bezug auf den Tod Floyds: „Wir könnten genauso erfolgreich sein wie andere. Aber die Gesellschaft hielt das Knie in unserem Nacken.“ Das müsse jetzt ein Ende haben. „Ich bin es leid, Gerechtigkeit zu verlangen“, sagte Aktivist Frank Nitty. „Wir marschieren schon seit 60 Jahren mit denselben Forderungen. Schwarze Menschen sollten nicht immer noch für dasselbe auf die Straße gehen wie Martin Luther King.“

Auch die 24-jährige Angelica Watson aus Philadelphia sagte, ihr Vater und ihr Onkel seien 1963 bei dem Marsch dabei gewesen. „Aber wir kämpfen heute noch mit denselben Problemen“, betonte sie. „Das Wichtigste für mich ist Gleichberechtigung - denn der Rest, jedes weitere Problem, nimmt den Ursprung darin.

Viele Teilnehmer der Kundgebung trugen Masken, auch wenn viele Menschen entgegen der Empfehlungen von Gesundheitsexperten dicht gedrängt standen. Dennoch war es ein Kontrast zur Nominierungsrede von Präsident Donald Trump im Garten des Weißen Hauses am Vortag, wo die rund 1500 geladenen Gäste eng nebeneinander saßen und kaum jemand mit Maske zu sehen war.

Vor dem Protesttag war die Umgebung des Weißen Hauses weiträumig mit hohen Zäunen und Betonpollern abgesichert worden. Einige Geschäfte in der Nähe deckten ihre Schaufenster mit Holzplatten ab. Nach der Kundgebung zogen Gruppen von Demonstranten durch die zum Teil abgeriegelte Innenstadt. Die Lage blieb ruhig.

Als die Kundgebung fast vorbei war, kam aus dem nur wenige hundert Meter entfernten Weißen Haus die Nachricht, dass Trump die schwarze Amerikanerin Alice Johnson begnadigt habe. Sie war in den 90er Jahren wegen einer Beteiligung am Drogenschmuggel zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden und verbrachte mehr als 20 Jahre im Gefängnis. Ihr Fall gilt als ein Beispiel für eine übermäßige Härte des US-Justizsystems. Trump erließ Johnson den Rest der Haftstrafe, nachdem Society-Promi Kim Kardashian sich bei ihm für sie eingesetzt hatte. Johnson trat diese Woche auf dem Parteitag der Republikaner auf, der Trump zum Präsidentschaftskandidaten kürte.

Trump und die Republikaner sind derzeit bemüht, Vorwürfe zu widerlegen, der Präsident spreche rassistische Wähler an. Biden ist unterdessen allein schon als Vize von Präsident Barack Obama bei schwarzen Wählern populär. Auf dem Parteitag der Republikaner traten viele schwarze US-Amerikaner auf. Trump selbst sagte bei seiner Nominierungsrede am Donnerstagabend: „Ich sage mit großer Bescheidenheit, dass ich mehr für die afroamerikanische Community getan habe als jeder Präsident seit Abraham Lincoln.“ Unter Lincoln wurde vom Kongress der 13. Zusatz zur US-Verfassung angenommen, mit dem die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde.

© dpa-infocom, dpa:200829-99-351864/3

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Erstellt:
29. August 2020, 03:44 Uhr

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