Schnelles Internet auch für kleine Ortsteile

Breitbandversorgung: Förderung für 118 Auenwalder Einwohner wird beantragt – Ausbau ist aber für drei Mini-Ortsteile zu teuer

Die Auenwalder Ortsteile Trailhof, Trailhöfle und Rottmannsberg mit 120 Einwohnern sollen eine Breitbandversorgung erhalten. Das beschloss der Gemeinderat am Montagabend. Von den Gesamtkosten (1,4 Millionen Euro) übernimmt die Gemeinde zehn Prozent. Wegen zu hoher Kosten werden die Mini-Ortsteile Tiefental, Rottmannsberger Sägemühle und Sauerhof mit 16 Einwohnern nicht versorgt, so der Rat.

Zukunftsmusik: Noch gibt es im Gemeindegebiet von Auenwald keine Glasfasern, in der Nachbargemeinde Allmersbach im Tal werden diese bereits verlegt (wir berichteten). Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Zukunftsmusik: Noch gibt es im Gemeindegebiet von Auenwald keine Glasfasern, in der Nachbargemeinde Allmersbach im Tal werden diese bereits verlegt (wir berichteten). Foto: A. Becher

Von Florian Muhl

AUENWALD. „Unsere Bundeskanzlerin hat irgendwann mal versprochen: Bis zum Jahr 2025 haben wir Glasfaser überall in den Häusern. Das ist aber völlig unrealistisch, so viele Baufirmen haben wir gar nicht“, sagte Martin Götzer in der Gemeinderatssitzung. Der Ingenieur von der Backnanger Firma TktVivax hält es für realistisch, „dass wir in den nächsten zehn Jahren zu einer vernünftigen Versorgung kommen.“ Was das für die Gemeinde Auenwald bedeutet, erläuterte er dem Gremium. Voraus schickte er, dass es noch nie für eine Kommune so günstig war, in den Breitbandausbau zu investieren, denn 90 Prozent der Kosten übernehmen der Bund (50 Prozent) und das Land (40 Prozent). „Gefördert wird bis zum Hausanschluss“, sagte Götzer.

„Wir haben unseren Fokus auf drei Höfe gelegt“

Die Förderung gibt es aber nur für Gebiete, in denen die Versorgung im Moment noch unter 30Mbit/s beträgt. 96 Prozent der Privatanschlüsse in der Gemeinde verfügen laut Breitbandatlas des Bundesverkehrsministeriums bereits über 30Mbit/s oder mehr. Die weißen Flecken der Unterversorgung sind zwar gering, sie gibt es aber auch in Auenwald. Es sind sechs kleine beziehungsweise winzige Ortsteile. „Wir haben uns fokussiert auf die Höfe Trailhof, Trailhöfle und Rottmannsberg“, sagte der Ingenieur. Dort leben zusammen rund 120 Bürger. Die Firma Tkt Vivax habe die Erschließungskosten ausgerechnet. Diese betragen demnach für die drei Ortsteile zusammen 1,4 Millionen Euro. Davon betrage die Förderung 90 Prozent.

„Außen vor gelassen haben wir die drei Höfe Tiefental, Rottmannsberger Sägemühle und Sauerhof.“ Die Erschließungskosten für diese drei Ortsteile, in denen keine 20 Bürger zu Hause sind, gab der Ingenieur mit 645000 Euro an. „Da haben wir uns darüber verständigt, dass das wenig Sinn macht“, sagte Götzer. Der Aufwand stünde in keinem wirtschaftlichen Verhältnis zum Nutzen.

Dem pflichtete Bürgermeister Karl Ostfalk bei: „Wenn man überlegt: In Tiefental stehen zwei Häuser, da wohnt niemand, eines in der Sägmühle und vier im Sauerhof – das wären über eine halbe Million für fünf Häuser oder 130000 Euro pro Haus, das ist nicht wirtschaftlich.“ Auch wenn für die Gemeinde pro Haus nur 13000 Euro hängen bleiben würden, die restlichen 117000 Euro seien auch öffentliches Geld. Ostfalk kam zum Schluss: „Alle weißen Flecke werden wir nicht beseitigen können.“

UWA-Sprecher Franz Matyas gab zu bedenken: „Wenn wir’s nicht jetzt machen, machen wir’s nie. Das muss man den Leuten sagen.“ Der Bürgermeister machte dann doch noch ein Hintertürchen auf: „Wenn wir unsere Wasserleitungen neu legen, dann kann es von heut auf morgen nicht mehr 650000 sein, sondern ganz wenig; dann machen wir’s mit.“ Letztlich beschloss der Gemeinderat einstimmig, den Förderantrag für Trailhof, Trailhöfle und Rottmannsberg zu stellen. Gebaut werden kann dann laut Götzer frühestens im zweiten Quartal 2020.

Info
Wer hinter Tkt steckt

Die beiden Consulting-Unternehmen tkt teleconsult Telekommunikationsgesellschaft GmbH, gegründet 1995, aus Backnang, und die Vivax GmbH, gegründet 2009 und aus Berlin, arbeiten im Bereich zukunftsorientierter Telekommunikationstechnologien und Organisations-, Prozess- und Digitalisierungsberatung in der kommunalen Versorgungswirtschaft.

2018 fusionierten beide Unternehmen zur tktVivax GmbH mit Sitz in Berlin.

Rund 50 Mitarbeiter sind an den fünf Standorten Berlin, Backnang, Potsdam, München und Köln beschäftigt.

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Erstellt:
24. Juli 2019, 06:00 Uhr

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