Brand in Reutlingen

So werden Umspannwerke geschützt

Umspannwerke gehören zu den empfindlichsten Punkten im Stromnetz. Der Fall Reutlingen zeigt, wie schnell ein einzelner Vorfall tausende Menschen treffen kann.

Nach einem großflächigen Stromausfall in Reutlingen stehen Polizeikräfte auf dem Gelände eines Umspannwerks.

© dpa/Christoph Schmidt

Nach einem großflächigen Stromausfall in Reutlingen stehen Polizeikräfte auf dem Gelände eines Umspannwerks.

Von red/dpa

Umspannwerke gelten als Herzstücke der Stromversorgung. Fällt eine solche Anlage aus, können ganze Stadtteile ohne Strom, Internet oder Mobilfunk dastehen. Das Feuer in einem Umspannwerk in Reutlingen wirft die Frage auf, wie gut diese Art von kritischer Infrastruktur eigentlich geschützt ist.

Der Netzbetreiber Netze BW verweist dabei auf umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Für sensible Anlagen gebe es spezielle Schutzkonzepte und teilweise auch Überwachungstechnik. Welche Maßnahmen eingesetzt werden, hänge von der jeweiligen Risikoeinschätzung ab. Diese werde laufend überprüft und angepasst.

„Als Betreiberin sogenannter systemkritischer Infrastruktur hat die Netze BW Sicherheitskonzepte entwickelt und sich intensiv mit besonders sensiblen Punkten ihrer Infrastruktur auseinandergesetzt“, teilte das Unternehmen mit. Zudem bestehe ein enger und kontinuierlicher Austausch mit den zentralen Institutionen des behördlichen Krisen- und Katastrophenschutzes. 

Einen vollständigen Schutz könne es allerdings nicht geben, räumt die Netze BW ein. Grund seien die Vielzahl an Anlagen und die großen Leitungslängen im Netz. Deshalb konzentriere sich die Absicherung besonders auf kritische Standorte. 

Keine 100-prozentige Sicherheit

Zum deutschen Stromnetz gehören laut den vier Übertragungsnetzbetreibern rund 300 große Umspannwerke in der Höchstspannungsebene. Zusätzlich gebe es bundesweit tausende weitere Umspannwerke und Trafostationen, die den Strom schrittweise bis zu Haushalten und Unternehmen weiterverteilen.

Der österreichische Krisen- und Blackout-Vorsorge-Experte Herbert Saurugg erklärte, dass viele Umspannwerke vergleichsweise weit im Gelände lägen. „Die Vorstellung, die kann man einfach irgendwie schützen - das funktioniert nicht“, sagte Saurugg. Kritische Infrastruktur sei grundsätzlich verletzlich, Ausfälle könnten sich schnell „kaskadenartig“ ausbreiten. Daher sei es wichtig, dass die Bevölkerung mit solchen Ausfällen umzugehen lerne. 

Nach dem Brand in dem Umspannwerk in Reutlingen wird wegen möglicher Brandstiftung ermittelt. Nach Angaben von Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) waren rund 7.600 Gebäude und etwa 40.000 Menschen von dem Stromausfall betroffen.

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Erstellt:
9. Juni 2026, 13:57 Uhr

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