Sonne satt, Hip-Hop, VfB und hoher Besuch
An Pfingsten brach der Sommer aus. Und zigtausende fluteten die Stadt, um Fußball zu schauen, Musik zu hören oder den Bundespräsidenten zu treffen.
Von Frank Rothfuss,
Stuttgart - An Pfingsten ist den Menschen der Heilige Geist erschienen. In Stuttgart kam immerhin der Bundespräsident vorbei. Und die Hip-Hop-Jünger der Stadt lernten zwar nicht in allen Sprachen der Welt zu sprechen, aber in „Esperanto“, dem gleichnamigen Album von Freundeskreis.
Krimi, Musik und hoher Besuch auf dem Schlossplatz, Pokalfinale in den Kneipen, Biergärten, Schrebergärten, Terrassen und beim Public Viewing auf dem Schlossplatz. Die Stadt swingte und groovte, der Sommer war pünktlich angekommen und mit ihm gute Laune. Und die schwand auch nicht, obwohl das Pfingstwunder des VfB ausblieb.
Wenn die Bayern mitkicken, ist das leider wie beim „Tatort“: Man weiß meistens, wie es ausgeht. Am Freitagabend standen noch nicht Undav und Kane im Mittelpunkt, lebensgroße Pappaufsteller der Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz kündeten davon, auf dem Schlossplatz wurde die Folge „Lucys Geburtstag“ gezeigt. Vorab. Wer keine Karte bekommen hatte, sieht den Krimi erst im Dezember.
Die Geschichte dreht sich um den Fund einer Leiche im Steinbruch. Mehr wird hier natürlich nicht erzählt. Mit der Tatort-Premiere begann das SWR-Sommerfestival.Am Samstag kamen 6000 Fans beim Jubiläumskonzert „30 Jahre 0711“ zusammen. Neben Hymnen auf die „Mutterstadt“ und Erinnerungen an die goldenen Zeiten im 0711-Club am Pragsattel – angeführt von den Massiven Tönen, die auch den 30. Geburtstag ihres „Kopfnicker“-Albums zelebrierten – bestimmte auch das DFB-Pokalfinale die Gesprächsthemen am Abend. Nicht nur die Fans machten im weiß-roten Dress deutlich, dass ihr Herz zwar im Takt von 0711, aber auch von 1893 schlägt. Hinter der Bühne und im Publikum ging am Samstagabend der eine oder andere Blick mehr aufs Handy als sonst. Die Niederlage des VfB in Berlin tat der Stimmung am Schlossplatz allerdings keinen Abbruch. Im Anschluss zog die 0711-Crew in den Pop-up-Club Lerche 22 im Marquardtbau zur Aftershow-Party. Wenn man schon mal zusammenkommt, dann richtig.
Das dachten auch die 18 000 Besucher beim Public Viewing am Mercedes-Museum. Wenn man schon mal unterwegs ist, lässt man sich von einer Niederlage nicht die Laune verderben. Viele strebten aus Bad Cannstatt gen Innenstadt, Weiß und Rot bestimmte lange nach Mitternacht noch das Stadtbild.
Am Sonntag war dann aber Klamottenwechsel angesagt. In schicker Sommergarderobe flanierten die Besucher über den Schlossplatz, um von 11 Uhr an das Benefizkonzert des Bundespräsidenten anzuschauen. „Wir sind aus Pfaffenhofen hergekommen. Ich habe vor fünf Jahren das Bundesverdienstkreuz für meine ehrenamtliche Tätigkeit erhalten und wurde deshalb eingeladen“, erzählte Martha Issler, die mit Tochter Simone das Konzert besucht.
In der Zwischenzeit fuhr die Limousine von Frank-Walter Steinmeier vor. Ebenfalls auf der Bühne dabei: der frisch gebackene Ministerpräsident Baden-Württembergs, Cem Özdemir. Auf die Frage der Moderatorin, wie es im neuen Amt laufe, antwortete er: „Ja, wie soll’s laufen? Wir haben Hammerwetter, wir haben hier Hochkultur und wir haben den Bundespräsidenten und seine Frau Gemahlin zu Gast. Da muss es einem doch gut gehen.“ Einzig die Niederlage des VfB trübe seine Laune etwas. Aber, so warf er schmunzelnd ein: „Das Leben geht weiter.“
Steinmeier blickte dem Vormittag freudig entgegen. Auf die Frage, ob das erstmalige Auftreten einer Big Band beim jährlichen Benefizkonzert des Bundespräsidenten seinen Geschmack treffe, sagte er: „Wir wollen Bach und Beethoven überhaupt nicht vertreiben, aber ich freue mich, dass es dieses Mal Jazz ist – meine Lieblingsmusik.“ Mit dabei waren auch Max Mutzke und Foda Dala.
Der Erlös des Benefizkonzerts des Bundespräsidenten wird an wohltätige Organisationen gespendet. In diesem Jahr gehen die Einnahmen an die Arche und den Verein Herzenssache. Beide Projekte setzen sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein.
Einzig die heißen Temperaturen im schattenlosen Innenhof trübten bei manchen die Stimmung. „Für ein wenig Schatten hätte man ja sorgen können“, kommentierte eine Besucherin. Einen Sommer, an dem es nichts zu meckern gibt, das gibt es in Deutschland nicht mal an Pfingsten.
