„Oreschnik“-Rakete gegen Kiew im Einsatz

Russlands „Haselstrauch“ ist eine todbringende Hyperschallwaffe

Die Ukraine fordert eine internationale Reaktion auf die massiven russischen Luftangriffe gegen Kiew. Das Entsetzen über eine neue gefürchtete Waffe Moskaus, die Mittelstreckenrakete vom Typ „Oreschnik“, ist besonders groß. Was kann diese Waffe und ist sie tatsächlich so innovativ, wie Russland behauptet?

Auf diesem vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am 29. Dezember 2025 zur Verfügung gestellten Bild ist ein russisches Oreschnik-Raketensystem während eines Trainings an einem ungenannten Ort in Belarus zu sehen. Die Rakete Oreschnik gilt als eine der neuesten Entwicklungen der russischen Waffentechnik. Sie ist prinzipiell fähig, Atomsprengköpfe zu tragen.

© Imago/ZUMA Press

Auf diesem vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am 29. Dezember 2025 zur Verfügung gestellten Bild ist ein russisches Oreschnik-Raketensystem während eines Trainings an einem ungenannten Ort in Belarus zu sehen. Die Rakete Oreschnik gilt als eine der neuesten Entwicklungen der russischen Waffentechnik. Sie ist prinzipiell fähig, Atomsprengköpfe zu tragen.

Von Markus Brauer/AFP/dpa

 Russland hat in der Ukraine erneut die wegen ihrer Zerstörungskraft besonders gefürchtete neue Mittelstreckenrakete vom Typ „Oreschnik“ eingesetzt – erstmals nahe der Hauptstadt Kiew. Es handle sich um eine Antwort auf die „terroristischen Angriffe“ der Ukraine auf zivile Objekte in Russland, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Nach ukrainischen Angaben schlug die Rakete in der Großstadt Bila Zerkwa im Kiewer Gebiet ein.

Die russische Militärführung behauptete, dass bei kombinierten Angriffen mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen unter anderem Ziele der ukrainischen Rüstungsindustrie, militärische Infrastruktur und Kommandostellen getroffen worden seien.

Rakete kann konventionelle und atomare Sprengköpfe tragen

Die auch in Belarus von Moskau stationierte „Oreschnik“-Rakete (auf Deutsch: Haselstrauch) kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometer pro Stunde und ihre Reichweite von bis zu 5000 Kilometer machen sie zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent.

Es war bereits der dritte Einsatz der Waffe in dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine - einmal ohne Sprengköpfe in Dnipro im Südosten der Ukraine und zuletzt im Januar in der Westukraine.

Handelt es sich nur um modifizierten Raketentyp?

Bei der Mittelstreckenrakete handelt es sich offenbar um einen Teil des Raketenprogramms „RS-26 Rubesch“. Nach Angaben aus US-Sicherheitskreisen besitzt Russland nur über eine geringe Stückzahl der „Oreschnik“, welche die Nato-Bezeichnung SS-X-34 trägt.

Die Rakete kann mehrere Sprengköpfe gleichzeitig tragen, die sich vor dem Wiedereintritt der Rakete in die Erdatmosphäre von der Rakete ablösen und unabhängig mehrere Ziele ansteuern können. Die Rakete erreicht in der Endphase eine Geschwindigkeit von Mach 10 bzw. 12.300 Stundenkilometern.

„RS-26 mit einigen Upgrades“

Laut einem US-Raketenexperten ist die „Oreschnik“ eine „RS-26 mit einigen Upgrades“. Sie soll demnach „zu 80 bis 90 Prozent mit ihr identisch“ sein. Nach US-Angaben ist die „Oreschnik“ ballistische Mittelstreckenrakete, die Attrappen vor der Detonation abwirft. Dies mache neben ihrer enormen Geschwindigkeit von 2 bis 3 Kilometern pro Sekunde und der schwer vorhersehbaren Flugbahn ein Abfangen schwierig.

„Beim Start solcher Raketen weiß man bis zum Einschlag nicht, ob sie nuklear oder konventionell bestückt ist“, erläutert Ulrich Kühn vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. „Das Besondere dieser bodengestützten, mobilen Rakete ist ihre Reichweite und ihr Sprengkopf.“

„Der militärische Wert dieser Rakete ist momentan noch begrenzt, da Russland sehr wenige Exemplare haben dürfte und diese auch eher teuer sein dürften“, betont Kühn. „All das könnte sich aber ändern, wenn Moskau diese Rakete in Massenproduktion herstellen würde.“

Waffe soll Angst verbreiten

Der frühere US-Generalleutnant Ben Hodges hält zu viel Sorge vor der erstmals eingesetzten Waffe für unbegründet. „Die Russen haben von Anfang an Waffen eingesetzt, die Atomsprengköpfe tragen können“, betont der Ex-General.

Diese neue Rakete hätte auch nicht mehr Schaden angerichtet als die vielen anderen Schläge Russlands. „Wir müssen die russische Panikmache ignorieren.“ Der einzige Vorteil dieser Waffe für Russland sei die Angst, die sie erzeugt.

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Erstellt:
24. Mai 2026, 14:08 Uhr

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